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Buchrezension

Weshalb Bienen sterben

Nutztiere, Unterhaltung | Mittwoch, 17. August 2016, Niklaus Salzmann

Mit vielen Grafiken und einfachen Worten gelingt es der Autorin Joana Kelén, das Bienensterben einem breiten Publikum verständlich darzulegen.

«Für einen Menschen hätte die Varroamilbe die Grösse eines Kaninchens», schreibt Joana Kelén in «Tod einer Königin». Und illustriert das auch noch mit der Silhouette eines Mannes, dem ein Kaninchen am Arm hängt. Klare Worte, starke Bilder, das ist charakteristisch für dieses Buch.

Der Unterschied zwischen Arbeiterinnen, Drohnen und Königinnen, das Heranwachsen vom Ei via Larve bis zur Biene, das Leben der Arbeiterbienen und ihre Bedeutung für die Bestäubung der Pflanzen, das alles beschreibt Kelén nicht mit endlosen Bleiwüsten, sondern mit einem Mix aus Grafiken und kurzen Textabschnitten. Natürlich geht es auch um Imkerei – die Autorin hat für die Recherche selber Kurse darin belegt.

Das grosse Sterben
All diese Informationen führen zum grossen Thema des Buchs: das Bienensterben. Kelén erklärt, wie unsere westliche Honigbiene vor über hundert Jahren nach Asien gelangte und die Varroamilbe zurück nach Europa brachte. Und wie die industrielle Landwirtschaft das ihre dazu beiträgt, das Überleben schwerer zu machen. Wer das Buch bis dahin gelesen hat, dem erscheint es nichts als logisch, dass die Zahl der Bienenvölker seit Jahrzehnten zurückgeht – auch dazu hat Kelén natürlich eine Grafik gemacht.

Das Buch ist als Bachelorarbeit in Informationsdesign an der Hochschule Augsburg entstanden. Als Magazin mit einer Auflage von 25 Stück stiess es auf so hohe Resonanz, dass Kelén mittels Crowdfunding den Druck von 500 weiteren Exemplaren finanzieren konnte. Inzwischen wird die Arbeit als Buch von einem grossen Verlag vertrieben. Joana Kelén hat nach dem Studium in Augsburg einen Master in Design an der Zürcher Hochschule der Künste gemacht und arbeitet inzwischen als Infografikerin bei der NZZ.

Ihre Stärke ist es, komplexe Zusammenhänge in Form einfacher Botschaften zu vermitteln. Die Wichtigste in «Tod einer Königin»: Jeder kann etwas tun. Hier Joana Keléns Tipps für Konsumenten in Kurzform:

  • Honig vom Imker aus der Nachbarschaft kaufen
  • Regional und saisonal einkaufen
  • Besiedlungsmöglichkeiten für Wildbienen schaffen
  • Blumenmischungen anpflanzen
  • Chemikalien vermeiden
  • Mut zur Wildnis im Garten
  • Selber Imkern
Into the woods

Joana Kelén: «Tod einer Königin»
broschiert, 64 Seiten,
Verlag: Kosmos,
ISBN 978-3-440-15121-1,
ca. Fr. 28.–

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