Aktuell
› Zurück

Shiatsu für Tiere

Sanfter Druck hilft gegen Stress und Schmerzen

3 Kommentare Haustiere, Nutztiere | Donnerstag, 22. Oktober 2015 06:00, Eva Rosenfelder

Tier-Shiatsu ersetzt zwar nicht die tierärztliche Hilfe. Doch die aus Ostasien stammende Körpertherapie kann bei kranken, nervösen oder schwachen Tieren einiges ins Fliessen bringen.

Berührungen können beruhigen und entspannen. Auf diese Kraft setzt die fernöstliche Heilmassage Shiatsu – auch bei Tieren. «Shiatsu ist eine komplementäre Behandlungsform auf der Basis der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), bei der die Ursache aller Krankheiten als Ungleichgewicht im Energiesystem des Körpers verstanden wird», sagt die Shiatsu- und Tier-Shiatsu-Therapeutin Helene Moser aus Winterthur ZH. «Durch sanfte, manuelle Stimulation der Energieleitbahnen werden Blockaden gelöst und die Lebenskraft des Tieres gestärkt.»

In erster Linie angewendet wird diese Methode bei Hunden, Katzen und Huftieren wie Pferden, Eseln, Kühen, Ziegen und so weiter. Auch andere Kleintiere können behandelt werden. Kürzlich half Moser zum Beispiel einem Zwergkaninchen, und gerne erinnert sie sich an jene neugeborene Ziege, die mit eingeknickten Füsschen auf die Welt kam. «Wir haben ihr die Bein-Meridiane immer wieder ausgestrichen und die Fussgelenke sanft in die Länge gezogen. Und tatsächlich lernte das Tier ganz normal zu gehen.» 

Vereinfachtes System bei Tieren
Tier-Shiatsu ist laut Moser eine wunderbare Ergänzung zur tierärztlichen Betreuung. Sie eigne sich nicht nur für austherapierte und schwache Tiere, sondern habe auch eine präventive Wirkung in vielen Bereichen der Gesundheit und unterstütze vor allem auch die Mensch-Tier-Beziehung. Neben der Anregung der Selbstheilungskraft, kommt die sanfte Berührung mit den Händen bei chronischen Krankheiten zum Einsatz, bei Gelenkbeschwerden, aber auch bei Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität oder Ängstlichkeit (siehe Kasten). 

«Man merkt bald, dass die Tiere zufriedener und ausgeglichener wirken und sich sichtlich schneller von ihren Verletzungen oder Operationen erholen», sagt Moser. Tier-Shiatsu verlange aber auch viel Achtsamkeit, Sensibilität und Offenheit vom Menschen. Nur so könne das Verständnis und Vertrauen zwischen Mensch und Tier gefördert werden.

Die Anwendung und Wirkung von Tier-­Shiatsu wurde in den USA entwickelt. Pamela Hannay versuchte als erste Therapeutin, die Körpertherapie auch bei Tieren anzuwenden, und experimentierte dabei vor allem mit Pferden. Durch ihre schön illustrierten Bücher gelangte die Methode nach Europa und in die Schweiz. Die erste Tier-Shiatsu-Schule wurde hier von Mia Estermann gegründet, die zuerst vor allem Erfahrungen mit Islandpferden sammelte und sich für die Methode begeisterte. «Bei Tieren wird ein vereinfachtes Meridiansystem verwendet», erklärt Moser. «Wichtig ist es, immer im Fluss der Meridiane und in Fellrichtung zu streichen.»

Übersetzt heisst Shiatsu so viel wie Fingerdruck. Mit Daumen, Händen und je nach Grösse des Tieres mit dem Ellbogen wird in fliessenden Bewegungen sanfter Druck auf die Energiebahnen (Meridiane) ausgeübt. Miteinbezogen werden auch Akupunkturpunkte, Gelenke und verschiedene Körperregionen. 

Wenn Helene Moser ein Pferd behandelt, begrüsst sie es, indem sie Sichtkontakt aufnimmt, es dann am Hals berührt und es an ihren Händen schnuppern lässt. Danach streicht sie ihm, immer in Fellrichtung, langsam über den Rücken. «Das Ausstreichen wirkt belebend, wenn ich flüssig und kontinuierlich mit beiden Händen überlappend ausstreiche.»

Tier-Shiatsu mit Pferd
Beim Shiatsu gilt es, immer in Richtung der Meridiane und in
Fellrichtung zu streichen.
  Bild: Tier-Shiatsu Schule Mia Estermann

Das Pferd im «Shiatsu-Koma»
Sei ein Pferd eher scheu und nervös, so versuche sie es zu zentrieren, indem sie ihm seine Körpermitte «bewusst» mache. Dazu lege sie eine Hand auf die Kreuzgegend, die andere unten an den Bauch in die Nähe des Bauchnabels. «Dabei atme ich bewusst tief und regelmässig. Nimmt das Pferd meinen entspannten Atem wahr, so entspannt es sich meistens auch.» Manchmal schaue das Pferd interessiert nach hinten, manchmal entspanne es sich, klimpere mit den Augenwimpern oder lasse den Kopf nach unten sinken. «Manchmal versinken die Tiere regelrecht in ein Shiatsu-Koma», sagt Moser und schmunzelt.

