Tipps
› Zurück

Aquaristik

Wohnen im tropischen Regenwald

Aquaristik/Terraristik | Donnerstag, 14. Februar 2013, Lars Lepperhoff

Ein Tropenwald in der Stube? Was sehr abenteuerlich klingt, ist durchaus möglich. Der Autor Lars Lepperhoff erklärt, wie ein besonderes Uferaquarium einen tropischen Flussabschnitt in den Wohnbereich bringt. 

Leben, dort wo tropische Wärme herrscht, wo exotische Vogelstimmen erklingen, geheimnisvolles Rascheln eine Kröte verrät, Wasser gluckst und üppiges Grün rankt – das muss kein Traum bleiben. Ein Paludarium oder Uferaquarium bringt die Tropen in das Wohnzimmer. Während ein Aquarium mit Deckel die Unterwasserwelt der Tropen zeigt, bietet ein Paludarium einen Flussausschnitt mit Uferbewuchs. 

Worauf muss bei der Anschaffung eines Paludariums geachtet werden? Mein Becken hat die Masse von 200 × 60 × 55 Zentimetern (L × B × H). Hinten ist auf der ganzen Längsseite eine Kammer von 15 Zentimeter Tiefe mit Glas abgetrennt. Rechts und links befindet sich je eine Vorkammer. Links ist ein Filter platziert und rechts wird das Wasser angesogen. In der Kammer hinten befinden sich Luwasa-Tonkugeln. Das Wasser fliesst auf der ganzen Länge von zwei Metern durch diese Blähtonkugeln, um dann wieder in das Becken auszuströmen. So wird das Aquarienwasser biologisch gefiltert, denn auf den runden Blähtonkügelchen, die im stetigen, milden Wasserstrom liegen, siedeln sich Bakterien an, die das Wasser reinigen. Bevor das Wasser in die lange Kammer mit den Tonkügelchen gelangt, passiert es einen Schaumstoffteil, in dem sich die groben Schwebeteilchen verfangen und der regelmässig ausgewaschen wird. In der Kammer mit den Blähtonkugeln wurzeln Pflanzen wie Epipremnum pinnatum, Ficus pumila und Philodendron scandens. Auf kahlen Ästen siedeln Tillandsien und Bromelien.  Nach einigen Jahren war die ganze Rückwand des Zimmers vollständig überwachsen mit Pflanzen, ja, die Tropenpflanzen wachsen zwischenzeitlich sogar im gesamten Zimmer den Wänden und der Decke entlang, sodass ich in der Tat im Urwald sitze. 

Gewisse Wasserpflanzenarten kommen auch ohne CO2-Düngung aus
Ohne Licht gedeihen Pflanzen kaum. Darum sind an einer Metallhalterung an der Decke zwei 70-Watt-HQI-Metalldampflampen befestigt, die den Landteil des Paludariums beleuchten. Der Wasserteil wird mit einer ebenfalls aufgehängten Aquarienleuchte bestehend aus zwei HQI-Metalldampflampen und zwei Fluoreszenzröhren beleuchtet. Licht kann fast nie genug vorhanden sein. Dank der Beleuchtung des Wasser- und des Landteils gedeihen sowohl Wasser-, Sumpf- als auch Landpflanzen gut. Im Aquarienboden ist ein Heizkabel verlegt, das kontinuierlich Wärme abgibt. So funktioniert auch der Aquarienboden als biologischer Filter. Das Aquarium wird ohne CO2-Düngung betrieben, von den Fischen abgesehen, die das Wasser natürlich damit anreichern. Viele besonders schnell wachsende Wasserpflanzen benötigen CO2. 

Ich habe Arten ausgewählt, die keinen grossen CO2-Bedarf haben wie Cryptocorynen und Anubias-Arten. Verschiedene Echinodorus-Arten gedeihen submers, wachsen also aus dem Wasser heraus, sodass sie ausserhalb des Wassers assimilieren. Zahlreiche Wasserpflanzen sind eigentlich Sumpfpflanzen. Erlaubt man ihnen, aus dem Wasser zu wachsen, bilden sie lange Stängel aus und entfalten ihre Blätter über dem Wasser. Die epiphytischen Landpflanzen müssen mehrmals wöchentlich mit 25 Grad Celsius warmem und von den Fisch-Exkrementen gedüngtem Wasser besprüht werden. Das Aquarienwasser dünge ich nie und reichere es nie mit Aufbereitungsmitteln an. Ich wechsle im Verlauf von zwei Wochen drei Viertel des Wassers. 

Ein solches Paludarium schafft ein angenehmes Raumklima, da immer Wasser verdunstet. Ich pflege eine harmonische Gemeinschaft von zwei Regenbogenfischarten, zwei grossen Wabenschilderwelsen, einem Schwielenwels und Guppys in diesem Becken, das eine stete Freudenquelle ist. 

› Zurück
Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen