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Dokumentarfilm «Seed»

Ode an die Samen

Unterhaltung | Dienstag, 8. Januar 2019, Oliver Loga

Der Dokumentarfilm «Seed» appelliert mit farbenfrohen und sinnlichen Bildern daran, die ursprüngliche Samenvielfalt zu schützen. Ein informatives und poetisches Werk. 

Der Trailer zu «Seed – unser Saatgut» (Video: freneticfilms).

Samen sind die Quelle unseres Lebens. Sie ernähren und sie heilen uns seit Menschengedenken. Doch was vielen Konsumenten nicht bewusst sein dürfte, ist die Tatsache, dass mittlerweile über 90 Prozent aller Saatgutsorten verschwunden sind. Experten sind sich einig, dass die industrielle Landwirtschaft dafür verantwortlich ist. Sie setzt weniger auf Vielfalt und mehr auf eine Handvoll Massenprodukte. Dahinter stecken ein paar Biotech-Konzerne wie Syngenta und Monsanto, die den Grossteil des globalen Marktes mit genetisch verändertem Saatgut kontrollieren. Die Risiken für das gesamte Nahrungsmittelsystem seien deshalb unvorhersehbar, heisst es im Film «Seed».

Das sind laut den zu Wort kommenden Bauern, Wissenschaftlern und Anwälten aber nicht die einzigen Schattenseiten der aktuellen Marktsituation. Immer mehr Landwirte von den USA bis nach Indien würden als wirtschaftliche Sklaven den Gen-Giganten dienen. Sie zahlen hohe Lizenzgebühren, um beispielsweise patentierte Getreidesorten anpflanzen zu können. Und sollten sie versuchen, lizenzierte Samen nachzuahmen, werden sie gnadenlos verfolgt.

Freie Samennutzung als Ziel
Die Dokumentation erhebt aber nicht nur den mahnenden Zeigefinger, sondern fächert auch die bemerkenswerte Geschichte des Saatguts auf. Sie zeigt zudem, dass sich immer mehr Widerstand gegen das Diktat der Weltkonzerne regt. Protestmärsche in mehr als 400 Städten und 50 Ländern stehen für ein gemeinsames Ziel: freie Samennutzung. «Wir wollten mit unserem Film jenen eine Stimme verschaffen, die sich mit den verborgenen Strukturen befassen und sich mit gros­ser Sorgfalt und Hingabe um die Vielfalt unserer Nahrung bemühen», erklären die  amerikanischen Regisseure Taggart Siegel und Jon Betz.  

Die beiden schaffen es in ihrem Werk dank farbenfrohen Bildern und geradezu peotischen Aussagen von indigenen Ureinwohnern, das Saatgut ästhetisch und magisch erscheinen zu lassen. Vor allem rücken sie aber seine Wichtigkeit für die Menschheit in den Fokus. Denn ohne Saatgutvielfalt werden nur noch Erinnerungen an das reiche Angebot unserer Nahrung übrig bleiben.

«Seed – Unser Saatgut», Dokumentation, 94 Minuten, Verleih: Frenetic Films, ab 17. Januar im Kino.

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