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Game rund um den Lebensraum Baum

Kampf den WG-Eindringlingen

Unterhaltung | Samstag, 28. April 2018 11:30, Leo Niessner

Der Baum als Lebensraum für unzählige Arten: Er diente Gamedesignern als Vorlage für «Botanicula». Darin verschmelzen Realität und Fiktion.

Nein, es geht nicht immer harmonisch zu in der «WG für 400 Arten». Über deren Zusammenleben in Bäumen berichtet Michael Krabs in der neuen Ausgabe der «Tierwelt».

Doch ganz so schlimm, wie im Computer-Game «Botanicula», ist die Realität dann doch nicht. Im Spiel befindet sich der Lebensraum der Baumbewohner in akuter Gefahr. Sie werden gezwungen, zusammenhalten: Bösartige Parasiten bedrohen sie, machen ihnen ihren Baum streitig. Für Animositäten bleibt kein Platz. Nun gilt es, die Eindringlinge mit vereinten Kräften abzuwehren.  

Als Jakub Dvorský das Game seiner tschechischen Firma Amanita Design 2011 am Animationsfilmfestival «Fantoche» in Baden vorstellte, waren ihm die Bewunderung und Verzückung des Publikums gewiss. Realität und Fiktion würden gekonnt vermischt, lautete der Tenor der Zuschauer nach der Vorstellung. Dazu hatte sich das Produktionsteam vor Produktionsbeginn des Spiels mit dem realen «Lebensraum Baum» befasst, erzählte Dvorský. Ziel sei es gewesen, aus den dadurch gewonnen Kenntnissen ein virtuelles Abbild der Realität zu schaffen, diese aber auch zu verfremden.

Verzweifelt: Die Baumbewohner kämpfen um ihr Zuhause. (Fotos Amanita Design)

Eintauchen in eine Märchenwelt
In der so geschaffenen Märchenwelt übernimmt der Gamer die Kontrolle: Er steuert die Tierchen Mr. Lantern, Mr. Twig, Mr. Poppy Head, Mr. Feather und Mrs. Mushroom und hilft ihnen, wenigstens einen einzigen Ast zu retten. Falls er sich gut schlägt, kann vielleicht auch die gesamte «Baum-WG» gerettet werden. Allerdings müssen die Protagonisten dazu erst mal sämtliche Bereiche durchstreifen und verteidigen – von den äussersten Ästen der Krone bis ins Innere des Stamms und unter die Erde ins Wurzelreich. Überall lauern Gefahren und Angreifer.

Auch unter der Erde wird es für die Baumbewohner in «Botanicula» brenzlig.

Dass die Gamedesigner ihre Hausaufgaben gemacht und in der realen Natur genau hingeschaut hatten, zeigt sich an der Detailverliebtheit, mit welcher die einzelnen Bereiche dargestellt werden. Sogar die «Nischentrennung», die Michael Krabs in seinem «Tierwelt»-Text beschreibt, findet in «Botanicula» Niederschlag. Auch hier haben die Tiere ihren Lebensraum im Baum untereinander aufgeteilt. Auf ihrer Mission gegen die Feinde dringen die die fünf standhaften Helden allerdings zwangsweise in die Sphären anderer Arten ein – nicht immer zu deren Freude.

Spielen und etwas für den Naturschutz tun
Freude hingegen soll das Spielen machen – mit dem Ziel, möglichst viele Kopien zu verkaufen. Laut Amanita Design allerdings nicht, um ihre Kassen zu füllen. Laut Firmengründer Dvorský soll möglichst viel Geld in die Taschen von World Land Trust fliessen. Die englische Non-Profit-Organisation verdient an jeder verkauften Lizenz mit. Auch sie kümmert um Bäume, allerdings um reale: Ziel der Organisation ist es, mit dem gesammelten Geld möglichst viel Land im Zentralamerikanischen Staat Belize zu kaufen, um die dortigen Regenwälder zu schützen.

Wer gewinnt den Kampf gegen die Invasoren?

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