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«Nature's 10» 2017

Die wichtigsten Menschen der Wissenschaft

Unterhaltung | Montag, 1. Januar 2018 14:20, Andrea Barthélémy, dpa

Das Fachmagazin «Nature» hat die zehn wichtigsten Persönlichkeiten der Wissenschaft für das Jahr 2017 gekürt – darunter ein Mädchen, das durch eine revolutionäre Gentherapie geheilt wurde.

Vom visionären Quanten-Physiker über den Experten für Gen-Editing bis hin zum umstrittenen neuen Chef der US-Umweltbehörde EPA – sie alle gehören zu den zehn Menschen, die nach Ansicht des Fachmagazins «Nature» im Jahr 2017 eine entscheidende Rolle in der Wissenschaft gespielt haben.

Jeder Einzelne habe dauerhafte Spuren hinterlassen, betonte Brendan Maher, leitender Redaktor bei «Nature»: «Diese Liste beschreibt die Höhen und Tiefen für die Wissenschaft und für Wissenschaftler.» Ein Überblick:

Gen-Korrektor
Das Crispr-Verfahren – eine universelle «Gen-Schere», die Veränderungen im Erbgut ermöglicht – hat sich binnen weniger Jahre rasant in Laboren weltweit verbreitet. Doch es hat noch Schwächen: Das meist verwendete Enzym Cas9 schneidet zwar exakt, aber es fügt die DNA-Abschnitte anschliessend nicht verlässlich wieder zusammen. Der US-Biologe David Liu vom Broad Institute in Cambridge hat mit seinem Team ein neues Enzym entwickelt, das genau dies leistet.

Lebender Beweis
Emily Whitehead wurde im Sommer zum Gesicht eines medizinischen Durchbruchs. Als schwerkranke Sechsjährige hatte sie vor fünf Jahren in Philadelphia eine experimentelle Gen-Therapie gegen ihre Akute Lymphatische Leukämie (ALL) erhalten. Im August unterstützte Emily ihren Vater, als dieser vor der US-Zulassungsbehörde FDA dafür warb, die Therapie mit CAR-T-Zellen für schwerstkranke Betroffene zu genehmigen. Zwei Wochen später kam die Zulassung.

Fusions-Expertin
Die Astronomin Marica Branchesi landete im August einen Erfolg in internationaler Zusammenarbeit: Forscher des Virgo-Kollaboratiums in Italien und Kollegen der grossen Ligo-Observatorien in den USA dokumentierten gemeinsam die Kollision zweier ferner Neutronensterne – über Gravitationswellen. Gleich darauf richteten sich die Teleskope von über 70 Expertenteams aus aller Welt in die Richtung, um die Folgen zu beobachten. Von den zahlreichen Fachartikeln über das Spektakel fertigte Kommunikationstalent Branchesi im Oktober dann eine Zusammenfassung an – unter Nennung von mehr als 3500 Koautoren.

Vater der Quanten
So nennen manche in China den Physiker Pan Jianwei. Im Juli gelang es dem in Europa ausgebildeten Experten von der Universität Hefei, den Rekord in Quanten-Teleportation zu brechen. Dazu beamte das Team den Quanten-Zustand eines Photons auf der Erde zu einem anderen Photon auf einem Satelliten in 1400 Kilometern Höhe. Im September nutzten die Forscher ihren Satelliten, um Photonen nach Wien und Peking zu beamen – dank der Quanten-Verschlüsselung konnten Teams in beiden Städten abhörsicher via Video chatten. Jianwei, so glauben Experten, liegt damit vorne auf dem Weg zu einem Quanten-Internet.

Öffner des Sesams 
Im Nahen Osten zu vermitteln ist auch in der Wissenschaft manchmal eine Kunst: Der Physiker, Ex-Minister und frühere Universitätspräsident Khaled Toukan aus Jordanien beherrscht sie. Seinen unermüdlichen Gesprächen ist es zu verdanken, dass Sesame – das erste Elektronensynchrotron im Nahen Osten – 2017 nach fast 20 Jahren Planung in der Nähe von Amman den Betrieb aufnahm. Der Teilchenbeschleuniger-Ring ist ein gemeinsames Projekt von Israel, der Türkei, Palästina, Zypern, Ägypten, Iran, Pakistan und Jordanien.

Fehler-Detektivin 
Tagsüber erforscht die Australierin Jennifer Byrne am Kinderspital Westmead in Sydney die Genetik von Krebserkrankungen. Abends durchforstet sie seit Jahren Fachartikel ihres Fachgebiets nach Fehlern. Dutzende Veröffentlichungen mit nicht korrekten DNA-Sequenzen hat sie schon entdeckt, alleine 2017 wurden daraufhin sieben Arbeiten von Fachjournalen zurückgezogen. Seit 2016 arbeitet Byrne zusammen mit einem Forscher aus Grenoble an einem Computerprogramm, das Fachverlagen helfen soll, fehlerhafte Manuskripte frühzeitig aufzuspüren.

Atomwaffen-Tracker 
Für den Geophysiker Lassina Zerbo aus Burkina Faso war 2017 kein einfaches Jahr. Als Kopf der Organisation CTBTO, die einen internationalen Vertrag zum Stop von Atomwaffentests durchsetzen möchte, führt er mit Hilfe von viel Technik Buch über solche Versuche weltweit. Die Tests Nordkoreas und der aggressive Schlagabtausch zwischen Staatsführer Kim Jong-Un und US-Präsident Donald Trump stellten Zerbo in den vergangenen Monaten vor Herausforderungen.

Erdbeben-Jäger 
Das erste heftige Erdbeben erlebte Victor Cruz-Atienza 1985 als Elfjähriger in seiner Heimatstadt Mexiko-Stadt – sein Interesse an Geophysik war geweckt. Seit 2016 leitet er das Seismologie-Institut der Universität in Mexiko-Stadt und beschrieb in einem Artikel, wie sich die Bodenerschütterungen in dem urzeitlichen Seebecken, in dem die Stadt liegt, ausbreiten. Das grosse Beben vom September, das 7,1 auf der Richterskala erreichte und dessen Zentrum 120 Kilometer von der Stadt entfernt lag, bestätigte die Vorhersage exakt.

Me-Too-Anwältin 
Mit der Welle der #MeToo-Bekenntnisse musste Ann Olivarius den Mitarbeiterstab ihrer Kanzlei im britischen Maidenhead kräftig aufstocken, um alle Telefonanrufe annehmen zu können. Seit Jahrzehnten kämpft die Juristin gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, speziell im akademischen Bereich. Ihr Ziel: Institutionen sollen Strafe zahlen, wenn sie Mitarbeiter schützen, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden.

Agentur-Auflöser
Auch Scott Pruitt hinterlässt 2017 Spuren. Mit dem Leugner des Klimawandels hat die vormals strenge US-Umweltbehörde EPA seit Februar einen Chef, der die Agentur in seiner Zeit als Generalstaatsanwalt in Oklahoma 14 Mal verklagt hatte. Deregulation ist seine Marschrichtung. Entsprechend fuhr Pruitt bereits dutzende Umweltgesetze zurück, die zuvor zum Beispiel Schadstoffausstoss, Bergbau und Gefahrenabfall begrenzt hatten oder das Wasser schützten. Innerhalb der EPA drängt Pruitt viele Wissenschafter beiseite und ersetzt sie durch Industrie-Vertreter oder Forscher mit engen Verbindungen dorthin.

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