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Polen

Rebellische Kuh schliesst sich Wisentherde an

Nutztiere | Freitag, 2. Februar 2018 07:45, Meret Signer

Im November ist eine freiheitsliebende Kuh in der Nähe des polnischen Bialowieza-Urwaldes aus ihrer Weide ausgebüxt. Sie verbringt den Winter nun in einer Wisentherde.

Schon seit drei Monaten schlägt sich die junge Limousin-Kuh zusammen mit den Wisenten durch den polnischen Winter. Zuerst entdeckt hatte sie im November der Ornithologe Adam Zbyryt. Nun wurde sie vom Wildtierbiologen und Wisentexperten Rafal Kowalczyk von der polnischen Akademie der Wissenschaften wieder gesehen – auf Nahrungssuche nahe des Bialowieza-Urwaldes an der polnisch-weissrussischen Grenze, immer noch zusammen mit den dort ansässigen Wisenten.      

«Die Kuh scheint in guter Verfassung zu sein», sagt Kowalczyk gegenüber «Tierwelt Online». «Der vergleichsweise milde Winter kommt ihr sicher zugute.» So fallen die Temperaturen derzeit auf maximal -10 Grad, während etwa 30 Zentimeter Schnee liegen. Im Winter werden die etwa 600 auf der polnischen Seite lebenden Wisente zusätzlich von den Anwohnern an verschiedenen Futterstellen mit Heu gefüttert – eine jahrhundertealte Tradition, die auch dafür sorgt, dass die Europäischen Bisons keine Schäden auf den Weiden und nahe den Höfen anrichten.       

Kuh läuft mit Wisentherde
Seit drei Monaten folgt die junge Kuh der Herde – und wird von dieser geduldet.
  Bild: Rafal Kowalczyk

 

Ganz in die Herde integriert sei die junge Rebellin laut Kowalczyk aber nicht. «Sie steht immer ein bisschen abseits», erklärt er. «Es scheint, als könne sie manchmal die Zeichen der Wisent-Leitkuh nicht lesen. Steuert die Herde in die eine Richtung, geht die Kuh in die andere.» Wenn Menschen in der Nähe sind, bleiben die Wisente achtsam und sind auf der Hut. Die Kuh dagegen ignoriere die Zweibeiner: «Sie ist sich an Menschen gewöhnt», sagt Kowalczyk.

Gefahr für Kuh und Wisente
Limousin-Kühe werden wegen ihres Fleisches gezüchtet. Das Internet feiert die Kuh als Heldin, die dem Schlachthaus entkommen ist. Für Kowalczyk ist die ungewöhnliche Freundschaft mit den Wisenten allerdings eher problematisch: «Es besteht die Gefahr, dass die Kuh sich mit Wisentbullen paart.» Dies könnte nicht nur für die Kuh selbst gefährlich werden – da Hybrid-Kälber grösser sind, könnte sie bei der Geburt sterben – sondern auch für die Wisente. Hybride zwischen Hausrindern und Wisenten verunreinigen den Genpool mit Kuh-DNA. Die Wisentpopulation im Bialowieza-Urwald gehört zu den grössten verbliebenen in Europa und die einst fast ausgerottete Art gilt immer noch als gefährdet. Deshalb muss die Kuh wohl eingefangen werden, wenn der Frühling kommt.      

Ihr Besitzer habe dies übrigens schon versucht. «Er hat mich kontaktiert, damit ich ihm beim Einfangen helfe, aber ich habe ihn an den örtlichen Tierarzt verwiesen», erzählt Kowalczyk. Dies ist dem Tierarzt wohl bisher noch nicht gelungen.

Mehr über den Bialowieza-Urwald können Sie hier lesen.

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