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Ein bisschen Liebe

Gestreichelten Kälbern geht es besser

1 Kommentare Nutztiere | Samstag, 26. Dezember 2015 12:00, PD/msi

Eine neue Studie zeigt, dass Kälber, die nach der Geburt eine Zeit lang von Menschen gestreichelt werden, zu diesen eine bessere Beziehung entwickeln und schneller zunehmen.

In der konventionellen Milchwirtschaft werden Kälber am Tag ihrer Geburt von ihren Müttern getrennt. Danach werden sie meist eine Zeit lang einzeln gehalten und leben später in Kälbergruppen zusammen. Stephanie Lürzel und ihre Kolleginnen von der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchten 104 Holstein-Kälber eines Milchvieh-Betriebes im Osten Deutschlands. Etwa die Hälfte der Tiere wurde nach der Geburt vierzehn Tage lang je drei Minuten pro Tag gestreichelt, die andere Hälfte nicht. Die Ergebnisse haben die Forscherinnen im Fachmagazin «Applied Animal Behaviour Science publiziert».

Etwa neunzig Tage nach der Geburt hatten die gestreichelten Kälber mehr Gewicht als die nicht gestreichelten. Die menschliche Zuwendung scheint sich ganz direkt auf die Gewichtszunahme bei den Tieren auszuwirken. «Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigte, dass Kälber, die schneller zunehmen, später als Kühe auch mehr Milch geben. Die von uns untersuchten und gestreichelten Kälber hatten zum Zeitpunkt des Absetzens von der Milch eine etwa drei Prozent höhere Gewichtszunahme als die nicht gestreichelten. Das ließe sich laut der genannten Studie in etwa fünfzig Kilogramm mehr Milch pro Kuh und Jahr umrechnen», erklärt Lürzel in einer Mitteilung ihrer Universität.

Verbesserte Mensch-Tier-Beziehung  
Die Forscherinnen untersuchten auch die Qualität der Mensch-Tier-Beziehung mit dem sogenannten Ausweichdistanz-Test. Dieser misst, ab welcher Distanz sich das Kalb abwendet, wenn ein Mensch von vorne auf das Tier zugeht. Haben die Tiere gegenüber Menschen Vertrauen, ist die Ausweichdistanz gering. Fürchten sich die Tiere, ist die Ausweichdistanz grösser.

Bei den Experimenten zeigte sich, dass Kälber aus der «Streichelgruppe» dem Menschen nicht so schnell ausweichen wie die nicht gestreichelten Artgenossen. Die Ausweichdistanz war bei den gestreichelten Tieren  also geringer. «Wir konnten mit diesem Test klar zeigen, dass das regelmässige Streicheln positive Auswirkungen auf die Mensch-Tier-Beziehung hat», betont Stephanie Lürzel. 

Anders stellten sich die Ergebnisse dar, nachdem die Kälber im Alter von etwa 32 Tagen ohne Betäubung, wie auf dem untersuchten Betrieb üblich, enthornt wurden. Bei dem in der Milchviehhaltung heute weitverbreiteten Verfahren werden die Hornanlagen mit einem Brenneisen ausgebrannt. Die Hörner wachsen danach nicht mehr. Nach der Enthornung waren die Ausweichdistanzen bei beiden Gruppen höher als vor der Enthornung. Tiere, die als junge Kälber gestreichelt wurden, schnitten zudem nicht anders ab als nicht gestreichelte Kälber. «Die zuvor aufgebaute gute Beziehung zum Menschen scheint bei den gestreichelten Tieren nach dem Enthornen, das ohne Betäubung mit starken Schmerzen für das Tier verbunden ist, gestört zu sein. Einige Wochen nach der Enthornung ist der Effekt des Streichelns auf die Beziehung zum Menschen wieder erkennbar», erläutert Lürzel.

Auch ökonomischer Nutzen
Verhaltensexpertin Lürzel empfiehlt auf Basis ihrer und früherer Forschungsergebnisse einen freundlichen Umgang mit Kälbern: «Nutztiere, die immer wieder Kontakt mit dem Menschen haben, sei es weil sie vom Tierarzt untersucht werden oder vom Bauern oder der Bäuerin gemolken werden, profitieren von einer guten Beziehung zum Menschen.» Der regelmässige freundliche Kontakt mit den Tieren wirke sich letztendlich auch auf wirtschaftlicher Ebene positiv aus.

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Kommentare (1)

Gertrud Baumann am 29.12.2015 um 14:01 Uhr
Eigentlich alles vollkommen logisch; sagt einem schon das gesunde menschliche Empfinden. Was ist los, dass man solches erst wissenschaftlich herausfinden und beweisen muss?
Gelddenken macht alles kaputt.

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