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Film «Voll verkatert»

Zwei Katzen retten einen Film

Unterhaltung | Dienstag, 18. April 2017, Oliver Loga

Im Film «Voll verkatert» geben sich Hollywoods Topschauspieler die Klinke in die Hand. Die wahren Stars sind jedoch zwei Sibirische Waldkatzen.

Der Trailer zum Film «Voll verkatert».

Was für ein Blick! Mit grossen blauen Augen guckt die Sibirische Waldkatze treuherzig in die Kamera. Als Zuschauer möchte man am liebsten dahinschmelzen. Aber Vorsicht! Das Prachtexemplar eines Katers hat es faustdick hinter den Ohren. In ihm steckt nämlich der egozentrische Geschäftsmann Tom Brand (gespielt von Oscar-Gewinner Kevin Spacey). Nach einem Unfall liegt dieser im Koma, während sein Verstand im Körper des flauschigen Vierbeiners Mr. Kuschelpuschel gefangen ist.

Die weitere Handlung ist schnell erzählt. Brands labiler Gesundheitszustand sorgt in seinem Unternehmen nicht nur für wilde Spekulationen, sondern löst auch intrigante Machtspiele mit schwerwiegenden Folgen aus. Dem Milliardär bleibt nichts anderes übrig, als mit allen tierischen Mitteln um sein Leben und seine Firma zu kämpfen. Gar nicht so einfach als Katze. Grosse Hoffnungen setzt Brand deshalb auf den Katzenflüsterer Felix Perkins (Oscar-Gewinner Christopher Walken), der ihn als einziger Mensch versteht, und zwar wortwörtlich. Kann Perkins ihm helfen, einen Weg zurück in seinen menschlichen Körper zu finden? Und werden Brands Frau Lara (Jennifer Garner), seine Tochter Rebecca (Malina Weissman) und sein älterer Sohn David (Robbie Amell) die Verschwörung durchschauen und zu ihm halten?

Die Idee einer Körpertausch-Komödie ist nicht neu. In Filmen wie «17 Again» oder «30 über Nacht» schlüpfen die Protagonisten jedoch in andere menschliche Körper. Der «Men-in-Black»-Regisseur Barry Sonnenfeld rückt dagegen eine Katze ins Rampenlicht. Keine schlechte Idee angesichts der millionenfach angeklickten Katzenvideos im Internet. Angereichert mit einer Armada an Starschauspielern scheint der Erfolg programmiert zu sein. 

Lange Suche, kurzes Training
Dass der auf DVD erhältliche Film «Voll verkatert» die hohen Erwartungen trotz dieser guten Voraussetzungen nicht erfüllt, hat mehrere Gründe: Abgesehen von Katzenversteher Felix Perkins sind alle Charaktere schablonenhaft gezeichnet und glatt wie eine Eisfläche. Die meisten Gags zünden zudem nicht einmal ansatzweise. Am schwersten ins Gewicht fallen aber die dilettantischen Animationen, die altbacken wirken und niemanden vom Hocker reissen. 

Dass die Komödie dennoch knapp am Super-GAU vorbeischrammt, ist einzig Hauptdarsteller Mr. Kuschelpuschel zu verdanken. Dieser wird übrigens von zwei Sibirischen Waldkatzen verkörpert. Jean hat dabei die ruhigen Szenen gespielt, in denen es um Sitzen, Liegen und Beobachten ging. Yuri hingegen kam bei den Laufsequenzen und Stunts zum Einsatz. «Wir haben sehr lange nach geeigneten Katzen in Kanada und den USA gesucht. Aber erst in Russland sind wir fündig geworden», sagt die Katzentrainierin Cristie Miele. «Dafür haben die Vorbereitungen lediglich sechs Wochen gedauert, was ungewöhnlich kurz ist.»

Für das Training mit den Katzen hat Miele auf die Klickermethode vertraut. Dabei hat sie im richtigen Moment, wenn das Tier zum Beispiel von einem Tisch springen sollte, mit einer Art Knackfrosch geklickt und eine kulinarische Belohnung offeriert. «Wenn etwas für Katzen herausspringt, sind sie genauso lernfähig wie Hunde», sagt Miele. Was die beiden russischen Rassekatzen nicht lernen mussten, war dagegen ihr Blick. Er ist ihnen in die Wiege gelegt worden und tröstet über die Schwächen des Films hinweg.

«Voll verkatert», Komödie, 87 Minuten, Studio: Universum Film, ab sofort auf DVD, EAN: 888751-873797, ca. Fr. 13.–

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