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Glosse

Die Milchkuh hat ausgedient

Unterhaltung | Samstag, 26. November 2016 16:00, Prof. Dr. Pseud O. Brehm

Professor Pseud O. Brehm, Experte für Tierproblematik, sucht und findet ein Tier, das anstelle der Milchkuh zum Nationalsymbol der Schweiz werden könnte. 

Sie haben es vielleicht gelesen: In der Schweiz gibt es weniger Milchkühe denn je. Das ist ein Problem. Denn Kühe sind weit mehr als Milchlieferanten. Sie stehen für schweizerische Produkte vom Käse über die Milchschokolade bis zum Rivella. Sie sind das Aushängeschild der Souvenirshops. Sie sind ein nationales Symbol mit identitätsstiftender Funktion.

Aus der Entwicklung in der Landwirtschaft folgt, dass wir ein neues inoffizielles Nationaltier brauchen. Doch welches? Beim Blick in die Zahlen des Bundesamts für Statistik präsentieren sich Schweine als ernstzunehmende Alternative. Mit einem Bestand von 1'495'737 Tieren im Jahr 2015 haben sie zahlenmässig die 1'554’319 Rinder beinahe eingeholt.

Die Ernennung des Schweins zum Nationaltier wäre politisch geschickt, würde damit doch der historische Streit zwischen Sauschwaben und Kuhschweizern endgültig begraben. Hingegen zeigten sich namhafte Vertreter der Tourismusbranche, mit denen ich die Thematik diskutierte, wenig begeistert. Sie verwiesen mich auf eine Studie zur Wirkung nationaler Symbole auf internationale Personen- und Geldflüsse aus Sicht der Schweiz. «Im Hinblick auf die maximalsolvente Klientel aus dem arabischen Raum ist die Species Sus scrofa als Unique Selling Point ungeeignet.» Mit anderen Worten: Der saudiarabische Ölscheich wird seiner Gattin kein Porzellanschwein nach Hause bringen.

Überhaupt wäre rein zahlenmässig ein anderes Nutztier noch weit vor dem Schwein zu nennen : das Huhn. 2015 lebten 10'752'686 Hühner in der Schweiz, das macht bei Aufteilung auf Mast- und Legehühner pro Einwohner ein Poulet plus alle drei Tage ein Ei. Der Zeitpunkt, um das Huhn zu nationalen Ehren kommen zu lassen, ist aber denkbar ungünstig – zu stark die Konnotation mit der Vogelgrippe.

Wir müssen uns deshalb von der Fixierung auf Nutztiere lösen und den Blick stattdessen auf Haustiere richten. Die Zahlen würden für die Katze sprechen, der Bestand ist ähnlich hoch wie derjenige der Schweine und der Rinder und dreimal so hoch wie derjenige der Hunde. Doch es gibt keine einzige Schweizer Katzenrasse, während es bei den Hunden deren acht gibt, darunter eine, die sich als Sujet für Souvenirs seit Jahrzehnten bewährt hat: der Bernhardiner.

Die Vereinigung der Schweizer Schnapsbrenner hat sich bereits positiv dazu geäussert und versichert, dass sich mit Bernhardiner nach wie vor für Käse und Milchschokolade werben lasse – diese Produkte liessen sich in Form von Fondue und Kirschstängeli hervorragend mit Spirituosen aus dem Barryfässli kombinieren.

Die Tourismusbranche erwartet Einbussen bei der muslimischen Kundschaft, welcher der Konsum von Alkohol durch die Religion verboten ist. Jedoch sollten diese Verluste durch eine Steigerung der Exporte nach China wett gemacht werden, wo in gewissen Regionen eine kulinarische Affinität zu Hunden besteht. Zwar mag es Menschen geben, die den Verzehr von Nationalsymbolen moralisch verwerflich finden. Aber in der Schweiz essen wir ja auch Kühe und finden es ganz normal.

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