Aktuell
› Zurück

Tierische Inhaltsstoffe

Weggli und Zahnpasta mit Schwein

1 Kommentare Nutztiere | Donnerstag, 8. Januar 2015 07:00, Mario Ludwig

Wer nicht gerade Vegetarier ist, sieht im Schwein den Lieferanten für einen tollen Grillabend. Doch aus Schweinen werden nicht nur Fleischprodukte gewonnen – auch Glaceliebhaber, Brotesser und sogar Raucher kommen um das Tier nicht herum.

Das «Produkt Schwein» hat viel mehr zu bieten als leckere Koteletts oder knackige Würstchen. Was von der modernen Industrie heute alles aus den Borstentieren als sogenannte «Schlachtnebenprodukte» hergestellt wird, ist überaus verblüffend. Schlachtabfälle vom Schwein stecken nämlich in zahlreichen Alltagsprodukten. So findet man Gelatine vom Schwein zum Beispiel nicht nur in Kaugummis, Gummibärchen, Kuchen oder Glace, sondern auch in so unterschiedlichen Produkten wie Streichholzköpfen, Wirkstoffkapseln, Infusionslösungen, Röntgenbildern oder etwa diversen Säften zur Entfernung von Schwebstoffen. 

Für die Herstellung von Gesichtscremes muss dagegen das Kollagen von Schweinen herhalten. Und unsere Zahnpasta kann wiederum Glycerin aus Schweineknochen enthalten. Und sogar in der Porzellanherstellung wird mit Schweineprodukten gearbeitet: Es sind nämlich die Calciumbestandteile der Knochenasche vom Schwein, die für den schönen Glanz des Porzellans sorgen.

Ein bisschen Schwein steckt übrigens auch in unseren Frühstücksbrötchen. Um den Teig schön elastisch und knetfähig zu machen, setzen Bäcker ihm nämlich die Aminosäure Cystein zu. Und die wird aus Schweineborsten gewonnen! Veganer, aber auch Menschen jüdischen oder muslimischen Glaubens sollten sich in Zukunft also genau überlegen, ob sie Brot essen wollen oder nicht. Selbst der Griff zum Glimmstängel ist für Menschen, die keine Tierprodukte verwenden wollen, tabu: Auch Raucher kommen nämlich überraschenderweise ständig mit einem Schweineprodukt in Kontakt. Im Zigarettenfilter steckt aus Schweineblut gewonnenes Hämoglobin. Der rote Blutfarbstoff hilft dort mit, unerwünschte Schadstoffe aus dem Rauch zu filtern. Und last but not least findet man Gelatine vom Schwein sogar in Gewehr- und Pistolenpatronen eingesetzt, wo es dafür sorgt, dass der Treibsatz einfach und sicher in die Patronenhülse kommt. 

Ersatzteillager für Herzpatienten
Schweine spielen und spielten aber auch in der Humanmedizin eine wichtige Rolle: So wurde zum Beispiel bis vor wenigen Jahren das für Diabetiker so wichtige Insulin aus den Bauchspeicheldrüsen von Schweinen gewonnen. Heute wird allerdings fast nur noch gentechnisch hergestelltes Insulin eingesetzt. Der Blutgerinnungshemmer Heparin, der oft während oder nach Operationen gespritzt wird, um Thrombosen zu verhindern, wird dagegen auch heute noch aus der Darmschleimhaut von Schweinen gewonnen. 

Aber Schweine müssen ab und an auch als eine Art Ersatzteillager für uns Menschen herhalten: Seit über 20 Jahren werden nämlich Herzpatienten, die unter Herzklappenproblemen leiden, zum Beispiel unter einer Verkalkung der Aortenklappe, erfolgreich die Herzklappen von Schweinen transplantiert. Dass die Wahl ausgerechnet auf das Schwein als Organspender fiel, hat gleich mehrere Gründe: Zum einen sind Schweine leicht zu züchten. Will heissen, es muss nicht auf menschliche Spender gewartet werden, sondern es sind immer ausreichend und auch preiswerte Herzklappen vorhanden. Zum anderen sind Herzklappen von Schweinen in Aufbau und Grösse denen von uns Menschen sehr ähnlich. Dazu kommt noch, dass bei biologischen Klappen die Gefahr einer Thrombosebildung im Gegensatz zu den mechanischen Klappen, die man früher transplantiert hat, deutlich geringer ist.

Andere Länder, andere Sitten. Was auf den meisten mitteleuropäischen Tischen eher verpönt ist, gilt in China als ausgemachte Delikatesse: Füsse, Köpfe oder Ohren vom Schwein. Und da die Chinesen, bei einer riesigen Nachfrage, mit der Schweinezucht kaum nachkommen und durchaus auch bereit sind, sich den Genuss dieser in Europa nicht sonderlich begehrten Körperteile durchaus etwas kosten zu lassen, werden mittlerweile ganze Schiffsladungen mitteleuropäischer Schweineköpfe ins Reich der Mitte exportiert. 

› Zurück
Kommentare (1)

A. Ott am 09.01.2015 um 14:29 Uhr
Nichts ist so eklig und tierverachtend wie die,auch in unserem Land,leider praktizierte Schweine und Pouletmast. Wenn das die Konsumenten nicht so erfolgreich verdrängen könnten würde mancher auf den Konsum tierischer und nebenproduktehaltiger Lebens- und Schoenheitsmittel verzichten.Für juedische und muslimische Mitmenschen bräuchte es eine Kennzeichnung, z.B. mit Pictogramm. Außerdem gibt es App's, die mir helfen bei der Auswahl tierfreier und tierversuchfreier Kosmetika.

Kommentar schreiben

Klassische Website anzeigen