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Editorial

Beim Nachbarn entsorgt

Es war, wenn ich meinen Kindheitserinnerungen trauen darf, so etwas wie eine Abschiebung. Unsere Nachbarn hatten genug von ihrer Schildkröte – und taten das meinen Eltern kund. Ob die einfach Mitleid hatten mit dem Tier oder ob sie uns Kindern etwas Gutes tun wollten, weiss ich nicht mehr.

Auf jeden Fall lebte Köbi, so hiess die Griechische Landschildkröte, fortan bei uns. Ich mochte ihn gern, auch wenn er kein Haustier war, mit dem sich ein Kind täglich stundenlang abgibt. Ich schaute ihm vielleicht mal zu, wie er im Garten herumwanderte, oder brachte ihm Löwenzahn, aber er war halt ein eher ruhiger Geselle.

Mit einer Schildkröte kann und muss man nicht spazieren gehen wie mit einem Hund. Und sie maunzt einen nicht an wie eine Katze, wenn sie Hunger hat. Doch trotz ihres vordergründig genügsamen Wesens hat sie ihre Ansprüche. Das zeigt unser Schwerpunkt ab
Seite 10, den wir der Haltung von Landschildkröten widmen.  

Noch in den 1980er-Jahren wusste man nicht allzu viel über art­gerechte Schildkrötenhaltung – und so machten auch wir mit Köbi einiges falsch. Wir hatten zum Beispiel keinen Frühbeetkasten und kein Treibhaus, in dem er sich bei kaltem Wetter wärmen konnte. Das ist heute vorgeschrieben.

Und wir ernährten ihn wahrscheinlich mit zu fetten Gräsern – und obendrein falsch. So legten wir ihm ab und zu tote Nacktschnecken vor, weil wir sahen, dass er die genüsslich vertilgte. Und eine Nachbarin «verwöhnte» ihn auch schon mal mit Hackfleisch, wenn sie die Ferienaufsicht übernahm.

 

Seither hat sich einiges getan: Eine Interessengemeinschaft hat in den letzten Jahrzehnten viel Fachwissen über Schildkröten und ihre Haltung zusammengetragen und zugänglich gemacht. Wer Schildkröten hält oder halten möchte, sollte sich also zuerst informieren. Und er sollte daran denken, dass diese Tiere sehr alt werden – nicht jeder hat einen Nachbarn, bei dem er sie loswerden kann. 

Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre.


 

 Simon Koechlin, Chefredaktor

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