Aktuell
› Zurück

Film

Auf das Schaf gekommen

Unterhaltung | Donnerstag, 19. November 2015, Oliver Loga

Zwei verfeindete Brüder in einem abgelegenen isländischen Tal und jede Menge Schafe. Der aktuelle Kinofilm «RAMS» bietet eine überschaubare Kulisse und kommt mit wenigen Worten aus. Der Skurrilität, Spannung und Dramatik tut dies keinen Abbruch. Im Gegenteil!

Der Trailer zum Film.

Gummi und Kiddi haben seit 40 Jahren kein Wort mehr miteinander geredet. Dabei sind die Brüder Nachbarn und teilen eine grosse Leidenschaft: die Schafzucht. Ihre Widder weisen eine lange Abstammungslinie auf und gelten als die besten auf Island. Als plötzlich Kiddis Schafe von der tödlichen Traberkrankheit befallen werden, beschliesst die Behörde, alle Herden aus der Region zu schlachten, um die Seuche einzudämmen. Für die betroffenen Bauern bricht eine Welt zusammen, weil die Schafe ihre Haupteinkommensquelle sind. Viele von ihnen verlassen deshalb fluchtartig das Land.

Während Kiddi seine Sorgen in Alkohol zu ertränken versucht, versteckt Gummi eine Handvoll seiner Schafe und seinen Lieblingsbock im Keller, um seine Zucht vor dem Untergang zu bewahren. Die Veterinäre kommen ihm aber bald auf die Schliche. Gummi ist auf seinen Bruder angewiesen, um sich aus der prekären Situation zu befreien. Im Kampf gegen die Kontrolleure und einen heftigen Schneesturm nähern sich die beiden wieder an. Doch ist es dafür vielleicht schon zu spät?

Der Film «RAMS» basiert grösstenteils auf den Erfahrungen des Regisseurs Grimur Hakonarson. Er verbrachte viele Sommer auf dem Land, um dort auf Bauernhöfen zu arbeiten. «Dadurch habe ich ein Gespür für die Geschichten, Charaktere und die Bildsprache dieser ländlichen Regionen Islands entwickelt», berichtet Hakonarson, dessen Vater früher für das Landwirtschaftsministerium gearbeitet hat.

Liebevoller zu Schafen als zu Menschen
Schafe haben bis heute einen besonderen Stellenwert in Island, nicht nur weil sie für viele Züchter zentraler Bestandteil des Brot­erwerbs sind. «Sie sind eng mit dem isländischen Geist verbunden», sagt Hakonarson. «Die meisten Bauern, die ich kenne, haben deshalb zu Schafen eine engere Verbindung als zu anderen Nutztieren.» Dieses emotionale Verhältnis ist in «RAMS» von der ersten Minute an zu spüren. Die Protagonisten Gummi und Kiddi haben nicht nur untereinander Mühe zu kommunizieren, sondern sind auch sonst sehr menschenscheu. Sobald sie in Kontakt mit ihren Schafen treten, kommt jedoch ihre liebevolle, weiche Seite zum Vorschein.  Trotz aller Verschrobenheit und Eigentümlichkeit der Brüder empfindet man als Zuschauer eine grosse Sympathie für die beiden.

Auch die Schafe wachsen einem schnell ans Herz, was dem Regisseur bei den Dreharbeiten genauso ging. «Es war toll, mit den Schafen zu arbeiten, und sogar einfacher als mit den Schauspielern.» Das sei ein grosses Verdienst des Bauern Magnus Skarphédinsson. Er habe als Schaf-Trainer grossartige Arbeit geleistet, lobt Hakonarson. Ein Kompliment, das dem kompletten Filmteam gebührt. So bietet «RAMS» eine typisch skandinavische Mischung aus Drama und rabenschwarzem Humor. Der Verzicht auf Spezialeffekte erweist sich als angenehme Abwechslung zum Mainstream-Kino. Nicht nur Schaf- und Islandfreunde kommen voll auf ihre Kosten.

«RAMS», Drama, 93 Minuten, Verleih: Xenix Filmdistribution, ab 26. November in ausgewählten Schweizer Kinos.

› Zurück
Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen