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Film «Ága»

Leben am Polarkreis

Unterhaltung | Dienstag, 27. November 2018, Oliver Loga

Sibirien ist für seine Kälte bekannt, aber auch für wunderschöne Schneelandschaften, wie der Film «Ága» zeigt. Er erzählt die Geschichte von Tradition und einer gefährdeten Kultur. 

Der Trailer zu «Ága».

Wild und verschneit. So stellen Dokumentationen Sibirien dar. Auch der Film «Ága» knüpft daran an und zeichnet ein romantisches Landschaftsbild. Doch der Schein trügt. Zwar leben die Protagonisten, das Paar Nanook und Sedna, in einer Jurte auf den schneebedeckten Feldern der eisigen Tundra im Einklang mit der Natur, doch hält auch hier der Klimawandel Einzug. Das hat Konsequenzen für den Alltag der beiden. Denn der immer früher einziehende Frühling erschwert das Eisangeln und die Jagd auf Rentiere. Zudem sterben viele Tiere aus unerklärlichen Gründen.

Und nicht nur der Schnee und die Tiere, sondern auch Nanooks Erinnerungen schwinden immer mehr. Ein Wunsch bleibt aber präsent: die Wiedervereinigung mit Tochter Ága, die nach Streitigkeiten aus dem traditionellen Leben in der Wildnis ausgebrochen ist. Als sich auch noch der Gesundheitszustand von Sedna verschlechtert, beschliesst Nanook, sich auf eine beschwerliche Reise zu begeben, um Ága zu finden. Unterstützung bekommt er nur von seinem treuen Husky. 

Die Schönheit der Schneewüste
Der bulgarische Regisseur Milko Lazarov zeigt ungeschönt und detailliert raues Handwerk, wie das Bauen von Fallen oder das Gerben. Vor allem erzählt er aber eine poetische Geschichte, die ohne grosse Worte mit ihrem beschaulichen Rhythmus und eingestreuten Sagen spirituell anmutet und berührt. Lazarov lässt Mensch und Tier in den Weiten der Schneewüste verschwindend klein und unbedeutend erscheinen. Auch der Zuschauer verliert sich in den wunderschönen Aufnahmen der gewaltigen Natur und vergisst dabei alles um sich herum.

«Meine Absicht mit diesem Film war es, einen Blick darauf zu werfen, wie moderne Zivilisationen nördliche Gemeinschaften in ihren Bemühungen um die Aufrechterhaltung ihrer Existenz herausfordern», sagt Lazarov. Es habe ihn fasziniert, wie es den Menschen, die für uns unter scheinbar unerträglichen Bedingungen zurechtkommen müssen, gelungen sei, dem Leben trotzdem mit einem Lächeln und Mitgefühl zu begegnen. Umso nachdenklicher stimmt es, dass die Tradition und Kultur der nordischen Kulturvölker genauso bedroht ist wie das ewige Eis der nördlichen Tundra.

«Ága», Familiendrama, 96 Minuten, Verleih: trigon-film, ab sofort in ausgewählten Kinos und ab Ende Januar zum Streamen auf: www.trigon-film.org

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