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Ausgestorbene Tiere

Totgesagte leben manchmal länger

Ausgestorbene Tiere | Donnerstag, 30. Oktober 2014 07:00, Jürg Sommerhalder

Es kommt leider oft vor, dass Tierarten  aussterben. Doch es gibt auch Fälle, in denen scheinbar verschwundene Arten wieder auftauchen. Dieses Phänomen wird «Lazarus-Effekt» genannt. 

Wird eine Tierart lange Zeit nicht mehr in freier Natur gesichtet, erklärt man sie früher oder später für ausgestorben. Doch oftmals gibt auch eine grosse Zeitspanne der Unsichtbarkeit keinen zuverlässigen Hinweis auf die Existenz oder Nicht-Existenz einer Art. 

Längst nicht alle angeblich ausgestorbenen Tierarten bleiben nämlich für immer verschwunden: Immer wieder geschieht es, dass vermeintlich verschwundene Arten wieder auf der Bildfläche erscheinen. Dabei können zwischen dem scheinbaren Aussterben und der Wiederentdeckung Dutzende Jahre vergehen. Und gelegentlich auch einige Jahrhunderte, Jahrtausende oder gar Jahrmillionen. 

Den Rekord hält vermutlich der Quastenflosser. Dieser urzeitlichen Gattung der Knochenfische war nachgesagt worden, sie sei vor 65 Millionen Jahren ausgestorben, bis sich 1938 vor Südafrika so unverhofft wie lebendig ein Exemplar in einem Fischernetz verfing. Fast 60 Jahre später wurde auf Sulawesi in Indonesien gar eine zweite zeitgenössische Art dieser seltenen Urzeittiere entdeckt.

Auch wenn es kaum mehr weisse Flecken auf der Landkarte gibt, ist es nicht verwunderlich, dass einzelne Arten sich in den weitgehend unerforschten Tiefen der Weltmeere oder in den undurchdringlichen, menschenleeren Regenwäldern über lange Zeit zu verstecken vermögen.

Ein Drittel der Arten taucht wieder auf
Doch einigen Totgeglaubten gelingt dies auch in unseren dicht bevölkerten und oft weitgehend naturbefreiten Regionen. So geschehen etwa mit der Bayerischen Kurzohrmaus (Microtus bavaricus), die ausschliesslich in den nördlichen Kalkalpen verbreitet ist und erst in den frühen 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts entdeckt worden war. Danach galt die kleine Wühlmaus fast 40 Jahre lang als ausgestorben. Erst im Jahr 2000 wurde aufgrund neuer Funde aus dem Tirol genetisch nachgewiesen, dass die Tierart quicklebendig ist.

Manchmal sind sogenannt ausgestorbene Arten für die lokale Bevölkerung keineswegs ausgestorben, sondern als geniessbare Beute wohlbekannt. So wurde auch die zweite Quastenflosser-Art – die unter indonesischen Fisch-Gourmets keineswegs als Delikatesse, sondern als nicht besonders schmackhaft gilt – auf einem Fischmarkt wiederentdeckt. 

Ähnliches gilt für die Laotische Felsenratte. Sie gehört zu einem Verwandtschaftszweig der Nagetiere, der nur aus fossilen Funden bekannt war und als seit elf Millionen Jahren ausgestorben galt. Erst im Jahr 2005 wurden zuerst gegrillte Exemplare auf einem laotischen Markt entdeckt, und ein Jahr später gelangen einem amerikanischen Professor Filmaufnahmen eines lebendigen Exemplars. 

In Anlehnung an die biblische Geschichte des Lazarus, der nach seinem Tod wiedererweckt wurde, bezeichnet man das Wiederauftreten angeblich ausgestorbener Arten als Lazarus-Effekt. Gemäss einer im Jahr 2011 publizierten Studie sind die Menschen mit der Ausrufung einer Art zum Relikt nicht selten zu voreilig. Alleine von 180 während der letzten 500 Jahre angeblich ausgestorbenen Säugetierarten sind unterdessen über 30 Prozent wieder aufgetaucht.

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