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Film «Out of Paradise»

Stadt statt Steppe

Unterhaltung | Dienstag, 2. Oktober 2018, Oliver Loga

Lust auf eine visuelle Reise durch die Mongolei? Dann ist der Film «Out of Paradise» eine gute Wahl. An der Seite des nomadischen Hirten Dorj geht es durch ein Land voller Gegensätze. 

Der Trailer zu «Out of Paradise» (Video: looknowfilm).

Das Leben in der mongolischen Steppe kann so unbeschwert sein. Die endlose Weite einer unberührten Natur, eine Jurte als mobile Unterkunft und eine Schafherde zur Selbstversorgung. Mehr braucht das Nomadenpaar Suren und Dorj nicht, um glücklich zu sein. Wäre da nur nicht die kompliziert verlaufende Schwangerschaft von Suren. Der Landarzt empfiehlt deswegen nach zwei Fehlgeburten, unbedingt in einem Spital zu entbinden. Doch die nächste Stadt ist weit entfernt, und Dorj ist zwar ein begnadeter Reiter, kann aber kein Auto fahren.

Szenenwechsel. Taxifahrer Jack lebt mit seiner kränklichen Mutter anonym in einer kleinen Wohnung der Millionenstadt Ulaanbaatar. Hier ist das Leben deutlich rauer als auf dem Land. Wer seine Ellenbogen nicht ausfährt, bleibt auf der Strecke. 

Zwei Schicksale treffen aufeinander
Noch ist nicht klar, was die beiden völlig unterschiedlichen Geschichtsstränge miteinander zu tun haben. Das ändert sich, als Dorj und seine Frau einen Fahrer finden, der sie für zwei Schafe ins Spital der Hauptstadt Ulaanbaatar bringt. Für die medizinische Versorgung wird die tierische Währung allerdings nicht akzeptiert. Dorj muss kurzfristig an Geld kommen. Dabei trifft er im Grossstadt-Dschungel auf Jack. Die Begegnung endet verhängnisvoll.

Das Spielfilmdebüt des schweizerisch-mongolischen Regisseurs Batbayar Chogsom ist ein Geniestreich. Es beweist, dass Unterhaltung auch ohne rasantes Erzähltempo und Effekthascherei funktionieren kann. Zu verdanken ist das neben den authentischen Darstellern vor allem den optischen und kulturellen Gegensätzen der Mongolei. Unbebaute Steppe und Pferde als Fortbewegungsmittel treffen auf eine erdrückende Betonwüste und endlose Blechlawinen aus Autos. 

«Weil die Unterschiede zwischen Stadt und Land in der Mongolei um ein Vielfaches grös­ser sind als in westlichen Ländern, entwickelt die Handlung hier eine besondere Spannung», sagt Chogsom. Der in der Schweiz wohnhafte Regisseur verwebt geschickt zwei zunächst parallel verlaufende Schicksale mit überraschenden Wendungen. Dabei bringt er dem Kinobesucher die Bräuche und Sitten auf eine aufwühlende und berührende Art näher.

«Out of Paradise», Drama, 94 Minuten, Verleih: Look Now!, ab sofort in aus-gewählten Schweizer Kinos.

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