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Nutztiere

Weniger Ammoniak, gesündere Umwelt

Nutztiere | Mittwoch, 13. Dezember 2017, Ann Schärer

Ammoniakemissionen aus der Nutztierhaltung belasten unsere Umwelt und gefährden Wälder, Moore und Trockenwiesen. Deshalb werden ab 2018 Massnahmen zur Reduktion von Ammoniakverlusten mit Bundesbeiträgen unterstützt. 

Dass Rinder aufgrund ihres speziellen Verdauungsapparates beim Weidegang viel Methan freisetzen und damit ökologisch ein Problem darstellen, ist bekannt. Doch belastet ein zusätzliches Phänomen aus der Nutztierhaltung die Umwelt nachhaltig: Ammoniak. Diese stickstoffhaltige Verbindung stammt hauptsächlich aus dem Harn und Kot von Nutztieren. Drei Viertel davon gehen auf Kühe zurück. Über die Luft gelangt Ammoniak in die Wälder und hat dort in einem Umkreis von etwa zehn Kilometern einen Düngeeffekt. 

Der Rest kann in Form von Ammonium mehrere Hundert Kilometer weit verfrachtet werden. Europäische Wälder wachsen deswegen etwa fünf bis zehn Prozent schneller als vor 50 Jahren. Das klingt harmlos, die schleichende Überdüngung durch Stickstoff gefährdet aber Lebensräume wie Wälder, Moore und Trockenwiesen tiefgreifend, die Artenvielfalt reduziert sich massiv. Die Böden beginnen zu versauern, die Widerstandskraft des Waldes nimmt ab und Nitrat wird ins Grundwasser ausgewaschen. 

Ammoniakverluste reduzieren
Verschmutzte Oberflächen: Durch ein leichtes Quergefälle, eine Harnsammelrinne und einen Entmistungsschieber können Oberflächen sauber gehalten werden. Güllelager sollten unbedingt abgedeckt werden.

 

Platzangebot: Nicht zu viel Stallfläche einplanen.

Proteingehalt des Futters: Die Menge des im Harn ausgeschiedenen Stickstoffs hängt direkt von der Proteinmenge im Futter ab und diese ist bei Kraftfutter (z. B. aus Soja) besonders hoch. Je mehr Protein über den Bedarf der Tiere hinaus verfüttert wird, desto höher sind damit auch die möglichen Ammoniakverluste.

Temperatur: Jetzt im Winter ist die Freisetzung von Ammoniak eher gering, sie nimmt mit steigender Temperatur stark zu. Deshalb sollte die Nutzung des Laufhofs im Sommer eingeschränkt werden.

Sprühkühlung und Verneblungs-anlagen: Solche Anlagen haben einen hohen Wasserverbrauch zur Folge. Sie sollten deshalb nur bei Temperaturspitzen oder gezielt zum Einweichen der Exkremente zum Einsatz kommen.

Insbesondere heutige Laufställe führen zu sehr hohen Ammoniakemissionen. Es gibt aber wirkungsvolle und relativ einfach umsetzbare bauliche Massnahmen, um diese zu reduzieren. «Eine davon ist, beim Bau des Stalls ein leichtes Gefälle von drei Prozent einzuplanen, damit der Harn über eine Sammelrinne rasch ablaufen kann», sagt Annelies Uebersax von der landwirtschaftlichen Beratungsstelle Agrofutura in Rotkreuz ZG. Je weniger lang der Harn Ammoniak direkt an die Luft abgeben kann, desto besser für die Umwelt. Eine zweite Massnahme sind erhöhte Fressstände, kombiniert mit einem Entmistungsschieber. Diese beiden Interventionen, welche in der kühlen Jahreszeit das Ammoniak um rund 20 Prozent reduzieren, werden ab Januar 2018 mit Bundesbeiträgen unterstützt. Die Kantone müssen sich an den Kosten zu 50 Prozent beteiligen. 

Vereinzelt im Winter eingreifen
Als Daniel Waser aus dem luzernischen Dierikon vor knapp vier Jahren den Laufstall neu bauen liess, wurde ihm vom Stallbauer ein leichtes Quergefälle und eine Harnsammelrinne empfohlen. «In Kombination mit dem Entmistungsschieber, der alle zwei Stunden automatisch den Mist wegschiebt, ist das ideal», sagt der junge Landwirt. Der häufige Einsatz dieser Vorrichtung sei wichtig, weil der Mist noch flüssig ist und sich leicht wegschieben lässt. Waser ist froh, sich damals für dieses System entschieden zu haben. «Da der Mist an die Aussenseite des Stalles geschoben wird, muss ich nur manchmal im Winter eingreifen, weil der Mist gefriert und so die Anlage blockiert», sagt Waser. Das Güllelager hat er abgedeckt – eine wichtige Massnahme zur Ammoniakreduktion.

Durchgängige erhöhte Fressstände findet man hingegen nicht in seinem Stall. Diese sind lediglich vorne etwa 30 Zentimeter angehoben, damit die Tiere mit den Vorderbeinen draufstehen können. Mit erhöhten Fressständen, die dem ganzen Tier Platz bieten, hätte der Stall um einiges breiter gebaut werden müssen. «Das hätte zwar den Vorteil, dass der Entmistungsschieber auch dann hin- und herfahren könnte, wenn die Kühe gerade am Fressen sind», sagt Waser. Bei ihm läuft stattdessen während der Fressphase der Schieber nicht. 

Wertvoller Dünger
Oft werden aber auch Stimmen laut, die glauben, dass gerade die Schieber das Tierwohl beeinträchtigen. «Ich hatte noch nie den Eindruck, dass sich die Kühe durch den Schieber gestört fühlen. Sie steigen einfach darüber», sagt Waser, der zurzeit 44 Milchkühe und einige Rinder der Rassen Holstein und Red Holstein in seinem Laufstall beherbergt. Auch die Harnsammelrinne scheint das Tierwohl nicht zu beeinträchtigen. Sie ist so schmal, dass sie keine Probleme an den Klauen der Kühe verursachen kann – ganz im Gegenteil. Da der Boden dadurch ziemlich trocken gehalten werden kann, erfreuen sich Wasers Kühe einer überdurchschnittlich guten Klauengesundheit. 

Das Besondere an Ammoniak ist, dass es als Stickstoffverbindung gleichzeitig einen wertvollen Dünger für die Landwirtschaft abgibt. Auf die Felder ausgebracht, regt er das Pflanzenwachstum an. Deshalb sollten die Landwirte umso mehr daran interessiert sein, die Verluste von Ammoniak und Stickstoff zu reduzieren und so die wertvollen Stoffe in Form von Dünger effektiver nutzen zu können. Und das hätte Vorteile: Die Betriebe müssten weniger Stickstoffdünger zukaufen und könnten so Geld sparen. 

Wird der Dünger auf die Felder ausgebracht, reduziert der Einsatz eines Schleppschlauchs die Ammoniakemissionen zusätzlich. Ebenfalls ein Beitrag zur Umwelt wird geleistet, indem die Gülle grösstenteils im Frühling und Herbst ausgebracht wird. 

Die Plattform www.ammoniak.ch von Agrofutura und Agridea zeigt auf, wie Ammoniakemissionen in Betrieben durch bauliche Massnahmen reduziert werden können. 

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