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Vom Exoten zum Eierlieferanten

Woher kommt eigentlich unser Haushuhn?

Nutztiere | Mittwoch, 22. Juli 2015, sda/dpa

Vor etwa 2300 Jahren haben die Menschen im östlichen Mittelmeerraum begonnen, Hühner wegen ihrer Eier und ihres Fleisches zu halten.

Von Israel und dem Rest der südlichen Levante habe sich dann die landwirtschaftliche Hühnerhaltung bis nach Europa verbreitet. Zuvor waren die Tiere, die bereits im 6. Jahrtausend vor Christus in Asien domestiziert worden waren, ausserhalb ihrer Heimat in erster Linie als Exoten für Hahnenkämpfe oder rituelle Zwecke gehalten worden. Das schliessen Wissenschaftler aus Funden in der historischen israelischen Stadt Maresha, wie sie in den «Proceedings» der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS) berichten.

Aus Südostasien
Das Haushuhn (Gallus gallus domesticus) stammt von einem südostasiatischen Wildhuhn ab, dem Bankivahuhn (Gallus gallus). Nach seiner Domestizierung gelangte das Huhn über seinen natürlichen Verbreitungsraum hinaus. Funde von Hühner-Überresten an archäologischen Stätten lassen vermuten, dass es zunächst ab etwa dem 3. Jahrtausend vor unserer Zeit nach Westasien und in den Nahen Osten gelangte, dann unter anderem in die Levante und etwa im 9. oder 8. Jahrhundert vor Christus schliesslich nach Europa. Allerdings beschränken sich die Funde aus diesem Zeitraum auf einige wenige Knochen und andere Überreste. Sie machten selten mehr als drei Prozent der gesamten tierischen Fundstücke aus.

Die Forscher um Lee Perry-Gal von der University of Haifa (Israel) fragten sich deshalb: Wann wurden die Hühner ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes nicht mehr nur als exotische Art für rituelle oder symbolische Zwecke gehalten? Wo wurden sie zuerst zu einem wichtigen Bestandteil der Viehhaltung in den europäischen und den Mittelmeerländern?

Viele Hühnerknochen
In Maresha, eine an einer traditionellen Handelsroute gelegene historische Stadt im heutigen Israel, fanden die Wissenschaftler dann aussergewöhnlich viele Hühnerknochen. Sie machten fast 30 Prozent der gesamten tierischen Überreste aus und wurden auf das Ende des vierten Jahrhunderts vor Christus datiert. 

Darunter waren besonders viele Knochen von weiblichen Tieren. Das lasse vermuten, dass die Hühner unter anderem wegen ihrer Eier gehalten worden waren. Tatsächlich belegten die Knochenfunde eierlegende Hennen. Des Weiteren fanden die Forscher Schnittspuren an den Knochen, die auf eine Schlachtung der Hühner hinweisen. Nur wenige Knochen waren verbrannt. Die Tiere waren zum Verzehr wohl nicht gebraten worden.

Praktische Fleischpackung
Schliesslich analysierten die Forscher das Vorkommen von Hühnern an mehr als 200 weiteren historischen Stätten in der südlichen Levante. Sie fanden einen sprunghaften Anstieg an Überresten in der hellenistischen Periode, die von 336 bis 30 vor Christus dauerte.

«Wir nehmen an, dass die allmähliche Anpassung der Hühner an das Klima in der südlichen Levante und die stetige Integration in die lokale Wirtschaft ein entscheidender Schritt für die Aufnahme dieser Art in die europäische Tierzucht etwa 100 Jahre später war», schreiben die Forscher.

Sie verweisen auf andere Wissenschaftler, die vermutet hatten, dass die Hühner in der Levante nach und nach die Schweine als vorherrschende Haustier-Rasse verdrängten. Hühner verbrauchten weniger Wasser und seien leichter zu transportieren. Sie stellten eine kompakte, tragbare und pflegeleichte Fleischpackung dar, die auch über Eier verlässlich Protein liefere.

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