Aktuell
› Zurück

Film

Der lange Weg in die Freiheit

Unterhaltung | Donnerstag, 22. Oktober 2015 06:00, Oliver Loga

Im heute anlaufenden Kinofilm «Lamb» dreht sich alles um einen äthiopischen Jungen und sein Lamm. Neben dieser rührenden Beziehung überzeugen auch die imposanten Landschaftsaufnahmen.

Während der letzten Dürreperiode hat der neunjährige Ephraim seine Mutter verloren. Nach dem schmerzlichen Verlust beschliesst der Vater, den kargen Ort zu verlassen und in der Stadt ein Auskommen zu suchen. Ephraim kommt nur schwer über den Tod seiner Mutter hinweg. Den einzigen Trost findet er bei Chuni, einem Lamm, das zum ständigen Begleiter und eine Art lebendiges Kuscheltier für ihn wird. Auf dem Weg in die Stadt bringt der Vater die unzertrennlichen Freunde vorübergehend bei seinem Cousin Salomon und dessen Familie unter. Sie leben im fruchtbareren Hochland.

Salomon möchte, dass Ephraim selbstständig wird, und führt ihn in den Ackerbau ein. Doch schnell wird klar, dass dieser weder Interesse noch Talent für die landwirtschaftliche Arbeit mitbringt. Viel lieber hilft er den Frauen im Haushalt. Von den Frauen erntet er dafür Anerkennung, von den Männern jedoch nur Hohn und Spott. Das ist aber nicht das grösste Problem für Ephraim. Sein «Ersatzvater» Salomon hat sich nämlich in den Kopf gesetzt, ihn zum Mann zu erziehen. Dafür soll er zum sogenannten Kreuzfest ein Lamm schlachten. Zum Glück findet Ephraim in der jungen, rebellischen Tsion eine Verbündete, als es bald darum geht, seinen Liebling Chuni in Sicherheit zu bringen. 

Magische Berge und Landschaften
«Lamb» ist die erste äthiopische Produktion, die es ins Hauptprogramm der internationalen Filmfestspiele von Cannes geschafft hat. Nach der Vorführung brach frenetischer Jubel aus. Dem Regisseur Yared Zeleke gelingt es mit seinem Werk nicht nur Einblicke in die gesellschaftlichen Strukturen des afrikanischen Staates zu gewähren, sondern auch die landschaftliche Vielfalt Äthiopiens zu zeigen. 

Das ostafrikanische Land ist in drei Klimazonen unterteilt: die tropische Zone in den Ebenen, die gemässigte Zone in der Mittelgebirgszone zwischen 1800 und 2500 Meter und die kühle Zone darüber. Entsprechend anspruchsvoll waren die Dreharbeiten. «Trotz der harten Umstände, unter denen wir drehen mussten, war die Atmosphäre auf dem Set so magisch wie die Berge, die uns umgaben. Die Landschaft ist einfach unglaublich», berichtet Zeleke.

Äthiopien hat aber nicht nur reizvolle Seiten zu bieten. Da der Binnenstaat in der Sahel-Zone liegt, gibt es immer wieder lokale Dürren, die Hungersnöte und Armut zur Folge haben. Die Not kommt auch in Yared Zelekes Film zum Ausdruck. Dabei geht es dem Regisseur nicht darum, Mitleid zu erzeugen. Vielmehr weist sein Film zahlreiche Parallelen zu seinem eigenen Lebensweg auf. «Ich bin in den Slums von Addis Abeba aufgewachsen, als die Militärjunta in Äthiopien ein tyrannisches Regime führte», erzählt Zeleke. Trotz des Chaos habe er eine glückliche Kindheit gehabt. 

«Lamb» transportiert eine berührende Selbstfindungsgeschichte auf die grosse Leinwand. Als Zuschauer begleitet man Ephraim und sein Lamm auf dem langen Weg in ihre Freiheit und nimmt dabei die Botschaft mit, dass man durch Loslassen manchmal mehr gewinnt als verliert. 

«Lamb», Drama, 94 Minuten, Verleih: trigon-­film, ab sofort in ausgewählten Schweizer Kinos.

› Zurück
Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen