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Interview

Bauern haben zu wenig Futter für ihre Kühe

Nutztiere | Samstag, 18. August 2018 12:00, Michael Wahl/LID

Mehrkosten, Futtermangel, geringere Milchproduktion: Bruno Nabulon vom Thurgauer Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg über die Folgen der Trockenheit.

Anhaltende Hitze, kaum Regen: In der Ostschweiz ist die Trockenheit besonders ausgeprägt. Wie reagieren die Bauern darauf?
Die betroffenen Bauern sind sich der akuten Lage bewusst und versuchen Lösungen zu finden. Diese bestehen vor allem aus der Beschaffung von Futter. Neben dem direkten Zukauf von Futter aus dem Handel werden nun vermehrt Zwischenfutter anstatt Gründüngungen angesät. 

Viele Milchbauern stehen wegen Futterknappheit vor der Wahl: Kühe schlachten oder Futter zukaufen. Was raten Sie?
Soweit möglich Futter kaufen. Insbesondere für Kühe, welche noch über 20 kg Milch geben, ist das Schlachten oft die schlechtere Lösung. Es muss aber beachtet werden, dass sich das Blatt ab einem überhöhten Futterpreis dreht.

Mit welchen Mehrkosten rechnen Sie aufgrund von Futterzukäufen?
Auf Betriebe mit einem Ertragsausfall von 25 bis 30 Prozent dürften zusätzliche Kosten von 6 bis 8 Rappen pro kg Milch zukommen.

In den letzten Tagen ist es kühler geworden und es gab Niederschläge: Lässt sich mit einem guten Herbst das Futtermanko kompensieren?
Wir hoffen, dass der Herbst ein Teil des Futtermankos noch ausgleicht. Es fehlt aber in vielen Regionen das Futter von zwei Schnitten. Dies kann auch der beste Herbst nicht ausgleichen. Weiter ist die Situation noch nicht entschärft, da in weiten Teilen des Kantons Thurgau erst spärlich Niederschlag fiel. Somit ist der Ertrag der Wiesen und vom Zwischenfutter weiterhin vom Niederschlag der nächsten Wochen abhängig.

Wie sind Kühe mit den sehr hohen Temperaturen in den letzten Wochen zurechtgekommen?
Die Hitze machte auch den Kühen zu schaffen. An heissen Tagen wird mit verschiedenen Massnahmen versucht, für die Kühe ein möglichst kühles Klima zu schaffen. Dies sind Massnahmen wie Stallhaltung über den Tag, Lüfter oder durch Wasservernebelung. Aber auch diese Massnahmen kamen bei der extremen Hitze irgendwann an ihre Grenzen. Bemerkbar wurde dies vor allem am langen Stehen der Tiere, einer geringeren Milchleistung und einer reduzierten Fruchtbarkeit. 

Gemäss Klimaexperten gibt es künftig öfter Sommer wie 2018. Wie können Bauern im Futterbau darauf reagieren?
Es gibt verschiedene Massnahmen, welche in Betracht gezogen werden können. Durch die Bildung von Futterreserven können gewisse Ausfälle kompensiert werden. Bei der Mischungswahl ist es sinnvoll, auf verschiedene Mischungen zu setzen. Neben Mischungen für trockene Bedingungen sollen auch Mischungen, welche feuchte Sommer gut ertragen, gewählt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Zusammenarbeit mit Betrieben im Berggebiet. Wenn ein Teil der Tiere in der Sömmerung ist, kann mehr Futter konserviert werden. Durch den Ausbau des Zwischenfutterbaus insbesondere in Zusammenarbeit mit viehlosen Betrieben kann ebenfalls zusätzliches Futter generiert werden. Eine effektive Massnahme ist das Bewässern von Wiesen, diese Massnahme ist aber nur in wenigen Fällen sinnvoll.

Bruno Nabulon ist Berater und Lehrer für Acker- und Futterbau am Bildungs- und Beratungszentrum Areneneberg im Kanton Thurgau. 

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