Die Behandlung zielt darauf ab, die Durchblutung energetisch unterversorgter Körperregionen zu verbessern und das «Chi», die Quelle der Lebensenergie, zu aktivieren und im ganzen Körper zu verteilen, denn das harmonische Fliessen des Chi bedeutet in der Chinesischen Medizin Gesundheit. «Geübte Therapeutinnen und Therapeuten können ihre Hände so einsetzen, dass der Energiestrom gezielt tiefliegende Partien erreicht», erklärt Moser. Das belebt die Blockaden und hilft bei vielerlei Beschwerden. Bei akuten Krankheiten wird die Methode allerdings nur nach ärztlicher Rücksprache angewendet.

Wie wirkt Tier-Shiatsu?
- Anregung der Selbstheilungskräfte bei chronischen Krankheiten,      Schwächesymptomen, Immunschwächen, Rekonvaleszenz oder in der    Prävention
- Förderung der Durchblutung bei schlechter Heilung 
- Entspannung von Körper und Psyche bei Stress, verlorener Lebensfreude   oder Traumata
- Förderung der Beweglichkeit bei Verspannungen, Steifheiten,    chronischen Schmerzen, Rücken- und Gelenkproblemen,    Koordinationsproblemen oder physischen Traumata
- Nicht empfohlen bei Fieber!

Immer wieder behandelt Moser auch kranke und sterbende Tiere: Auch ihnen helfe es, den Zustand betreffend Atmung, Verdauung und Bewegung zu stabilisieren, und bringe Erleichterung beim Sterben. Man könne dabei sehr sanft einwirken und das Loslassen unterstützen. «Wenn die Tiere einmal Vertrauen gefasst haben, merken sie sehr schnell wie wohltuend diese Veränderung des Energieflusses sich anfühlt.» Etwas, das Helene Moser immer wieder erfährt. «Oft haben bereits zwei bis drei Behandlungen sehr gute Auswirkungen auf die Beziehung des Menschen zu seinem Tier. Mensch und Tier bilden zusammen eine Einheit. Hat der Mensch Probleme, überträgt sich das immer auch auf das Tier.» 

So etwa jener Hund, der regelmässig zu ihr in Therapie gebracht wurde, begleitet von seiner extrem gestressten Besitzerin. «Zuerst setzte sie sich mit dem etwas nervösen Tier und mir auf die Behandlungsmatte am Boden und schaute zu. Doch sobald der Hund sich langsam entspannte, legte auch sie sich hin und schlief während der ganzen Stunde.» 

Diese sanfte Behandlungsform zeigt, in welcher Verbundenheit Mensch und Tier eigentlich zusammenleben, und regt an zu einem achtsamen Umgang mit unseren vierbeinigen Begleitern.

Weitere Infromationen finden Sie bei www.tiershiatsu.ch und www.verband-tiershiatsu.ch.

› Zurück
Kommentare (3)

Barbara Gygger am 31.10.2015 um 17:48 Uhr
Meine Langjährige Tier-Shiatsuterapeutin Iris Zurbuchen konnte meinen Hunden und Katzen immer Hilfe geben .Auch meine Kollegin die Pferde besitzt ist voll Begeistert von dieser Methode ist sie doch sanft und wirksam und die Tiere geniessen die Behandlung.
Durch diese Behandlung werden Heilimpulse ausgelöst, und somit eine Genesung gefördert. Ich kann es nur weiterempfehlen

Bernadette am 28.10.2015 um 21:14 Uhr
Menschen, die ihren Tieren Shiatsu gönnen, haben die Wirkung von Shiatsu oft schon an sich selber gespürt. Beim Menschen kann eine kritische Haltung gegenüber alternativen Therapieformen eine Wirkung tatsächlich blockieren. Tiere jedoch können es oftmals einfach annehmen, ohne Vorurteile und Wertung.
Ich glaube, wer schon eine Tierbehandlung miterlebt hat und beobachten durfte, wie sich die Tiere entspannen, Rückmeldung geben und abtauchen in einen meditativen Zustand und dies von einem Moment auf den anderen, der wäre sicherlich beeindruck und würde seine kritische Haltung nochmals überdenken.

Tanja am 26.10.2015 um 11:53 Uhr
Bin sicher, dass jene die behaupten es sei Humbug noch nie ein Tier bei einer Behandlung beobachtet haben! Nehmt Euch mal die Zeit, ist höchst interessant wie die Tiere ohne Vorureile reagieren!

Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen