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Extremsportler

Die besten Taucher

Rekorde aus der Tierwelt | Mittwoch, 24. Dezember 2014 06:00, Niklaus Salzmann

Es gibt manche Vögel, Reptilien und Säugetiere, die weit tiefer und länger tauchen als Menschen es können. Dazu hat sich die Natur eine Reihe von Tricks einfallen lassen.

Der Tauchrekord mit einem einzigen Atemzug, aufgestellt vom Franzosen von Stéphane Mifsud, liegt bei 11 Minuten 35 Sekunden Erstaunlich – für einen Menschen. Von Nachahmungsversuchen wird dringend abgeraten, da es schwierig ist, die Anzeichen für eine Ohnmacht frühzeitig zu erkennen.

Geht der Tauchgang in die Tiefe, kommt eine Reihe weiterer Gesundheitsrisiken hinzu. Da Wasser viel schwerer ist als Luft, nimmt der Druck durch das über dem Taucher liegende Wasser rasch zu, und zwar um ungefähr 1 bar pro zehn Meter. Mit anderen Worten, in zehn Metern Tiefe ist der Körper im Vergleich zur Wasseroberfläche dem doppelten Druck ausgesetzt ist. Das äussert sich in heftigen Ohrenschmerzen und ist auch in den Stirn- und Kieferhöhlen zu spüren. Unter diesen Umständen ist die Tiefe von 101 Metern, die der Neuseeländer William Trubridge erreichte, schier unglaublich. Mit Hilfe von Gewichten und Flossen ist sogar noch mehr möglich: Ein Österreicher namens Herbert Nitsch tauchte 214 Meter tief. Der Druck auf das Trommelfell in dieser Tiefe fühlt sich an, als wenn 18 Kilogramm Gewicht darauf lasten würden, was der Taucher durch Erzeugen eines Gegendrucks ausgleichen muss.

Das Ohr des Pinguins
Vergleichen wir unsere «Spitzensportler» nun mit dem Kaiserpinguin.  Er taucht nicht, um ins Guinnessbuch der Rekorde zu kommen, sondern um Fische, Krebse und Tintenfische zum Fressen zu finden, und zwar bis 500 Meter tief – kein Vogel taucht tiefer. Nebst der strömungsgünstigen Körperform hat der Kaiserpinguin einen vergrösserten Aussenohrrand, mit dem er den Gehörgang beim Tauchen verschliesst. Zudem kann er beim Atmen weit besser als der Mensch den Sauerstoff aus der Luft ins Blut aufnehmen.

Das Blut wiederum fliesst während des Tauchgangs vorwiegend durch jene Organe, die es zum Tauchen auch wirklich braucht, also durchs Hirn und gewisse Muskeln, während die Durchblutung in Leber und Nieren zurückgefahren wird. Damit spart der Kaiserpinguin nicht nur Sauerstoff, sondern vermeidet auch ein starkes Auskühlen des Körpers. Das ist bei bis zu 22-minütigen Tauchgängen in polarem Wasser lebenswichtig.

Die Lunge der Schildkröte
Das Problem mit der Körpertemperatur haben Schildkröten als wechselwarme Tiere nicht. Trotzdem ist es nicht ganz ohne, eine Tiefe von 1200 Metern zu erreichen – Rekord unter den Reptilien. Um überhaupt so weit hinunter zu kommen, lassen sie ihre Lunge durch den Wasserdruck kollabieren. Dadurch wird ihr spezifisches Gewicht höher als dasjenige von Wasser und sie sinken ohne weitere Anstrengung ab. Allerdings wird das Aufsteigen danach entsprechend anstrengender.

Die Strategien der Wale
Doch nun zu den Rekordhalter unter den Lungentieren, also unter denjenigen, die Luft atmen: den Walen. Sie können Sauerstoff im Fettgewebe speichern. Zudem ist von Pottwalen bekannt, dass sie Bronchien und Lungenbläschen mit Klappen verschliessen können und dass sogar die feinsten Verästelungen der Bronchien mit Knorpelringen verstärkt sind, ähnlich wie bei der menschlichen Luftröhre.

Doch der Vergleich mit den Menschen wird bei diesen Tieren abwegig. Statt 214 Metern sind sowohl von Cuvier-Schnabelwalen als auch von Pottwalen Tiefen um 3000 Meter bekannt. Und die Tauchgänge können über 2 Stunden dauern – da wirkt der «Weltrekord» von 11 Minuten 35 Sekunden plötzlich eher mickrig.

Echt extreme Fische
Einfacher ist es für Tiere, die keine Luft zum Atmen brauchen. Sie können sich vollkommen an die extremen Verhältnisse anpassen, da sie nie auftauchen müssen. Und doch ist es nicht selbstverständlich, dass Fische der Art Pseudoliparis amblystomopsis in 7700 Metern Tiefe gefilmt wurden. Sie müssen einen Druck von gegen 8000 Tonnen pro Quadratmeter ertragen. Das entspricht ungefähr dem, was Sie spüren würden, wenn eine Lokomotive auf Ihrer Hand läge.

Der absolute Tauchrekord, von dem Beweise existieren, ist gerade einmal eine Woche alt. Forscher vom Schmidt Ocean Institute in Kalifornien haben bei einem Tauchgang im Marianengraben einen bislang völlig unbekannten Fisch gefilmt. In einer Tiefe von 8143 Metern ist ihnen ein weisser, durchsichtiger Fisch mit breiten, flügelartigen Flossen und einem aal-artigen Schwanz vor die Linse gegangen. Er gehört laut den Wissenschaftlern vermutlich zur Familie der Scheibenbäuche. Ob der unbekannte Tieftaucher seinen Rekord lange behalten kann, ist ungewiss. Platz für einen neuen Rekordhalter wäre noch vorhanden; der Marianengraben ist an seiner tiefsten Stelle über 11'000 Meter unter dem Meeresspiegel.  

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