Aktuell
› Zurück

Tiermedizin

Vorchristliche Hirten waren Pferdezahnärzte

Nutztiere | Samstag, 7. Juli 2018 12:00, sda/dpa

Die Wiege der Tiermedizin könnte in der heutigen Mongolei liegen. Zumindest haben Forschende nun Hinweise dafür gefunden. Die Belege sind Löcher in uralten Gebissknochen von Pferden.

Belege für mehr als 3000 Jahre alte Zahnbehandlungen bei Pferden hat ein Forscher-Team um William Taylor vom Jenaer Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte entdeckt. An Skelettresten von Pferden einer vorchristlichen mongolischen Hirtenkultur stellten die Forscher fest, dass Zähne chirurgisch entfernt wurden.  

Das berichtet das Team in den «Proceedings» der US-nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Bei den Funden handelt es sich demnach um die weltweit ältesten bekannten Belege für die zahnärztliche Behandlung von Pferden.  

Für die Nomaden Zentralasiens spielen Pferde schon jahrtausendelang eine zentrale Rolle. Die Forscher gehen davon aus, dass schon die Hirten der sogenannten Hirschstein-Khirigsuur-Kultur (ca. 1300 bis 700 v. Chr.) Zähne entfernten, die den Tieren Schmerzen oder Probleme beim Fressen bereiteten.

Kranke und fehlgebildete Zähne entfernt  
Auch für den Einsatz der Pferde als Reittiere in Kriegen könnten die Eingriffe entscheidend gewesen sein, glauben die Forscher. Mit der parallelen Entwicklung von metallenen Gebissen für Zaumzeuge hätten die Tiere besser kontrolliert werden können. Zahnfehlbildungen oder kranke Zähne könnten in Kombination mit dem Mundstück aber besonders schmerzhaft für die Tiere gewesen sein. Solche Zähne seien daher entfernt worden, so die Annahme.  

Dies galt demnach auch für sogenannte Wolfszähne – kleine, nicht immer angelegte Zähne bei Pferden. Sie können bei Zaumzeug mit Gebiss erhebliche Schmerzen verursachen und werden daher auch heute üblicherweise schon bei Jungtieren entfernt.

Wissen von Nomadenvölkern  
Für Taylor belegen die Funde auch, dass die Geschichte des Reitens und der Pferdehaltung die Entwicklung der Tiermedizin entscheidend mitgeprägt hat. «Man betrachtet die Tiermedizin oft eher als eine westliche Wissenschaft.» Die Ergebnisse zeigten, dass das Wissen wohl nicht in den sesshaften Zivilisationen Chinas oder des Mittelmeerraumes entstand, sondern bereits Jahrhunderte zuvor bei den Nomadenvölkern, deren Leben entscheidend vom Wohlergehen ihrer Pferde abhing.   

Die Nomaden der Hirschstein-Khirigsuur-Kultur hinterliessen in der mongolischen Steppe hunderte unter anderem mit Hirschfiguren verzierte Steinstelen. In ihren steinernen Grabhügeln wurden oft Pferde mitbeerdigt.

› Zurück
Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen