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Gerichtsfall

Federdieb muss hinter Gitter

Unterhaltung | Mittwoch, 5. Juli 2017, sda

Ein Greifvogelfedern-Sammler, der jahrelang in Museen europaweit Federn und Flügel gestohlen hat, kommt ins Gefängnis. Das Gerichte brummte ihm drei Jahre auf, wovon zwei auf Bewährung.

Ein heute knapp 45-jährige Schweizer, zuvor unbescholtener Gemeindeangestellter im Mittelland, hatte ab 2005 in Naturhistorischen Museen in Basel, Neuenburg, Wien, München, Stuttgart, Frankfurt und Berlin Sammlungsmagazine besucht und dort Stücke für seine Greifvogelfedern-Sammlung mitlaufen lassen. Das Strafgericht Basel-Stadt sprach ihn des gewerbsmässigen Diebstahls und der mehrfachen qualifizierten Sachbeschädigung mit grossem Schaden schuldig. Von den drei Jahren Freiheitsstrafe muss er eines verbüssen; zwei werden auf Bewährung ausgestellt. Die Staatsanwaltschaft hatte auf vier Jahre plädiert, der Verteidiger auf eine bedingte Strafe von maximal zwei Jahren.

Der Sammler hatte sich nicht nur einzelne Federn illegal angeeignet, sondern auch Präparaten ganze Flügel ausgerissen. Weil der gelernte Bauingenieur mit seiner langjährigen Leidenschaft auch einiges Expertenwissen erworben hatte, hatten ihm die Museen vertraut. Er stellte auch eine Fachpublikation in Aussicht. Erst als 2012 in Berlin Beschädigungen auffielen, war er aufgeflogen. Die Polizei hat seine über 10'000 Federn grosse Sammlung in seiner Wohnung beschlagnahmt.

Schadenersatzfrage noch offen
Den Wert seines Diebesgutes bezifferte die Anklage aufgrund von Museumsinformationen auf fast 430'000 Franken. Den Sachschaden bezifferte sie derweil auf gegen sechs Millionen, weil manche irreparabel beschädigten Objekte von ausgestorbenen Arten stammen oder über hundert Jahre alt sind. Die Schadenersatzforderungen der betroffenen Museen wurden im Grundsatz zwar gutgeheissen. Aber wegen der Komplexität der Bewertung, die wohl zusätzliche Expertisen erfordere, hat sie das Gericht zumeist auf den Zivilweg verwiesen.

Im Prozess hatte der Hobby-Ornithologe Reue gezeigt – damals habe er aber den Schaden seines Tuns nicht wahrnehmen wollen. Auf der Suche nach dem Grund sei er in einer Psychotherapie. Die Objekte seien übrigens teils auch vor den Diebstählen in schlechtem Zustand gewesen, mit Frassspuren oder Schusslöchern.

Mitangeklagter kommt mit bedingter Strafe davon
Auf die Idee, Museen heimzusuchen, um seine Sammlergelüste zu befriedigen, hatte den 45-Jährigen ein Kollege gebracht: Dieser heute 44-Jährige Schweizer, ebenfalls davor unbescholtener Gemeindeangestellter im Mittelland, hatte seit 1996 aus Magazinen Federn gestohlen. 2005 hörte er auf, nachdem er in Basel auf Schäden angesprochen wurde – vorerst folgenlos. Delikte vor 2005 sind indes verjährt.

2012 flog der 44-Jährige zusammen mit dem 45-Jährigen auf; auch seine Privatsammlung mit über 17'000 Federn diverser Vögel wurde beschlagnahmt. Das Basler Strafgericht sprach den 44-Jährigen nun der mehrfachen Hehlerei schuldig. Er bekam dafür 15 Monate bedingt. Die Staatsanwaltschaft hatte auf 20 Monate bedingt plädiert, sein Verteidiger auf Freispruch. Von den Vorwürfen des Diebstahls und der Sachbeschädigung wurde er freigesprochen.

Die bestohlenen Museen wollen die beschlagnahmten Stücke nun ihren Magazinen zuordnen und zurückführen, wie Vertreter vor Gericht ankündigten.

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