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Umfrage

Tierversuche polarisieren weiterhin

Nutztiere | Donnerstag, 2. Oktober 2014, Matthias Gräub

Die Resultate einer neuen Umfrage zeigen: Eine knappe Mehrheit der Bevölkerung lehnt Tierversuche grundsätzlich ab. Nicht aber, wenn sie dazu dienen, Medikamente zu entwickeln oder Tierleid zu verhindern.

Haben die Schweizer Tiere lieber als Menschen? Auf diesen Gedanken könnte zumindest kommen, wer die soeben veröffentlichte Umfrage zur Akzeptanz von Tierversuchen liest. Dort geben nämlich 79 Prozent der Befragten an, Tierversuche seien OK, wenn sie der Verhinderung von Tierleiden dienen. Etwas weniger, nämlich 70 Prozent, befürworten Tierversuche zur Entwicklung neuer Medikamente gegen Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs.

Grundsätzlich steht die Bevölkerung Tierversuchen jedoch deutlich negativer gegenüber. 53 Prozent der Stimmbürger lehnen Tierversuche zu Forschungszwecken generell eher ab. Steht ein erstrebenswertes und greifbares Ziel im Vordergrund, wie oben beschrieben, sieht die Lage etwas anders aus. Nur rund 34 Prozent lehnen Tierversuche rundweg ab.

Strenges Tierschutzgesetz schafft Vertrauen
Grund für die zwiegespaltene Haltung sieht der Forschungsbericht im Thema an sich: «Das Thema Tierversuche ist konstant negativ besetzt, emotional aufgeladen und per se sind Tierversuche nicht erwünscht», steht im Fazit der Studie. Kein Wunder: Niemand will Tiere umsonst leiden lassen. Doch für viele heiligt der Zweck letztlich die Mittel. 

Ausserdem: Die Schweiz – dem stimmen auch die Befragten zu – hat ein strenges neues Tierschutzgesetz. Dies trägt laut der Studie zu einem gewissen Vertrauen gegenüber den Forschenden bei. So ziehen es auch 91 Prozent der Befragten vor, Tierversuche in der Schweiz zuzulassen, anstatt diese ins weniger restriktive Ausland zu verlagern.

Klaren Handlungsbedarf sähen die Stimmberechtigten allerdings bei der Suche nach alternativen Lösungen, um die Zahl der Tierversuche zu senken oder sie gleich ganz zu ersetzen. 83 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass es ein koordiniertes Forschungsprogramm braucht, um Alternativmethoden zu Tierversuchen zu erforschen.

Wenig Vertrauen in Pharmabranche und Medien
Die am Donnerstag veröffentlichte repräsentative Umfrage unter etwa 1000 Befragten wurde vom Branchenverband der Schweizer Pharmaindustrie (interpharma) in Auftrag gegeben und vom Forschungsinstitut gfs.Bern durchgeführt. Die Auftraggeber um Novartis, Hoffmann-La Roche und Co. werden sehr wohl an einer positiven Einstellung der Bevölkerung gegenüber Tierversuchen interessiert sein, sie kriegen in der Umfrage aber selbst auch ihr Fett weg: Bei der Frage nach der Glaubwürdigkeit verschiedener Akteure und Organisatoren schneidet die Pharmaindustrie schlecht ab. Für gerade einmal 34 Prozent der Befragten ist sie glaubwürdig.

Gut, wir müssen nichts sagen, denn auch den Medien vertrauen nur 34 Prozent der Umfrage-Teilnehmer. Die glaubwürdigsten Akteure in dieser Thematik sind laut der Befragung die Tierschutzorganisationen mit 71 Prozent Vertrauen vor den Ärzten mit 68 Prozent. Am misstrauischsten sind die Bürger den Politikern gegenüber, «wobei dies wohl nur sekundär mit dem Ruf im Bereich des Tierschutzes zu tun hat», wie in der Studie steht.

Die Studie kann auf der Website von interpharma eingesehen werden.

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