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Film «Bauer unser»

Der hohe Preis billiger Nahrung

Unterhaltung | Mittwoch, 10. Mai 2017, Oliver Loga

Landwirte in der EU sind in einem System aus Abhängigkeiten gefangen. Der Kinofilm «Bauer unser» zeigt düstere Bilder, aber auch Momente, die Lust machen, beim nächsten Bauern vorbeizuschauen.

Der Trailer zum Film «Bauer unser».

Manche Zahlen sprechen Bände. So auch diese: 1970 ernährte ein Bauer in Österreich 12 Menschen. Heute kommen auf jeden Landwirt 80 Menschen. In Deutschland sind es 145 Menschen. Tausende Bauern haben aufgegeben oder wirtschaften nur noch im Nebenerwerb. Die verbliebenen sind gewachsen, haben sich spezialisiert und ihre Produktion intensiviert. Der Dokumentarfilm «Bauer unser» zeigt ungeschönt und unaufgeregt, wie es auf Österreichs Bauernhöfen zugeht.

Der Regisseur Robert Schabus, der auf einem Bauernhof in Kärnten aufgewachsen ist, bleibt dabei unparteiisch und lässt Agrarexperten sowie Bauern zu Wort kommen. Sie blasen alle in das gleiche Horn: Das Mantra der Industrie «schneller, billiger, mehr» ist zum Scheitern verurteilt. Denn was effizient anmutet, ist alles andere als das. 40 Prozent der derzeit weltweit in der Landwirtschaft produzierten Kalorien werden verschwendet oder gehen irgendwo auf dem Weg zwischen Produzenten und Konsumenten verloren. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen liessen sich derzeit global 12 Milliarden Menschen ernähren – ohne radikale Umstellungen. Einfach nur durch eine nachhaltigere Verteilung und Nutzung der Nahrungsmittel. 

Manche Bauern trotzen dem System
«Bauer unser» ermöglicht den Zuschauern einen Blick hinter die Marketing-Idylle, die uns auf Milchpackungen, Eierkartons oder Bildern von glücklichen Tieren umwirbt. Wir bekommen Einblicke in das, was immer wieder als «artgemässe Tierhaltung» angepriesen wird, tatsächlich aber vor allem ökonomisch optimiert ist. Wir sehen, dass es sich dabei nicht immer um eine bewusste Entscheidung von Bauern handelt, sondern dass es vor allem die Europäische Union mit ihrer Landwirtschaftspolitik in der Hand hätte, dieses System zu ändern. Doch stattdessen springen immer mehr Bauern über die Klinge. In den letzten 20 Jahren haben in Österreich alleine 55 000 Milchviehbetriebe aufgegeben. Anders ausgedrückt: Alle dreieinhalb Stunden hat 20 Jahre lang ein Betrieb zugesperrt.

Es gibt aber auch Bauern, die dem Agrarsystem trotzen. Etwa der Vorarlberger Gemüsebauer und Rinderzüchter Simon Vetter, der stolz darauf ist, ein Bauer zu sein. Er kennt seine Kunden und betreibt einen florierenden Hofladen. Oder die Weinviertler Bio-Schafzüchterin Maria Vogt, die beim Melken ihrer Tiere noch Handarbeit verrichtet und frohlockt: «Hey, es geht ja auch ganz anders!»

Es sind Momente, die einen auch als Nicht-EU-Bürger nachdenklich stimmen, aber gleichzeitig Hoffnung versprühen, als Konsument etwas ändern zu können, indem man sich im Supermarktregal nicht für das günstigste Produkt entscheidet, sondern stattdessen dem nächsten Bauern einen Besuch abstattet. Dort weiss man, wohin das Geld fliesst, und kommt in den Genuss von heimischen Lebensmitteln.

«Bauer unser», Dokumentarfilm, 92 Minuten, Studio: Frenetic Films, ab sofort im Kino.

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