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Dokumentarfilm

Ein Denkmal für die Wiese

Unterhaltung | Dienstag, 1. Oktober 2019, Oliver Loga

Mit seiner Dokumentation «Die Wiese» zeigt der Regisseur Jan Haft ein Naturspektakel von nebenan. Der Film ruft gleichzeitig dazu auf, sorgsam mit diesem Lebensraum umzugehen.

Der Trailer zu «die Wiese» (Video: Polyband).

Gleich mehrere Schüsse ertönen hintereinander. Rehe erschrecken sich. Offenbar sind Jäger auf der Pirsch. Doch der Schein trügt. Denn die Knallerei stammt nicht von Gewehren, sondern von einem Pilz aus der Verwandtschaft der Kugelschneller. Er schleudert gerade seine Sporenkugeln meterweit fort. Das geschieht mit einer solchen Energie, dass das Auftreffen auf ein Hindernis, in diesem Fall ein Blatt, deutlich hörbar ist.

Beeindruckend ist auch das Verhalten von Zikadenlarven. Sie verstecken sich in einem selbst produzierten Schaum, um vor Fressfeinden sicher zu sein. Ausserdem garantiert der sogenannte Kuckucksspeichel die nötige Feuchtigkeit und Temperatur, damit die Tierchen sich zu geschlechtsreifen Insekten entwickeln können. Hummelragwurze setzen fürs Überleben dagegen auf die Strategie der Täuschung. Ihre Blüten ähneln Langhornbienen-Weibchen. Dadurch ziehen die seltenen Orchideen männliche Langhornbienen an und werden bestäubt.

Gefährdeter als Hochmoore
Der Naturfilmer Jan Haft («Das grüne Wunder – Unser Wald», «Magie der Moore») scheut auch in seinem Werk «Die Wiese» keine Mühen, um biologisches Wissen spannend zu vermitteln. Dafür nutzt er zum Filmen Drohnen und Schienenfahrten, Zeitraffer und Zeitlupen. Mit diesen modernen Techniken erzählt er eine Reihe von kleinen Dramen, wie jene von jungen Brachvögeln oder Feldlerchenküken, die zwar Meister der Tarnung sind, gegen übermächtige Mähdrescher aber keine Chance haben. 

Zwar kommt Rettung aus heiterem Himmel, der plötzlich Blitz und Donner schickt, doch die Botschaft ist klar: Die Intensivbewirtschaftung von Wiesen, die überdüngt und abgemäht werden, sobald sie Knöchelhöhe erreicht haben, gefährdet die Vielfalt unserer Wiesen. «Der bedrohteste heimische Lebensraum sind nicht etwa Hochmoore, sondern Blumenwiesen», sagt Haft. Rund 98 Prozent von ihnen seien zu Nutzflächen umfunktioniert worden. Ein Drittel der 3500 Tierarten, die auf intakten Wiesen leben, stünden bereits auf der roten Liste und fänden sich nur noch in kleinen Restrefugien. «Deshalb lohnt es sich, der Wiese ein Denkmal zu setzen», findet Haft. Und das gelingt seinem Film.

«Die Wiese», Dokumentarfilm, 89 Minuten, Verleih: Polyband Medien AG, EAN: 4006448767617, auf DVD ca. Fr. 24.–

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