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Mähsaison

Tote Tiere im Heu gefährden Kühe

Wildtiere, Nutztiere | Mittwoch, 6. Mai 2015, pd/nsn

Wenn beim Mähen ein Rehkitz unter die Maschine kommt, können Fleischreste in Heu und Grassilage landen. Die daraus entstehenden Gifte können für Rinder und andere Nutztiere tödlich sein, teilt der Schweizer Tierschutz mit.

Laut Jagdstatistik kommen in der Schweiz jährlich rund 2’000 Rehkitze in den Monaten Mai und Juni durch Mähmaschinen ums Leben. Bei Gefahr ducken sich gut getarnten Kitze und verharren regungslos. Sie geraten ins Mähwerk, werden zerstückelt oder bleiben schwerstverletzt zurück. So fanden Mitarbeiter eines Zürcher Tierheims kürzlich in einer Packung Wiesenheu für Meerschweinchen das abgetrennte Bein eines Rehkitzes. Aber auch junge Feldhasen, Jungvögel von Feldlerche oder Wachtelkönig und sogar im hohen Gras schlafende ältere Katzen können laut dem Schweizer Tierschutz (STS) der Mähmaschine zum Opfer fallen.

So weit, so traurig – doch damit nicht genug. Denn wenn Kadaver von Rehkitzen, Feldhasen, Mäusen oder anderen Wiesentieren nach dem Mähen unerkannt ins Silo geraten, vermehrt sich durch den Gärprozess im Fleisch das Bakterium Clostridium botulinum, wie der STS mitteilt. Dieses Bakterium produziert das hochpotente Nervengift Botulinumtoxin. Wird das Futter vom Vieh aufgenommen, erkranken die Tiere am akuten Botulismus – sie zeigen Lähmungserscheinungen, Speichelfluss und ersticken schliesslich qualvoll an einer Atemlähmung.

Suche mit Infrarotgeräten und ferngesteuerten Helikoptern
Deshalb fordert der STS, dass Bauern ihre Wiesen vor dem Mähtermin nach Rehkitzen und anderen Tieren absuchen lassen. Meist geschehe dies in Zusammenarbeit mit lokalen Jägern und durch den Einsatz von Infrarot-Suchgeräten. Diese erkennen ein Tier aufgrund seiner Körperwärme, die sich am frühen Morgen deutlich vom kalten Boden abhebt. Vielversprechend ist auch die Suche nach Rehkitzen mittels ferngesteuerter Multikopter («Tierwelt online» hat berichtet). Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL hat die Effizienz dieser Methode in einem Forschungsprojekt nachgewiesen und bildet nun in einem vom STS finanziell unterstützten Folgeprojekt ein erstes Rehkitzrettungs-Einsatzteam aus Modellflugprofis und Jägern aus.

Aufgefundene Rehkitze sollten niemals von blosser Hand berührt, sondern mit Handschuhen oder unter Zuhilfenahme eines Grasbüschels in eine Kiste gelegt und aus dem Gefahrenbereich verbracht werden, schreibt der STS weiter. Die Fundstelle wird markiert und beim Mähen umfahren, so dass eine kleine Grasinsel zurückbleibt. Nach der Mahd wird das Kitz an der Fundstelle wieder in der Grasinsel abgelegt, wo es die Rehgeiss am Abend findet.

Merkblatt des STS zum Schutz von Rehkitzen

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