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«Die Frau des Zoodirektors»

Ein Zoo als Zufluchtsort

Unterhaltung | Dienstag, 3. Oktober 2017, Oliver Loga

«Die Frau des Zoodirektors» erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des Warschauer Zoos während des Zweiten Weltkrieges. Für Menschen und Tiere geht es um Leben und Tod. Ein bewegendes Drama, das aufs Gemüt schlägt.

Spielfilme mit Zoobezug sind wie ein Zoobesuch: unbeschwert und unterhaltsam. Zuletzt setzten «Der Zoowärter» und «Wir kaufen einen Zoo» auf eine Mischung aus «Jöö»-Effekt und heile Welt. Beim frisch auf DVD und Blu-ray herausgekommenen Hollywood-Streifen «Die Frau des Zoodirektors» ist das jedoch komplett anders. Zwar ist auch der Warschauer Tierpark zunächst ein Paradies auf Erden. Vor allem wenn Antonina Zabinska, die Frau des Besitzers Jan, gleich zu Beginn auf dem Velo ihre morgendliche Runde zu den Gehegen dreht und jedes Tier fröhlich begrüsst. 

Aber schon bald verwandeln die Bombardements deutscher Fliegerstaffeln den friedlichen Ort in eine Hölle. Es ist das Jahr 1939. Hitlers Wehrmacht überfällt Polen und verschont auch den Zoo der Hauptstadt nicht. Viele Tiere sterben oder irren völlig verstört durch die Strassen, bis sie erschossen werden.

Antonina und Jan Zabinski versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Indem sie den Besatzern anbieten, Schweine auf ihrem Gelände zu züchten, um die deutschen Soldaten zu versorgen, bewahren sie ihren Zoo vor der Schliessung. Doch damit nicht genug: Im Schweinefutter – Abfälle aus dem Warschauer Ghetto – verstecken sie Juden, um diese im Keller der Zoovilla und in unterirdischen Gehegen vor dem sicheren Tod zu bewahren. Aus einem Dutzend werden bald über 300. Das heldenhafte Unterfangen gleicht angesichts der regelmässigen Kontrollen durch die Nazis einem Ritt auf der Rasierklinge.

Die Seele des Warschauer Zoos
«Die Frau des Zoodirektors» basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Diane Ackerman. Die Autorin orientierte sich an den Tagebüchern von Antonina und Jan Zabinski. Das verfilmte Drama schlägt bereits nach wenigen Minuten aufs Gemüt und geht tief unter die Haut. Etwa als das schwer geschundene Mädchen Ursula Trost bei einem Zwergkaninchen findet und ihr Antonina dabei zuflüstert, dass sie Tiere deshalb so sehr liebe, weil man durch ihre Augen direkt in die Herzen sehen könne. Während man bei Menschen nie wisse, wer Freund oder Feind sei. Das beste Beispiel dafür ist Chefzoologe Lutz Heck, der sich erst als Helfer ausgibt, dann aber zunehmend als Tyrann entpuppt.

Manche Zuschauer könnten sich daran stören, dass der Film die Schicksale der Zootiere so eingängig inszeniert, dass sie mindestens genauso berühren wie die der Menschen. Aber auch diese Seite des Krieges verdient es gezeigt zu werden. Denn oft gerät in Vergesssenheit, dass auch zahlreiche unschuldige Tiere unter gewaltsamen Konflikten zwischen Menschen leiden. In Gehegen gehalten, können sie noch nicht einmal fliehen, was besonders perfide ist.

Dass der Fokus stark auf den Tieren des Zoos liegt, passt ausserdem zum Wesen der Protagonistin Antonina Zabinska. Sie pflegte laut Zeugenberichten eine innige Beziehung zu den Tieren, sprach eine Art Geheimsprache mit ihnen und galt als die Seele des renommierten Warschauer Zoos. Und dass ihre Herz nicht nur für Tiere schlug, zeigt die Tatsache, dass sie zusammen mit ihrem Mann über 300 Menschenleben rettete.

«Die Frau des Zoodirektors», Drama, 122 Minuten, Verleih: Universal Pictures, EAN: 50530-8311305-6, DVD ca. Fr. 20.–

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