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Tierische Rekorde

Die längsten Tierwanderungen

2 Kommentare Rekorde aus der Tierwelt | Sonntag, 24. März 2013 10:00, Matthias Gräub

Zu Fuss auf die Rigi, einen «Kafischnaps» und mit dem Bähnli wieder runter ist für Sie eine Leistung? Dann werden sie bei diesen Wanderleistungen erblassen.

Wo es kalt ist, ist es zuhause. Rund um den Nordpol verteilt lebt das Rentier. Ob in Europa, Asien oder in Nordamerika, wo es als Karibu bekannt ist, streift es im Sommer durch die baumlosen, arktischen Tundren, pflanzt sich fort und ernährt sich von Gräsern und Flechten. Im Winter jedoch, wenn Schnee und Frost die nährstoffreichen Böden unerreichbar machen, brechen die Tiere in Richtung Süden auf.  

Die Reise der Karibus geht in die borealen Nadelwälder Alaskas und Kanadas. Diese Reise birgt allerlei Strapazen und viele Hindernisse und Gefahren wie Berge, Flüsse und Raubtiere. Nicht alle Karibus überleben diese Tortur, die mit bis zu 6000 Kilometern die längste Wanderung aller Landsäugetiere ist.


Karibus setzen sich auf ihrer Wanderung grossen Gefahren aus. Pausen dürfen eigentlich kaum sein.
Bild: Bering Land Bridge National Reserve/Flickr/CC-BY

Flossenschlag um Flossenschlag
Während die Karibus auf ihrer Reise in den Süden um ihr Leben fürchten und sich beeilen müssen, um nicht zu verhungern, nimmt es der Grauwal etwas gemütlicher. Mit Höchstgeschwindigkeiten von 8 Stundenkilometern nimmt er in seiner Herde von drei bis sechzehn Tieren seine Reise in Angriff. Die hat es aber in sich. Ganze 9000 Kilometer legen die gemächlichen Meeressäuger Jahr für Jahr zurück – das ist die längste Walwanderung überhaupt. (Anmerkung: Inzwischen haben Forscher gar eine Rekordwanderung von 22'511 Kilometern bei einem Grauwalweibchen beobachtet.)

Grauwale leben im Pazifik, in der Nähe der Küsten. Die einen an der Westküste Nordkanadas, die anderen an der Ostküste Sibiriens. In kalten Regionen also. In den Sommermonaten ist das von Vorteil für die Wale, denn diese Regionen sind sehr nährstoffreich, sprich: Viele Krebse und kleine Fische warten darauf, von den Barten der Meeressäuger gefiltert zu werden. Fressen müssen sie auch eine gewaltige Menge, denn irgendwann wird es zu kalt und dann bricht die Fastenzeit an.  

Damit beginnt ist eine Reise der Entbehrungen. Die Grauwale zehren an ihren (hoffentlich ausreichenden) Nahrungsreserven und ziehen – nicht weit von den Küsten entfernt – Richtung Süden, in wärmere Gewässer. In der Bucht von Kalifornien oder vor Japan angekommen, pflanzen sich die Wale fort und warten auf den Frühling, wenn sie endlich wieder in ihr Fressparadies im Norden zurückschwimmen dürfen.


Bild: J.E. Gómez Rodríguez/wikimedia.org/CC-BY-SA

Sechzigmal um die Welt
Die ausdauerndsten Wanderer dieser Erde scheinen sich auf die Polargebiete zu konzentrieren, denn auch die absolute Rekordhalterin in dieser Kategorie ist dort zuhause, wo es kalt ist: Die Küstenseeschwalbe.  

Sie mag die Sonne. Sie mag sie so sehr, dass sie am liebsten das ganze Jahr über Sonnenschein hat. Kein Wunder: Sie jagt vornehmlich mithilfe der Augen, und das geht bekanntlich besser, wenn es hell ist. Und tatsächlich ist es dort, wo die Küstenseeschwalbe ist, fast immer hell. Im Sommer nämlich ist sie in Alaska, Grönland oder Sibirien zuhause, dort, wo die Sonne nie untergeht. Und wenn sie dann doch mal untergeht, dann gleich für Monate, also macht sich der Wandervogel auf die Socken und fliegt los ­– einmal von Pol zu Pol.  


Die Flugrouten der Küstenseeschwalbe. Grafik: Andreas Trepte/wikimedia.org/CC-BY-SA

Etwa 20'000 Kilometer legt die Küstenseeschwalbe zurück, dann ist sie am anderen Ende der Welt angelangt, hat auch dort wieder Sommer und kann auch dort den ganzen Tag an der Sonne sitzen oder Krill und Fische aus dem Wasser pflücken.  

Weltrekordhalterin ist eine Schwalbe, deren Flugroute aufgezeichnet worden ist und die in einem Jahr 81'600 Kilometer zurückgelegt hat. Die durchschnittliche Flugleistung pro Jahr liegt wohl bei etwas über der Hälfte davon. Die Lebenserwartung der Küstenseeschwalbe liegt bei etwa 10 Jahren, doch wurden auch schon Tiere von über 30 Jahren gesichtet. Baut man aus diesem Greisenalter und dem Distanzrekord eine «Superschwalbe» zusammen, kommt man auf 2,4 Millionen Flugkilometer in einem Schwalbenleben. Damit könnte sie rund 60-mal um die Erdkugel fliegen – oder dreimal zum Mond und wieder zurück.

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Kommentare (2)

elijah am 01.11.2017 um 11:16 Uhr
nicht gewust das es Tiere giebt die so lange wandern

lea am 14.12.2015 um 16:10 Uhr
wo wandern die Karibu hin

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