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Umstrittenes Verfahren

Biobauer darf Rinder auf der Weide schlachten

2 Kommentare Nutztiere | Dienstag, 9. Juni 2015, sda/msi

Damit seine Tiere möglichst wenig leiden, tötet Nils Müller seine Rinder mit einem gezielten Kopfschuss auf der Weide. Bislang war die Weideschlachtung in der Schweiz verboten. Das Veterinäramt Zürich hat nun eine Bewilligung für zehn Schlachtungen erteilt.

Biobauer Nils Müller führt auf der Zürcher Forch die dritte Weideschlachtung der Schweiz durch – und erklärt im Detail, wie das Verfahren funktioniert.

Biobauer Müller ist überzeugt, dass es keine bessere Methode gibt. «Man sieht und spürt, dass die Tiere keinerlei Stress ausgesetzt sind, da sie in der gewohnten Umgebung bleiben und ihre Herde zum Zeitpunkt der Betäubung um sich haben», berichtet er den Medien über seine Erfahrungen nach den ersten drei Weideschlachtungen.

Auf ihrem Bauernhof Zur Chalte Hose in Forch ZH haben Müller und seine Frau für das neue Verfahren eine kleine, separate Koppel mit einem angrenzenden Hochsitz eingerichtet. Von dort aus nimmt Müller das zur Schlachtung ausgewählte Tier aus kurzer Distanz ins Visier und schiesst ihm mit einer Kleinkaliberwaffe in den Kopf. Der Landwirt hat dafür extra eine Jägerausbildung absolviert.

Das Projektil bleibt im Kopf des Rindes stecken, sodass andere Tiere nicht gefährdet werden, wie Eric Meili vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), erklärt. Die anderen Tiere reagieren kaum auf den Schuss. Sie bleiben ruhig und werden einfach aus der Koppel auf die Weide getrieben. Weil mit dem Kopfschuss meisten erst der Hirntod eintritt, gilt er nur als «Betäubung» – wie dies auch beim Bolzenschuss im Schlachthof der Fall ist. Der Herztod muss unmittelbar danach durch Ausbluten herbeigeführt und das Tier in einer mobilen Schlachtbox ins nächste Schlachtlokal gebracht werden. Um das Verfahren einzuleiten, hat Biobauer Müller nach dem Schuss 90 Sekunden Zeit – das ist auch auf dem Hof zu schaffen, wie er im Video zeigt.

Stress vermeiden
Diese Methode erspart den Tieren beispielsweise den Transport, das Eingesperrtsein auf dem Schlachthof sowie den Kontakt zu fremden Artgenossen und Menschen. Diese Stressfaktoren zu vermeiden ist nicht nur eine Frage des Tierwohls, sondern hat auch Auswirkungen auf die Fleischqualität. Das Verfahren sei eine gute Möglichkeit für direktvermarktende Produzenten, sagte Meili. Beispielsweise für Landwirte wie Nils Müller, der selbst jahrelang Vegetarier war. Erst nach einem Praktikum in einem Sternerestaurant lernte er Fleisch von hoher Qualität wieder zu schätzen.

Mit seiner Fleischproduktion folgt Müller einem ganzheitlichen Ansatz. Dazu gehört, dass die Tiere regional und ausserdem ganz verwertet werden, auch die Innereien.

Der Weg bis zur ersten beschränkten Teilbewilligung war lang, zunächst verweigerten die Behörden ihre Zustimmung. FiBL und die Naturschutzorganisation Vier Pfoten unterstützten das Projekt. Tierschutz dürfe nicht am Weidezaun aufhören, sagte Sabine Hartmann von Vier Pfoten. Sie geht davon aus, dass das Projekt wegweisend ist.

Bisher war die Weideschlachtung in der Schweiz nur bei Gehegewild wie Hirsche und verunfalltem Schlachtvieh erlaubt – das schweizerische Lebensmittelgesetz schreibt nämlich vor, dass die Schlachttieruntersuchung in einem Schlachthof stattfinden muss. Für Nils Müller macht der Kanton Zürich nun eine Ausnahme.

Nicht für alle Betriebe geeignet
Skeptisch sieht die neue Schlachtmethode der Verband Mutterkuh Schweiz. Das Errichten der notwendigen Infrastrukturen für den Hofschuss sei für Schweizer Viehhaltungsbetriebe mit durchschnittlich rund 20 Kühen sehr teuer und für die Mehrheit der Betriebe nicht sinnvoll, sagte Geschäftsführer Urs Vogt gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Ein Rind auf einer Weide
Erstmals dürfen in der Schweiz Weideschlachtungen durchgeführt
werden – das Verfahren ist allerdings umstritten (Symbolbild).
  Bild: CC0/Public Domain

Schweizer Schlachthöfe und Tiertransporte erfüllten hohe Standards bezüglich Tierschutz und Hygiene. Der regelmässige Umgang mit den Tieren limitiere den Stress. Bezüglich Tierwohl könne keine der Methoden bevorzugt werden, so Vogt.

Auch der Schweizer Tierschutz (STS) steht der Methode kritisch gegenüber. «Ein Weideabschuss kann mit Tierschutzargumenten nur schwer gerechtfertigt werden», meint Hansueli Huber vom STS im «Tages-Anzeiger». Schlachttiere dürfen maximal sechs Stunden lang transportier werden. Dies sei zumutbar. Bei Weideschlachtungen bestehe die Gefahr von Fehlschüssen, die einen Nachschuss verlangten. Dieses Leid würde den Tieren einfach zugemutet.

Was meinen Sie zur umstrittenen Weideschlachtung? Ist sie aus tierschützerischer Sicht sinnvoll oder nicht? Sagen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren.

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Kommentare (2)

Katharina Walder am 10.06.2015 um 20:15 Uhr
Unglaublich das für eine solch tiergerechte, stressfreie, gut durchdachte und not abene absolut hygienische Schlachtung eine Spezialbewilligung benötigt wird! Diese Art der Schlachtviehtötung sollte zum Standard werden! Für solches Fleisch bezahle ich gerne etwas mehr..

Wiedmer Konrad am 10.06.2015 um 06:35 Uhr
Ich finde, Weideschlachtung ist eine irreführende Bezeichnung. Die Rinder werden auf der Weide getötet und nach dem Ausbluten in den Schlachthof transportiert. Weideschlachtung bei hohen Temperaturen und all den Fliegen etc. , wäre doch ein wenig unappetitlich und die Einhaltung der Hygienevorschriften unmöglich.

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