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Glosse

Was im Fleisch so alles drin steckt

Nutztiere, Unterhaltung | Samstag, 21. November 2015 11:00, Prof. Dr. Pseud O. Brehm

Der Bundesrat möchte, dass Nutztieren weniger Antibiotika verabreicht werden. Professor Pseud O. Brehm, Experte für Tierproblematik, erklärt, wie dieses Ziel erreicht werden könnte.

Sie haben es vielleicht gelesen: Wo Tiere industriell gehalten werden, entstehen auch resistente Bakterien. Solche oft diarrhöischen Bakterien finden sich schliesslich auch im Fleisch, das in Ihrer Pfanne landet. War die Pouletbrust im Fitnessteller nicht ganz durchgebraten, müssen Sie also mit vermehrten Toilettengängen zwecks Darmentleerung rechnen. Das bedeutet zwar für den durchschnittlichen Büromenschen eine Zunahme der körperlichen Aktivität, bringt aber trotzdem nicht den gewünschten Fitnesseffekt.

Eine derartige Infektion, die sich normalerweise problemlos durch Medikamente stoppen lässt, kann sogar lebensbedrohlich werden, wenn der Erreger resistent gegen Antibiotika ist. Das ist der Fall, wenn der Bakterienstamm schon früher mit dem Medikament in Kontakt gekommen ist und sich entsprechend angepasst hat.

In einer Untersuchung des Schweizerische Heilmittelinstituts aus dem Jahr 2014 fanden sich zum Beispiel bei 46 Prozent der getesteten Mastpoulets Bakterien der Art Campylobacter jejuni, die gegenüber dem Antibiotikum Cyprofoxacin resistent waren. Bei einem Bestand von 10'644'412 Hühner, abzüglich 2'665'143 Lege- und Zuchthühner, sind davon 3'670'464 Masthühner betroffen.

Um Gegensteuer zu geben hat eine Fachkommission des Bundes vorgeschlagen, den Einsatz von Antibiotika in der Nahrungsmittelproduktion zu verbieten. Das kommt für die Bauern nicht in Frage, da sie ihre Tiere nicht unter Infektionen leiden lassen wollen. Zudem müssten sie bei einem Antibiotikaverbot mit finanziellen Einbussen rechnen, die ihnen noch grössere Bauchschmerzen bereiten würden als eine campylobakterielle Infektion. Doch zu ihrer Erleichterung strebt der Bundesrat mit seiner jüngst verabschiedeten «Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz» (StAR) keine Verbote an.

Die industriellen Nutztierhalter werden also wohl erst dann den Antibiotikaeinsatz einschränken, wenn die Konsumenten Druck machen. Dies liesse sich durch eine konsequente Ausweitung der Deklarationspflicht erreichen. Hätte der Kunde im Laden die Wahl zwischen «Poulet-Brust natur» und «Poulet-Brust mit multiresistenten Staphylokokken» oder im Schnellimbiss zwischen «Chicken Nuggets» und «Kokken Nuggets», könnte er durch sein Kaufverhalten Einfluss nehmen auf das Verhalten der Produzenten. Zwar sind die aufgeführten Bakterien nach dem Braten des Fleisches tot – aber das sind die Hühner ja auch.

Nicht auszuschliessen ist ein kollateraler Imageschaden für tierische Nahrungsmittel und ein damit einhergehender Rückgang der Fleischverkäufe. Doch dies wird dem Problem der Antibiotikaresistenzen erst recht entgegenwirken.

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