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Seepferdchen

Ein Sinnbild für Gelassenheit

Aquaristik/Terraristik | Mittwoch, 6. November 2013, FLH

Seepferdchen sind in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche Tiere. Ihr ungewöhnliches äußeres Erscheinungsbild mit dem pferdeähnlichen Kopf ist für ihren Namen verantwortlich.

Schon seit Jahrhunderten ranken sich Geschichten und Mythen um diese skurrilen Fische. In der römischen Mythologie zogen sie den Streitwagen des Meeresgottes Neptun und in vielen Ländern Asiens schreibt man ihnen sogar heute noch magische Kräfte und Heilwirkungen zu. Kein Wunder, ist doch bei den Seepferdchen nicht nur das Aussehen sonderbar.

Schwangere Männchen. Das ist wohl das erste, was einem zum Verhalten der Seepferdchen in den Sinn kommt. Doch ihr ganzes Balz- und Paarungsverhalten ist bemerkenswert. Begegnen sich interessierte Männchen und Weibchen in der Paarungszeit, geben sie ihr normales Verhalten auf und nähern sich zunächst in einem teilweise tagelang dauernden Balzritual an. Hierbei schwingen die grazilen Seepferdchen ihren Körper synchron hin und her, wiegen sich wie bei einem Tanz im Rhythmus mit den Algen vor und zurück und winden ihre Schwänze ineinander. Mit steigender Erregung beginnen ihre Körper oft in rötlichen Tönen zu leuchten und das Männchen gibt brummende Balzgeräusche von sich.

Rein in Papas Beutel

  © FLH

Wenn beide Seepferdchen paarungsbereit sind, recken sie ihre trompetenförmigen Schnauzen nach oben und wenden sich Bauch an Bauch einander zu. Das Weibchen führt mit seinem Eiablageapparat bis zu 200 Eier in eine vorbereitete, mit frischem Wasser durchspülte, Bruttasche am Bauch des Männchens ein. Danach befruchtet das Männchen die Eier mit seinen Spermien.

Über zwei Wochen wird der Nachwuchs über die Blutgefäße an der Innenwand der Bruttasche mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Dabei wird der Brutbeutel bis zum Zeitpunkt der Geburt von Tag zu Tag dicker. Dann öffnet er sich und das Männchen schleudert mit heftigen Zuckbewegungen, fast wie unter Wehen, die winzigen kleinen Seepferdchen aus dem Beutel. Der Nachwuchs sieht wie eine Miniaturausgabe seiner Eltern aus und ist direkt nach der Geburt von erstem Tag an auf sich selbst gestellt.

Echte Romantiker
Die meisten Seepferdchen leben monogam und treffen sich jeden Morgen zu einem kurzen Ritual, bei dem sie ihre Schwänze für einen kurzen Tanz umeinander schlingen, bevor jeder allein für sich auf Nahrungssuche durchs Revier schwebt. Kurz nach der Geburt ihrer Jungen beginnen die Seepferdcheneltern wieder mit ihrem außergewöhnlichen Balzverhalten. Denn während der Nachwuchs in der Bruttasche des Männchens heranreifte, konnten sich bei dem Weibchen schon wieder zahlreiche neue Eier entwickeln.

Je mehr man über das Leben und die Liebe der Seepferdchen erfährt, umso verständlicher wird der Wunsch, diese faszinierenden Fische auch im eigenen Aquarium bestaunen zu wollen. Wenn einige wichtige Hinweise beachtet werden, ist dies für erfahrene Aquarianer mit Disziplin und konstanter Pflege auch möglich.

«Am besten hält man Seepferdchen in einem Becken, das mindestens 100 Liter fasst, relativ hoch ist und dekoriert es dicht, unter anderem auch mit Caulerpa-Algen. Lebende Steine, Korallen und Dekoration müssen genügend Haltemöglichkeiten für die Aufrechtschwimmer bieten», erläutert Roland Zobel von der Fördergemeinschaft Leben mit Heimtieren e.V.

Am besten Paarweise im Aquarium
«Da Seepferdchen überwiegend monogam leben, sollten möglichst Paare gehalten werden. Seepferdchen sind Fische für das Artenbecken, da viele andere schnell schwimmende Fischarten für die langsameren Seepferdchen Nahrungskonkurrenten darstellen. Eine große Herausforderung ist die Umgewöhnung der Seepferdchen auf Frostfutter, wenn nicht täglich genügend Lebendfutter in Form von Kleinkrebsen bereitgestellt werden kann.

Gelingt einem die Haltung und die nicht schwierige - aber sehr zeitaufwändige Nachzucht - kann man sich tagtäglich an den wundersamen Wesen mit ihren bizarren Aussehen erfreuen, kommt aus dem Staunen nicht raus und wird dabei gelassen wie ein Seepferdchen.»

 

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