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Militanter Tierschutz

Tierschutz ohne Rücksicht auf Gesetze

Nutztiere | Donnerstag, 14. Juli 2016 09:00, Niklaus Salzmann

Militante Tierschützer brechen Käfige auf, setzen Labors in Brand und zünden auch mal ein Auto an. Die bekannteste Organisation hat ihren Ursprung in Grossbritannien, doch auch in der Schweiz kommt es zu illegalen Aktionen.

9. Juli, Ukraine: Eingang zum Zoo Kiew versprayt, unter anderem mit den Buchstaben ALF.

6. Juli, Frankreich: Vier Hochsitze angezündet, zerstört, mit ALF-Parolen versprayt.

4. Juli, Tschechien: Falscher Bombenalarm in drei Stadtverwaltungen ausgelöst als Protest gegen Hundezuchten in diesen Städten.

4. Juli, Tschechien: Füchse aus Jagdhunde-Trainingszentrum befreit.

1. Juli, Schweden: Fünf Hochsitze, eine Jagdhütte und eine Nerzfalle zerstört.

29. Juni, Schweden: Zwei Scheiben einer Metzgerei bei Stockholm eingeschlagen, zwei Stinkbomben geworfen, ALF-Parole gesprayt.

Fein säuberlich listet der Blog «Bite Back» vandalistische Akte im Namen des Tierschutzes auf, als wären es Heldentaten. Immer wieder taucht dabei eine Abkürzung auf: ALF. Die drei Buchstaben stehen für «Animal Liberation Front» (Tierbefreiungsfront). Die ALF wurde 1973 von Ronnie Lee und fünf weiteren britischen Tierrechtsaktivisten gegründet, damals noch unter dem Namen «Band of Mercy». Die Gruppe entschied sich, ihre Aktivitäten ausschliesslich gegen Sachgüter zu wenden und keine Gewalt gegen Menschen zu richten, wie Lee auf der Website der ALF schreibt. Er persönliche bedaure diesen Entschied inzwischen, da seiner Meinung nach «eingeschränkte Gewalt gegen Tierquäler» dringelegen hätte. Lee kam für seine illegalen Aktivitäten zuerst in den Siebzigern für drei Jahre ins Gefängnis, ab Mitte der Achtziger musste er sogar zehn Jahre absitzen.

FBI spricht von Terrorismus
Trotz des expliziten Verzichts auf Gewalt gegen Menschen schreibt das FBI auf seiner Website, die ALF stelle eine ernsthafte terroristische Bedrohung dar. Auch in Grossbritannien werden die Methoden der ALF von Experten als terroristisch bezeichnet. So zündeten Aktivisten der ALF in den 2000ern des Auto von Mike Kendall an, dem CEO einer Brokerfirma, die mit dem Tierversuchslabor «Huntingdon Life Sciences» (HLS) zusammenarbeitete.

Im Zusammenhang mit der Kampagne gegen HLS traten auch in der Schweiz militante Tierschützer auf. Sie nahmen Daniel Vasella ins Visier, den damaligen CEO des Pharmakonzerns Novartis, der ebenfalls mit HLS zusammenarbeitete. In Chur wurde das Grab von Vasellas Eltern geschändet, die Urne mit der Asche seiner Mutter wurde ausgegraben und mitgenommen. Häuser und Autos von Novartis-Mitarbeiter wurden versprayt, Reifen aufgeschlitzt, der Forschungschef erhielt Pistolenkugeln zugeschickt. Wer tatsächlich hinter solchen Anschlägen steckt, ist oft unklar. Gerade unter dem Namen ALF treten unabhängige Zellen in Dutzenden Ländern, aber auch Einzeltäter auf.

Peta sympathisiert mit der ALF
Unterstützung – zumindest in moralischer Hinsicht – finden militante Tierschützer von legal operierenden Organisationen wie Peta. Auf der Website von Peta Deutschland wird die Arbeit der ALF mit der Résistance im Zweiten Weltkrieg verglichen. «Ohne die Einbrüche von ALF in Tiernutzungseinrichtungen (Tierversuchslabore, Massentierhaltungen, Pelztierfarmen usw.), die bis zu diesem Zeitpunkt ihre Grausamkeiten erfolgreich vor dem Blick der Öffentlichkeit verborgen halten konnten, hätten noch viel mehr Tiere leiden müssen.»

In der Schweiz zeigt der Verein gegen Tierfabriken (VgT) Sympathien für Kaninchenbefreiungsaktionen. Präsident Erwin Kessler wird oft als militanter Tierschützer bezeichnet und hat einst auch eine Vereinigung namens «Schweizerische Glaubensgemeinschaft militanter Tierschützer» gegründet. Er wurde jedoch nie direkt mit gewalttätigen Aktionen in Verbindung gebracht.

Allgemein ist die Situation in der Schweiz im Grossen und Ganzen ruhig, die weitaus meisten Aktionen von Tierschützern bleiben in legalem Rahmen. Das erklärt sich nicht nur durch den Charakter der Schweizer – hierzulande ist auch die Tierschutzgesetzgebung deutlich strenger als in Ländern wie England und den USA.

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