Magazin
› Zurück

Sichere Nistkästen

Ein Bunker für den Waldkauz

Wildtiere | Dienstag, 11. Juni 2019, Simon Koechlin

Der Baummarder ist einer der grössten Feinde des Waldkauzes. Nun haben zwei Tüftler aus dem Baselbiet einen mardersicheren Nistkasten für den Eulenvogel erfunden. 

Es war frustrierend. Da hingen 30 Waldkauz-Nistkästen in den Wäldern der Gemeinden Bretzwil, Seewen und Reigoldswil im Grenzgebiet der Kantone Baselland und Solothurn – «und seit einem Jahrzehnt gab es darin praktisch keine Jungen mehr», sagt Tony Lüscher. Als Lüscher vor einigen Jahren gemeinsam mit seinem Kollegen Martin Fasler die Verantwortung für das private Kauzenförderprojekt übernahm, ging er der Sache auf den Grund. «Bei Kontrollen», erzählt er, «fanden wir regelmässig blutige Federn und leere Eierschalen: Baummarder hatten die Nistkästen geplündert.»

Anfragen bei und Gespräche mit Ornithologen ergaben, dass niemand eine Lösung hatte für dieses Problem. «Ein Waldkauz-Spezialist sagte mir, mardersichere Eulenkästen gebe es nicht», sagt Lüscher. Damit wollte er sich nicht abfinden. Wochenlang tüftelten, hämmerten und schreinerten er und sein Kollege – dann war es so weit: Sie hatten einen Nistkasten, bei dem sie sicher waren, dass kein Baummarder ihn «knacken» konnte.

Das Herzstück dieses Waldkauz-Bunkers ist ein Blech-, Kupfer- oder Aludach, das seitlich und vorne weit über den Nistkasten hinausragt. «Darauf rutscht der Marder ab und er erreicht das Einflugloch nicht», sagt Lüscher. Auch die Front und die Seitenwände werden mit Blech verkleidet, wobei Überstände verhindern, dass der Räuber direkt vom Baum aus ans Nistkastenloch springt.

Ein voller Erfolg
Vor eineinhalb Jahren begannen Lüscher und Fasler die ersten ihrer Nistkästen zu montieren. Heute sind alle 30 alten Kästen ersetzt – und die ersten Erfolge haben sich eingestellt. «Unsere Kontrollen diesen Frühling ergaben, dass elf Kästen von Waldkäuzen bewohnt sind, in fünf fanden wir Eier und aus vier sind bereits die Jungen ausgeflogen», sagt Lüscher.

Was ihn daneben am meisten freut, ist die grosse Unterstützung, die das Projekt von allen Seiten erhielt. Mehrere Firmen spendeten Baumaterial für die neuen Vogelhäuser, auch Private und der örtliche Natur- und Vogelschutzverein leisteten einen Zustupf. Nun möchten Lüscher und Fasler ihre Erfindung mit anderen Vogelschützern teilen. Sie haben eine Bauanleitung erstellt, die für jedermann zugänglich ist (siehe unten). «Denn», sagt Lüscher, «der Baummarder ist auch in anderen Gebieten ein Problem für den Waldkauz.»

Die Bauanleitung für den Waldkauzkasten zum Herunterladen finden Sie unter diesem Link.

› Zurück
Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen