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Miss Bea

Berns schönste Kuh

1 Kommentare Nutztiere | Mittwoch, 2. Mai 2018, Ann Schärer

Als Livia im vergangenen Mai zur Miss Bea gewählt wurde, ging für die Bergbauernfamilie Aebersold aus Beatenberg ein Traum in Erfüllung. Auch sonst ist die Simmentalerkuh ein wahrer Goldschatz. 

Es war an einer Viehauktion, als Hans­ueli Aebersold ein unauffälliges und etwas unsicher wirkendes trächtiges Rind entdeckte. Spontan entschied er sich, die junge Simmentalerkuh zu kaufen. Im August 2012 kam dann Kuhkalb Livia zur Welt. Bereits am Tage der Geburt hatte Aebersold den Eindruck: Dieses Kalb ist etwas ganz Besonderes. Und der erste Eindruck sollte ihn nicht täuschen. 

Livia errang seit 2015 viele Miss-Titel an Viehschauen. Und mit ihrer Wahl zur Miss Bea an der Eliteschau in Bern ging für Familie Aebersold aus Beatenberg BE ein Traum in Erfüllung, denn die schönste Kuh im ganzen Kanton Bern im Stall stehen zu haben, ist wahrlich nichts Alltägliches. «Ich war so nervös, als es zur Bekanntgabe der Gewinnerin kam und fiel vor lauter Freude sogar um», sagt Aebersold lachend. Die ganze Familie kann ihr Glück bis heute kaum fassen. Viele Menschen haben sich sehr für sie gefreut. Im Anschluss an die Bea trafen täglich Glückwunschkarten und Briefe ein, andere kamen spontan zu Besuch, um die Tochter des bekannten Simmental-Stieres Roman einmal aus der Nähe betrachten zu können. 

Livia bei gewinnt die Wahl zur Miss Bea 2017 – bei Hansueli Aebersold ist die Freude riesig (Video: Schweizer Bauer):

Gutes Gespür für Menschen
Die vielen Miss-Titel sprechen eindeutig dafür, dass Livia äusserlich den Zuchtzielen der reinrassigen Simmental-Zucht ideal entspricht. Sie sei bisher auch noch nie krank gewesen. Nicht einmal, als ihre Stallnachbarinnen an einer Lungenentzündung erkrankten. Obwohl Livia mittendrin stand  blieb sie gesund. Diese Robustheit und gute Gesundheit ist Familie Aebersold wichtig. Insbesondere, weil Aebersolds Kühe den Sommer auf der Alp oberhalb ihres Betriebes in Beatenberg verbringen. Auch Livia geht immer mit. «Bei schweren Gewittern machen wir uns um ihr Wohlergehen schon Sorgen», gesteht Hansueli Aebersold. Ein gewisses Risiko sei bei der Sömmerung aber immer dabei. Sie seien daher immer sehr froh, wenn Livia und die gesamte Herde gesund von der Alp zurückkommen.

Wie alle anderen Kühe nimmt auch Livia in dieser Zeit etwas an Gewicht ab und gibt etwas weniger Milch. Aber das holt sie danach im heimischen Stall schnell wieder auf. Für Familie Aebersold ist aber klar, dass Livia keine Sonderbehandlung bekommt, sondern genau gleich wie die anderen 14 Milchkühe und das Jungvieh behandelt wird. So trägt die Alpzeit vermutlich sogar zur Robustheit der mehrfach ausgezeichneten Kuh bei. 

«Wichtig ist mir nebst der Robustheit auch die Eutergesundheit und die Langlebigkeit der Kühe», sagt der Bergbauer. Auch die Milchqualität von Livia sei stets gut. Mit all diesen Eigenschaften und ihrem straffen, hoch angesetzten Euter verkörpert sie Hans­ueli Aebersolds Zuchtziel. 

Hinzu komme der angenehme Charakter von Livia. «Sie lässt mit sich reden und hat ein gutes Gespür für den emotionalen Zustand der Menschen», ist Hans­ueli Aebersold überzeugt. Was ihm auch an Ausstellungen sehr entgegenkommt: Denn ist er nervös, bleibt Livia auch in diesen Momenten äusserst ruhig und lässt sich vom Umfeld nicht beirren.

Zu Aebersolds ältestem Sohn Toni hatte Livia schon immer eine ganz besondere Beziehung. «Schon als junge Kuh folgte sie ihm wie ein Hund», sagt Hans­ueli Aebersold mit einem breiten Grinsen. Aber auch mit Tonis Geschwistern Simon, Lea und Julia sei Livia sehr lieb. «Sie hat wirklich einen Charakter aus Gold. Sie hat keine Laster und ist sehr säuberlich», sagt Aebersold. «Man merkt im Stall nicht viel von ihr. Sie ist angenehm und unauffällig», ergänzt Andrea Aebersold. Noch keinen einzigen Fehler – weder innerlich noch äusserlich – konnten Aebersolds bisher bei Livia feststellen. 

Sohn Lutz ist angehender Zuchtstier
Nach der Wahl zur Miss Bea wurde der Familie Aebersold angeboten, Livia an der Swiss Expo in Lausanne mitmachen zu lassen. Die Simmentalerkuh wäre abgeholt, betreut und wieder zurückgebracht worden. Doch die junge Familie lehnte dankend ab. «Solche Viehschauen sind für die Tiere purer Stress», sagt Hansueli Aebersold. «Unsere Kühe sollen sich auch an Ausstellungen wohlfühlen.» Die Idee, Livia an einer Ausstellung teilnehmen zu lassen, die vor allem durch Kühe mit schmerzhaft überfüllten Eutern von sich reden macht, gefiel der Familie nicht. Und so blieb Livia zu Hause.

Livias Erfolge
2015
Miss Schöneuter an der Beständeschau
Miss Simmental am Jungfrau-Final

2016
Miss am Jungkuhchampionat Thun
Miss VSA (Verbandsgenossenschaft für Simmentaler Alpfleckviehzucht und Alpwirtschaft)
Miss Beatenberg
Miss am Jungfrau-Final (alle Rassen)

2017
Kuh des Jahres 2016 vom SVS (Schweiz. Vereinigung zur Erhaltung und Förderung der reinen Simmen-taler Fleckviehrasse)
Miss am Jungkuhchampionat Thun
Miss VSA
Miss Bea (Eliteschau-Siegerin)
Kategorien-Siegerin Eliteschau Simmental
Kuh des Jahres 2017 (Publikumswahl im «Schweizer Bauer» und «Terre & Nature»)

Als Nächstes wird Livia nochmals an der Eliteschau im Rahmen der Bea im Mai 2018 in Bern zu sehen sein. «Wir dachten zuerst gar nicht daran, doch viele Leute haben uns darum gebeten», sagt Andrea Aebersold. Sowieso werden die Schau-Auftritte schon alleine aufgrund von Livias Alter in den nächsten Jahren abnehmen. Livia soll vor allem gesund bleiben und vielversprechendem Nachwuchs das Leben schenken.  

So wie Livias erste Tochter, die ebenfalls in Aebersolds Stall steht. Sohn Toni hat sie zu seinem zehnten Geburtstag geschenkt bekommen, weshalb sie auch im Stall bleiben wird. Sie hat viele Eigenschaften von ihrer Mutter geerbt, doch eine Kuh wie Livia hat man nur einmal im Leben, ist Hansueli Aebersold überzeugt.

Livias erstes Stierkalb steht zurzeit auf dem Betrieb von Hansuelis Bruder im Natursprung im Einsatz. Das zweite Stierkalb haben Aebersolds an den Anbieter von künstlicher Besamung Swissgenetics verkauft. Lutz steht zurzeit mit vielen anderen Stieren im Aufzuchtstall von Swissgenetics in Langnau bei Reiden. «Es war sehr schwierig für uns, ihn abzugeben. Wir hatten auch den Eindruck, dass er bei uns bleiben wollte», sagt Andrea Aebersold. Er habe den angenehmen und anhänglichen Charakter von Mutter Livia geerbt. Es bleibt zu hoffen, dass Livia noch lange gesund bleibt und noch vielen weiteren Kälbern ihre tollen Eigenschaften und ihren angenehmen Charakter weitervererben kann.  

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Kommentare (1)

Walther Fritz und Heidi am 04.05.2018 um 13:11 Uhr
Wir kennen Familie Aebersold persönlich. Wie in ihrem Bericht treffend dargestellt, wird den Tieren in Aebersolds Stall viel Respekt und Liebe entgegen gebracht. Die Tiere werden nicht als Ware sondern als Geschöpfe behandelt. Wir wünschen uns dass viele Bauern an Aebersolds ein Bespiel nehmen würden. Dann gäbe es keine Kühe mehr, die während Ausstellungen unsäglich leiden müssen und nachher sogar geschlachtet werden, weil Gier und Geltungssucht ihrer Besitzer sie krank werden lassen. Viel Verantwortung für diese Missstände tragen auch die Punkterichter und Verantwortlichen dieser Ausstellungen.

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