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Bund kämpft gegen Antibiotikaresistenzen

Nutztiere | Montag, 12. November 2018, sda

In der Schweiz sterben jährlich fast 300 Menschen wegen antibiotikaresistenter Bakterien, europaweit sind es 33'000. Schuld ist der unsachgemässe Antibiotika-Einsatz. 

«Der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen ist noch lange nicht gewonnen», sagte Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), am Freitag vor den Bundeshausmedien. Zusammen mit anderen Bundesämtern hatte das BAG gleichentags den Resistenz-Bericht 2018 veröffentlicht.      

Die gute Nachricht ist, dass der Antibiotika-Verbrauch in der Schweiz abnimmt. Bei ambulanten Behandlungen wurden 5 Prozent weniger eingesetzt als vor zwei Jahren. Im Spital nahm der Verbrauch sogar um 10 Prozent ab. Hausärztinnen und Hausärzte verschrieben 2017 auf 1000 Konsultationen in 29 Fällen Antibiotika. Einige Jahre zuvor waren noch in bis zu 40 Fällen Antibiotika verordnet worden. Markant ist der Rückgang auch in der Tiermedizin. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Menge der verkauften Antibiotika halbiert. Gemäss dem Bericht hat das vor allem damit zu tun, dass weniger Tierfutter verkauft wurde, dem bereits Antibiotika beigemischt waren.    

Der Verbrauch von kritischen Antibiotika, die in der Humanmedizin eine letzte Möglichkeit darstellen, ging in der Tiermedizin innerhalb von zwei Jahren um 20 Prozent zurück. Viele der resistenten Bakterien stammen aus der Massentierhaltung («Tierwelt Online» berichtete).

Bakterien auf dem Vormarsch  
Die schlechte Nachricht ist, dass Antibiotikaresistenzen trotzdem weiter zunehmen. Die Resistenzentwicklung verlaufe nicht im Gleichschritt mit dem sinkenden Antibiotikaverbrauch, sagte Hans Wyss, Direktor des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Darauf müsse man wohl noch einige Jahre warten.    

Laut BAG hat in der Humanmedizin auch die Zahl der Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien zugenommen. Für fast ein Drittel ist das Darmbakterium Escherichia coli verantwortlich. Laut BAG sind heute 20 Prozent dieser Bakterien gegen Fluorchinolone resistent. Das sind doppelt so viele wie 2004.      

Auch Vancomycin-resistente Enterokokken breiten sich aus. In den letzten Monaten sind im Berner Inselspital zahlreiche Fälle aufgetreten. Auf dem Vormarsch sind zudem Bakterien, die gegen Carbapeneme resistent sind. Diese Antibiotika werden dann eingesetzt, wenn kein anderes Medikament mehr hilft.  

Erstmals stehen nun auch Zahlen zu den Todesopfern zur Verfügung. Das Schweizerische Zentrum für Antibiotikaresistenzen (Anresis) hat errechnet, dass 2015 in der Schweiz 276 Menschen an Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien starben. Die Zahl der Infektionen belief sich auf 7156.      

Anresis hat dafür die gleiche Methode angewendet wie das europäische Netzwerk zur Beobachtung antimikrobieller Resistenzen (EARS-Net). Dieses hatte Anfang Woche eine Studie publiziert, die von 33'000 Toten in 30 Europäischen Ländern ausgeht. Die OECD warnt, dass bis 2050 in Europa, Nordamerika und Australien 2,4 Millionen Menschen durch multiresistente Bakterien sterben könnten.

«Es ist wichtig»  
Der Bundesrat hat vor drei Jahren die nationale Strategie Antibiotikaresistenzen (Star) verabschiedet. In diesem Rahmen laufen inzwischen zahlreiche Massnahmen in Human- und in Tiermedizin. Um die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten, brauche es aber nicht nur das Engagement der Fachleute, schreibt das BAG in einer Mitteilung. Auch Patienten oder Tierhalter müssten verantwortungsvoll mit den Medikamenten umgehen.      

Der Bund lanciert daher eine Kampagne, um Wissenslücken bei der Bevölkerung zu stopfen. Der Slogan lautet: «Antibiotika: Nutze sie richtig, es ist wichtig.» Die Kampagne wird mit TV-Spots, Plakaten, Online-Werbung und einer Website geführt. Sie ist auf vier Jahre angelegt, pro Jahr stehen 1,1 Millionen Franken zur Verfügung.

Globales Problem  
Doch auch der sorgsame Umgang der Schweizer Bevölkerung mit Antibiotika wird das Problem der Resistenzen nicht lösen. Bakterien halten sich nämlich nicht an Landesgrenzen. In Griechenland zum Beispiel werden gut dreimal mehr Antibiotika verschrieben als in der Schweiz.      

Die Resistenzrate gegen das Bakterium Klebsiella pneumoniae, das Lungen- und Harnwegsinfektionen verursacht, liegt in der Schweiz bei 0,3 Prozent. In Italien, Griechenland und Rumänien sind über 25 Prozent der Bakterien resistent. Laut OECD werden in China, Indien und Russland mehr als 40 Prozent der Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien verursacht.

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