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Tierschutz

Mehr Tiere leiden für Tierversuche

2 Kommentare Nutztiere | Donnerstag, 9. Juli 2015, sda/nsn

Über 12'000 Tiere haben letztes Jahr in Tierversuchen qualvolle Schmerzen oder dauerhafte Schäden erlitten.

An gut 606'000 Tieren sind im vergangenen Jahr Versuche durchgeführt worden. Das sind etwas mehr als im Vorjahr und etwa gleich viele wie 2012. Gestiegen ist auch die Zahl der Tiere, die für Versuche des Schweregrads 3 eingesetzt wurden und damit qualvollen Schmerzen ausgesetzt waren oder dauerhafte Schäden erlitten. Das geht aus der Tierversuchsstatistik 2014 hervor, die das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) am Mittwoch veröffentlicht hat.

Der Schweregrad 3 gilt etwa, wenn Tiere zu Forschungszwecken mit tödlich verlaufende Infektions- und Krebskrankheiten angesteckt werden, wenn sie tödlich verlaufenden Chemotherapien unterzogen werden und wenn sie Schocks, Isolation oder den Entzug von Futter oder Wasser erleiden müssen. 12'000 Tiere wurden in derartigen Versuchen eingesetzt, das sind rund tausend mehr als im Vorjahr.

Alle Tierversuche werden jedoch nur dann bewilligt, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. So müssen die erwarteten Erkenntnisse bedeutender sein als das Leiden der Tiere. Zudem darf das Forschungsziel nicht mit anderen Methoden erreicht werden können.

Drei Viertel der Tiere kaum belastet
Schweregrad 2 bedeutet, dass das Versuchstier kurzfristig einer mittleren Belastung oder längerfristig einer leichten Belastung ausgesetzt wird. Dazu gehören etwa der Einsatz von Tieren mit Mutationen, die wiederholte Entnahme von Körperflüssigkeiten oder schwere Angstzustände. Für solche Versuche wurden 2014 fast 125'000 Tiere eingesetzt.

Über drei Viertel der eingesetzten Tiere wurden bei den Versuchen einer Belastung der Schweregrade 0 oder 1 ausgesetzt. Das Tier wird dabei entweder gar nicht belastet oder nur leicht und kurzfristig. Zum Schweregrad 1 gehört etwa die Kastration männlicher Tiere unter Narkose.

Die Zunahme der totalen Anzahl Versuchstiere begründet das BLV mit einer grossen Zahl von Fischen und Geflügel, beispielsweise eine Verhaltensstudie an Legehennen, um den Einfluss der Haltungsform und Fütterung zu untersuchen. Fast 80 Prozent der Versuchstiere waren Nagetiere. Die Hälfte der Tiere wurden in der Grundlagenforschung an Hochschulen und Spitälern eingesetzt. Für Versuche im Bereich von Kosmetika oder Tabakwaren wurden laut BLV keine Tiere verwendet.

Der Bundesrat möchte Tierversuche einschränken, trotz einem markanten Rückgang der Anzahl Tierversuche in den letzten Jahren. Beispielsweise schlägt er die Schaffung eines nationalen Kompetenzzentrums vor, das die Forschung ohne Tierversuche gezielt fördern soll.

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Kommentare (2)

E. Petras am 12.07.2015 um 11:55 Uhr
Auch Nagetiere leiden Schmerzen. Oft ist sogar schon die Haltung mit Schmerzen und Leiden verbunden, weil die Umgebung der Sterilität wegen nicht artgerecht ausgestaltet wird.

Auch das Greifen zur Blutentnahme etc. ist für die Tiere in der Regel mit Angst verbunden. Ein sehr großer Teil dieser Versuche ist völlig überflüssig und auf den Menschen nicht übertragbar. Ob der Mensch ähnlich reagiert, bemerkt man erst im Rückblick, also nach dem Einsatz beim Menschen. Es ist auch fraglich, ob es gerechtfertigt ist, Tiere durch Forschung zur Fleisch- und Eiproduktion leiden zu lassen, denn dazu liegen bereits sehr viele Studien vor und was die Tiere brauchen, ist weitgehend bekannt: Licht, Luft, Ruhe und Bewegung.... (vgl. ign-nutztiere.ch). Diese sollte man ihnen endlich auch zugestehen! Forschung wäre u. U. auch in ohnehin existierenden Betrieben möglich, so dass nicht zusätzlich Tiere leiden müssen.

Es gibt gute Ansätze zur Forschung an nachgezüchteten menschlichen Organen, die sogar in vernetzter Form angeboten werden, sogar im Miniformat auf Microchips (vgl. www.invitrojobs.de). Diese wurden sogar ausgezeichnet. Diese sollte man einsetzen, soweit sie praxisreif sind - und Forschngsgelder zur Weiterentwicklung bereit stellen!

Hier liegt die Zukunft, denn diese Methoden ermöglichen, da sie kostengünstiger sind, viel mehr Forschung bei gleichem Budget. Die Gelder könnten z. B. zum Einsatz weiterer Wissenschaftler dienen, Zudem sind solche Methoden sogar effektiver, genauer und vor allem auf den Menschen übertragbarer als die ungenauen und schlecht übertragbaren Tierversuche!

lookout4dogs am 10.07.2015 um 14:04 Uhr
Der STS-Report "Kosmetik ohne Tierleid - das Angebot in der Schweiz" bietet jenen, die tierfreundlich einkaufen möchten, eine Uebersicht über tierversuchsfreie Labels und Firmen.
«Häufig kommen für Versuche gezüchtete Hunde zum Einsatz, da ihre Organe jenen des Menschen ähneln.»
http://www.tierschutz.com/media/pc2015/230415.html

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