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Ausstellung

Überlebenskampf im Naturzentrum

Unterhaltung | Mittwoch, 5. April 2017, Niklaus Salzmann

In einer Ausstellung in Yverdon können Kinder und Erwachsene in die Haut eines Wildtiers schlüpfen, das einen Unterschlupf, einen Partner oder Futter sucht. Sie lernen so spielerisch die Bedeutung von Wildtierkorridoren kennen. 

Wer die Ausstellung im Naturzentrum Champ-Pittet bei Yverdon besucht, tut gut daran, seine Kinder im Auge zu behalten. Denn ob diese in die Rolle des Feldhasen, der Erdkröte, des Hermelins oder des Hirschkäfers schlüpfen – unterwegs lauern tödliche Gefahren. Es beginnt mit einer auf den Boden aufgemalten Strasse. Wer im Autoscheinwerferlicht die Holzklappen öffnet, auf denen die erwähnten Tiere abgebildet sind, kriegt unschöne Geräusche zu hören: penetrantes Hupen, quietschende Reifen. 

Sicherer ist es, die Strasse ein paar Meter weiter vorn zu überqueren. Da steht den Amphibien ein Tunnel und den Säugetieren eine Brücke zur Verfügung. Beides in einer Dimension, die auch Kindern die Benutzung erlaubt. Doch kaum ist das Hindernis überwunden, lauert die nächste Falle. Ein Garten mit Katze und Schwimmbad. Beides kann zum Beispiel einer Kröte zum Verhängnis werden – ja, auch Amphibien können ertrinken, wenn ihnen die Wände des Swimmingpools den Ausstieg verunmöglichen. Die Kröte kann sich glücklich schätzen, wenn sie den warmen Laubhaufen auf der anderen Seite des Gartens erreicht. 

Wettstreit der Wanderfische
Die Ausstellung zum Thema Wildtierwanderungen im Pro-Natura-Zentrum ist eine Kombination aus Spielparadies und Lernzentrum. Während die Kinder die Hermelinhöhle erkunden, können sich Erwachsene informieren, weshalb Tiere überhaupt wandern. Bei den Säugetieren geht es unter anderem um die Nahrungs- und die Partnersuche, Amphibien müssen frostfreie Überwinterungsplätze finden, und das Hirschkäferweibchen kommt auf einer Texttafel gleich selber zu Wort: «Puh, es ist wirklich schwierig geworden, ein schönes Stück Totholz für meine Kinder zu finden! Und dann die Strasse und die Katze ... Ich hatte schon Angst, dass mein Geliebter nicht heil zu unserem Date kommt!» Das Rendezvous des Hirschkäferpaars kommt dann aber doch noch zustande, das Bild ist unter einer Holzklappe zu entdecken. 

Im zweiten Teil der Ausstellung wird die Thematik der Wildtierkorridore auf weitere Tierarten ausgedehnt. Wiederum bleibt das Ganze ausgesprochen spielerisch. So wird die Wanderung der Fische zu ihrem Laichplatz zu einem Wettstreit zwischen zwei Besuchern – Ziel ist es, eine Holzscheibe mit aufgemaltem Fisch mittels eines Holzstabes möglichst rasch durch das Modell einer Flusslandschaft zu bugsieren. Auch beim Vogelzug können die Besucher Hand anlegen, indem sie an einer Kurbel drehen und so einen Miniaturstorch an einer Leine Runden drehen lassen. Während der reale Vogel bei der Kollision mit einem Windrad zu sterben droht, hängen die Besucher  das Tier nach einem Unfall einfach wieder auf und setzen den Flug fort. 

Die grosse Stärke der Ausstellung ist ihr Abwechslungsreichtum. Es gibt zu basteln, Filme zu schauen (französisch mit deutschen Untertiteln), auf einem Touchscreen einen Garten wildtierfreundlich zu gestalten. Die angebotenen Informationen sind in prägnante Happen unterteilt, die zu konsumieren nicht allzu grosse Geduld einfordert. 

Die ganze Ausstellung ist von überschaubarer Grösse. Es bleibt Zeit, den Besuch mit einem Spaziergang durchs umliegende Naturschutzgebiet zu verbinden. Die Chance ist gross, dabei einige der in der Ausstellung erwähnten Tiere in natura anzutreffen. 

«Platz da. Freie Bahn für die Wildtiere!», Pro Natura Zentrum Champ-Pittet, bis 1. November 2017, Di.–Fr. jeweils 10–17.30 Uhr.

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