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Filmkritik

Ein Garten als Spiegel der Seele

Unterhaltung | Donnerstag, 27. Juli 2017 09:00, Jonas Baud

Der Spielfilm «Der wunderbare Garten der Bella Brown» ist ein fantasievolles Sommermärchen über eine junge Frau mit einem verwilderten Garten. Sie droht aus der Wohnung zu fliegen, wenn sie ihn nicht in Ordnung bringt.

Bella Brown ist eine besondere junge Frau. Als Baby wurde sie in einer Kiste ausgesetzt und wurde dort von Enten warm gehalten. Dann kümmerten sich Nonnen um das Waisenkind und zogen es gross. Nun lebt Bella allein in ihrer ersten eigenen Wohnung und liebt Ordnung und Sicherheit sehr. Sie benutzt etwa jeden Tag eine neue Zahnbürste und kontrolliert mehrmals, ob sie die Tür abgeschlossen hat, wenn sie rausgeht. Sie arbeitet in einer Bibliothek und kennt diese wie ihre eigene Westentasche: Sie weiss von jedem einzelnen Buch, in welchem Regal es sich befindet. Sie träumt davon, Schriftstellerin zu werden, doch findet den Mut zum Schreiben nicht.

Mit Natur kann Bella aber nicht viel anfangen: So hat sie im Hinterhof einen Garten, der eher einem Dschungel gleicht. Er ist völlig verwildert, sehr zum Ärger ihres Nachbarn Alfie. Dessen Wut wird noch grösser, als sein Koch Vernon genug von ihm hat und lieber für Bella arbeiten will. Er hetzt der jungen Frau den Vermieter auf den Hals – als dieser den verwachsenen Garten sieht, will er Bella sofort auf die Strasse setzen. Doch ringt sie ihm eine Gnadenfrist ab: Einen Monat hat sie Zeit, um das Gestrüpp zu zähmen und aus ihrem Hinterhof eine Idylle zu machen.

Nachdem sie Nachbar Alfie versprochen hat, dass Vernon wieder für ihn kocht, verspricht dieser ihr beim Garten zu helfen. Bella überwindet ihre Abneigung gegen Gartenarbeit und legt sich mächtig ins Zeug. Und in der Bibliothek beginnt sie einen Flirt mit einem jungen Erfinder, der sie dazu ermutigt, endlich ihr erstes Werk zu schreiben: ein Kinderbuch über einen Vogel, der Abenteuer erlebt. Bellas Leben scheint also endlich in die richtige Richtung zu gehen.

Atmosphärisches Filmmärchen
«Der wunderbare Garten der Bella Brown» ist der zweite Film des englischen Regisseurs Simon Aboud – ein Schwiegersohn des Musikers Paul McCartney. Auch das Drehbuch hat er selber geschrieben. Der Zuschauer taucht ein in eine leicht märchenhafte Welt mit skurrilen Charakteren – allen voran Bella Brown, gespielt von Jessica Brown Findlay. Alle sind auf ihre Art liebenswerte Aussen-seiter, und sie entdecken, dass sie nur gemeinsam etwas erreichen können. So können sich etwa Bella und ihr Nachbar Alfie, wunderbar brummig gespielt vom erfahrenen Mimen Tom Wilkinson, anfangs überhaupt nicht ausstehen, doch nur dank seiner Hilfe kann sie ihren Garten wieder in Ordnung bringen.

Abneigung verwandelt sich allmählich in Freundschaft. Und auch innerlich findet Bella zur Ruhe. Der Garten spiegelt gewissermas-sen ihren seelischen Zustand. Der Film erinnert an den Kultfilm «Die fabelhafte Welt der Amélie» – auch hier steht eine verträumte, eigenbrötlerische Frau im Zentrum, die sich in der Welt zurechtfinden muss und doch ihre Mitmenschen verzaubert. Doch so gut wie «Amélie» ist der Film nicht. Er vermag nicht recht zu fesseln, weil die Handlung manchmal zu gemächlich vor sich hinplätschert.

Doch der Kinobesuch lohnt sich trotzdem, der Film verbreitet eine wohlige Atmosphäre und hebt sich angenehm ab von den dumpfen Hollywoodblockbustern und nervigen Fortsetzungen. Es ist ein zauberhaftes und sympathisches Werk und bietet charmante Kinounterhaltung.

«Der wunderbare Garten der Bella Brown», Länge: 100 Minuten, Verleih: Praesens Film, Kinostart: 3. August.

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