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Tierische Rekorde

Die Schreihälse in der Tierwelt

Rekorde aus der Tierwelt | Dienstag, 19. Februar 2013 09:00, Matthias Gräub

Wenn wir genug von der Hektik der Stadt haben und unseren Frieden wollen, zieht es uns in die Stille der Natur. Doch dort geht es oft alles andere als ruhig zu und her.

Brüllaffen sind kilometerweit zu hören. Quelle: YouTube/CostaRicaColor

Die Sonne geht auf über dem Blätterdach des südamerikanischen Regenwaldes, ein stiller, besinnlicher Morgen? Mitnichten! Ein ohrenbetäubender Lärm ertönt aus den Tiefen des Waldes. Vögel und Insekten bilden einen nie endenden Klangteppich und wetteifern um die Gunst ihrer Weibchen, doch sie sind es nicht, die den Lärmpegel zum Ausufern bringen. Gestatten: Der Brüllaffe. Dieser gerade mal einen knappen Meter grosse Geselle ist der Schreihals der Tierwelt. Gibt er seine bellenden Laute zum Besten, wird er garantiert nicht überhört. Bis zu fünf Kilometer weit ist sein Geheul zu hören. Und: Ein Brüllaffe kommt selten allein. Schlägt einer einmal an, unterstützen ihn die anderen Männchen seiner Gruppe, um fremde Affenherden abzuschrecken. Das wirkt. Meist können durch diese frühzeitigen Warnungen Revierkämpfe vermieden werden und die Brüllaffen können sich aufs Fressen konzentrieren. Und aufs Brüllen.

Düsenjet im Ozean
Noch lauter wird es unter Wasser: Weil Wasser eine deutlich grössere Dichte als die Luft hat, bewegt sich der Schall darin langsamer und erreicht somit höhere Lautstärken. Der Blauwal beispielsweise hält mit seinem Gesang den Titel des lautesten Säugetieres. Die langgezogenen, extrem tiefen Töne, die er von sich gibt, erreichen Lautstärken von fast 190 Dezibel. Zum Vergleich: Ein startender Düsenjet verursacht nur etwa 150 Dezibel. Für Menschen stellen diese Töne allerdings kein Risiko dar, weil sie im sogenannten Infraschall-Bereich liegen. So tief also, dass sie für das menschliche Ohr fast nicht mehr hörbar sind. Da sich Infraschallwellen unter Wasser besonders gut ausbreiten, ist der Gesang des Blauwals über mehrere hundert Kilometer zu hören.


Gesang des Blauwals. Quelle: YouTube/fourwinds4444

Mordwaffe Schall
Das lauteste tierische Geräusch ist ebenfalls unter Wasser zu finden. Genauer gesagt, auf dem Meeresboden in Korallenriffen. Jedoch handelt es sich dabei nicht um einen Schrei oder einen Gesang, sondern um einen Knall. Passend dazu heisst sein Urheber auch Knallkrebs – oder, noch furchteinflössender: Pistolenkrebs. Diese Garnelenart verfügt über eine übergrosse Schere, die ihr als «Pistole» dient. Wie eine Sprungfeder kann sie weit geöffnet und eingerastet werden. Nun kann der Pistolenkrebs eine Art «Abzug» drücken, wodurch die Schere in weniger als einer Millisekunde zuschnappt und einen Wasserstrahl erzeugt. Dieser Strahl erzeugt eine sogenannte «Kavitationsblase», eine Luftblase mit Unterdruck, die mit einem lauten Knall und einem Lichtblitz implodiert. Dabei wird das Wasser für den Bruchteil einer Sekunde fast so heiss wie die Sonnenoberfläche und der Knall erreicht 218 Dezibel. Mit dieser immensen Wucht kann der Pistolenkrebs Beutetiere betäuben und ist sogar in der Lage, Glas zum Zerspringen zu bringen. Vorsicht also: Diese kleinen Krebse können im heimischen Aquarium für gehörigen Ärger sorgen.  


Der Pistolenkrebs in Aktion. Quelle: YouTube/heini564

Kurioser Klangkörper
Ein kleiner Krabbler darf in dieser Kategorie auf keinen Fall fehlen: Micronecta Scholtzi, eine Spezies in der Familie der Ruderwanzen. Das winzige Tierchen misst gerade einmal zwei Millimeter und ist damit mit seinem 105 Dezibel lauten Gezirpe das lärmigste Tier im Verhältnis zu seiner Körpergrösse. Doch das wirklich sonderbare ist die Technik, mit der die Wanze diese Geräusche erzeugt. Während Grillen mit ihren Flügeln und den Hinterbeinen musiziert, hat sich die Ruderwanze ein ganz anderes Klangorgan ausgesucht: Den Penis. Er ist gerippt und wird über Kanten am Bauch gerieben, wodurch das Zirpen entsteht. Das alles tut der kleine Casanova – wie könnte es auch anders sein – um die Weibchen anzulocken. 


Eine Ruderwanze (Corixa punctata). Bild: Piet Spaans/wikimedia.org/CC-BY-SA

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