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Grossbritannien

Prinz Charles: Tierliebe in Grenzen

Wildtiere, Nutztiere | Donnerstag, 21. Mai 2015 06:00, Niklaus Salzmann

Die jüngst veröffentlichten Briefe werfen ein neues Licht auf die tierschützerischen Aktivitäten des britischen Thronfolgers. Zwar setzt er sich für den Schutz von Fischen und Albatrossen ein – doch Dachse will er abschiessen lassen.

Prinz Charles ist Präsident des WWF UK und hat sich in den vergangenen Jahren unter anderem öffentlich für den Schutz der Albatrosse, gegen den Konsum von Gänsestopfleber sowie gegen Wilderei eingesetzt. Selbstverständlich ist ein solches Engagement gute Werbung für den zukünftigen König. Doch auch hinter den Kulissen setzte sich Prinz Charles für Tiere ein. Dies zeigen die Briefe an Minister und Politiker, die am 13. Mai 2005 nach langem Rechtsstreit veröffentlicht wurden.

Albatrosse ertrinken im Meer
So forderte er im Jahr 2004 den damals zuständigen Minister auf, den Kampf gegen die illegale Fischerei von Schwarzen Seehechten eine hohe Priorität zu geben, da es sonst wenig Hoffnung für den «poor old albatross» gebe. Denn diese Fische werden mit kilometerlangen Leinen gefischt, an denen Tausende von Ködern befestigt werden. Zwar kann so der unerwünschte Beifang im Vergleich zu Schleppnetzen deutlich reduziert werden – jedoch sind die Köder, so lange sie an der Meeresoberfläche schwimmen, verlockend für Albatrosse. Wenn einer dieser Seevögel anbeisst, bleibt er am Haken hängen und ertrinkt, sobald die Leine im Wasser versinkt.

Prinz Charles hatte die Albatrosse in seiner Zeit bei der britischen Marine schätzen gelernt, wie er an einem Empfang der Albatross Task Force im Jahr 2009 berichtete. Er habe es genossen, an Deck die Vögel zu beobachten, die das Schiff begleiteten. Laut dem Telegraph hat er sich bei dieser Gelegenheit auch dazu bekannt, Staatsoberhäupter auf der ganzen Welt angeschrieben und um Unterstützung beim Schutz der Albatrosse gebeten zu haben.

Dachse schiessen, um Rinder zu retten
Ist der Thronfolger also ein Tierfreund? Nicht unbedingt – die nun veröffentlichten Briefe zeigen, dass er nicht für alle Tiere dieselben Sympathien hegt. Den damaligen Premierminister Tony Blair rief er im Jahr 2005 dringend dazu auf, gegen Dachse vorzugehen, die im Vereinigten Königreich für das Verbreiten der Rindertuberkulose verantwortlich gemacht werden. Er könne nicht verstehen, dass der «Dachslobby» das Notschlachten Tausender teurer Rinder anscheindend egal sei.

Der Abschuss von Dachsen ist in Grossbritannien ein hochumstrittenes Thema. Mit seinem Brief an den Premierminister hatte sich Prinz Charles in dieser (und anderen) Angelegenheiten in die Politik eingemischt, obwohl von den Mitgliedern des Königshauses eigentlich Neutralität erwartet wird. Das hat in Grossbritannien zu Unmut geführt.

Jäger – wie sein Vater und seine Söhne
Es ist nicht das erste Mal, dass Prinz Charles mit seiner inkonsequenten Einstellung zum Tierschutz in der Kritik steht. Im vergangenen November versuchte er vergeblich, die Veröffentlichung von Fotos zu stoppen, auf denen er mit Gewehr auf der Fasanjagd zu sehen war. Früher hatte er sich auch als begeisterter Anhänger der Fuchsjagd zu erkennen gegeben und angeblich gar einst gedroht, das Land zu verlassen, sollte ihm dieses Hobby verboten werden. Das tat er dann allerdings nicht, als das Verbot der traditionellen Fuchsjagd 2005 in Kraft trat.

Trotz seiner nicht ganz eindeutigen Haltung wurde Prinz Charles 2011 Präsident des WWF UK. Er trat damit in die Fussstapfen seines Vaters Prinz Philipp, der während fünfzehn Jahren gar Präsident des WWF International war und inzwischen Ehrenpräsident ist – und sich einst mit einem von ihm erlegten Tiger ablichten liess (das Foto sehen Sie hier). Auch der beliebte Prinz William, Sohn von Prinz Charles und damit Thronfolger Nummer zwei, setzt sich öffentlich für den Schutz und gegen die Wilderei exotischer Tiere ein, war aber vergangenes Jahr mit seinem Bruder Harry in Spanien auf Wildschwein- und Hirschjagd.

Wer sich fragt, ob Prinz Charles nun Tierschützer ist oder nicht, findet die Antwort in der Glosse von Prof. Dr. Pseud O. Brehm, Experte für Tierproblematik.

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