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Ausflüge

Die malerischen Vogesen wie ein Cowboy erkunden

Nutztiere | Donnerstag, 31. Juli 2014 07:40, Oliver Loga

Die «Swiss Mountain Ranch» ist ein besonderer Reiterhof. In den malerischen Vogesen unweit von Basel treffen Pferdefreunde auf eine unberührte Natur, die zu ausgiebigen Ausritten einlädt. 

Es ist fast ein bisschen unheimlich. Wir fahren nun schon einige Kilometer durch den Wald der «Mille Etangs» (tausend Seen), ohne auch nur einer Menschenseele begegnet zu sein. Langsam wachsen Zweifel, ob sich in dieser verlassenen Gegend wirklich ein Reiterhof befindet? Doch dann, wie aus dem Nichts, stehen wir vor der Swiss Mountain Ranch. Rund herum befindet sich nichts ausser unzähligen Bäumen. Zwei bellende Hunde kommen auf mich zugerannt. «Die tun nichts», beruhigt Henriette Brawand. Sie betreibt den Hof zusammen mit ihrem Mann Kurt. Tatsächlich erweisen sich die beiden Vierbeiner nach einer kurzen Kennenlernphase als überaus zutraulich. «Kurt hat Zorro ausgesetzt im Wald gefunden. Er hatte zwei Maulkörbe übereinander angelegt», erzählt Henriette Brawand mit ernster Miene. «Und Flint ist uns zugelaufen. Bei uns haben sie es jetzt aber gut.» Die Tierliebe des Ehepaars ist zu spüren.

Eigentlich bin ich aber gar nicht wegen der Hunde da, die gerade um meine Aufmerksamkeit buhlen, sondern um mir die Pferde anzusehen. Die Quarterhorsestute «Sir Lancelot», «Grey», ein Angloaraber, die beiden Freibergerstuten «Muschka» und «Julia», «Fanny» (Freiberger × Araber), das Pony «Ghadafi», «Amor», ein Shetlandpony, der Appaloosawallach «Mustang Pep Graude» und das Paint-Horse «Taranis» grasen friedlich auf der Weide. Ich versinke bei ihrem Anblick in Gedanken und geniesse die idyllische Abgeschiedenheit, die fast unwirklich erscheint, als mich Henriette Brawand schliesslich aus meiner Märchenwelt reisst. 

Gelungener Aufstieg als erster Erfolg
«Du reitest gleich auf Muschka», sagt die ehemalige Lehrerin. Mein Adrenalinspiegel steigt in schwindelerregende Höhen. Damit hatte ich nicht gerechnet. «Okay», murmele ich und versuche meine Unsicherheit so gut es geht zu verbergen. Doch es ist Zeit für ein Geständnis: «Ich sass erst zweimal auf einem Pferd und bin nie über Schrittgeschwindigkeit hinausgekommen», stammele ich. Henriette Brawand lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen und versucht mir die Nervosität zu nehmen. «Muschka ist ganz lieb. Du musst dir keine Sorgen machen.» 

Leichter gesagt, als getan. Als ich vor der grossen Freibergerstute stehe, sehe ich nämlich das nächste Problem auf mich zukommen: Ob ich wohl eine Leiter bekomme, um auf den Pferderücken zu gelangen? «Stell dich nicht so an! Das schaffst du!», versuche ich mir Mut zu machen. Das Aufsteigen klappt auf Anhieb. Ein erstes Erfolgserlebnis. Und nun? Bevor ich mir überlegen kann, wie man ein Pferd lenkt, setzt sich Muschka in Bewegung und steuert die nächstgelegenen, saftigen Grashalme an. Ich fühle mich wie ein hilfloser Beifahrer ohne jeglichen Einfluss. Das kann ja heiter werden. Brawand beeindruckt der Irrgang aber nicht. «Du gibst die Richtung im Westernreiten am besten mit Gewichtsverlagerungen vor. Ausserdem folgt Muschka dem Leitpferd. Es kann also nichts passieren.» 

Völlige Entspannung auf dem Pferd
Gut zu wissen, denke ich, und versuche, die Anweisungen umzusetzen. Nach ein paar Minuten klammere ich mich nicht mehr verkrampft an den Sattelknauf und halte nur noch lässig die Zügel – wie ein Cowboy, nur der Hut fehlt. Meine Verunsicherung weicht auch dank Muschkas liebem und ruhigem Wesen erstaunlich schnell einem Gefühl völliger Entspannung. Obwohl es ein heisser Tag ist, sind die Temperaturen im Wald angenehm. Mein Blick wandert immer wieder zu den unzähligen malerischen Seen. Ich fühle mich im Einklang mit der Natur und geniesse die Stille. So fühlt es sich also an, wenn man auf dem Pferderücken alle Sorgen hinter sich und die Seele baumeln lassen kann. Das meinen also all die Freizeitreiter damit, wenn sie davon erzählen, dass sie am besten auf Rössern abschalten können. 

Dann lenkt jedoch Henriette Brawand von der Idylle ab. «Wir versuchen jetzt mal zu traben», sagt sie. Und ehe ich fragen kann, wie das funktioniert, erhöht Muschka die Schrittfrequenz, um dem Leitpferd zu folgen. Ich komme mir zunächst wie ein hüpfender Gummiball vor, finde aber nach kurzer Zeit Gefallen an der für mich ungewohnten Gang­art. So bleibt der Trab keine Alltagsfliege. Wir streuen den schnellen Schritt von nun an häufiger ein. Ich wundere mich, dass wir bereits vor dem Eingangstor der Ranch stehen. Das können unmöglich mehr als zwei Stunden gewesen sein, seit wir in den Westernsattel gestiegen sind.

Als ich wieder Boden unter den Füssen spüre, fühle ich mich immer noch wie ein Cowboy, der gerade von seinem Ausritt zurückgekehrt ist. Meiner Reitlehrerin ist das zufriedene Lächeln nicht entgangen. «Hat Spass gemacht, oder?», fragt sie und lacht. «Mehr als das», antworte ich und bedanke mich bei ihr und Muschka für das unvergessliche Erlebnis. 

Französisch und Reiten lernen

Seit mittlerweile sieben Jahren betreiben die Brawands ihre Swiss Mountain Ranch. Sie organisieren Ausritte für Einzelpersonen oder Gruppen, Anfänger und Profis. Selbst Kinder ab zwei Jahren können auf Ponys erste Reit­erfahrungen sammeln. «In der Schweiz hätten wir uns diesen Traum aus finanziellen Gründen nicht verwirklichen können», sagt das Berner Ehepaar. Ihre Gäste kommen in erster Linie aus Frankreich und Deutschland. Schweizer sind eher Ausnahmen. Dabei liegt das Reitparadies nicht einmal eine Autostunde von Basel entfernt.

Neben ausgiebigen Ausritten ist auf der Swiss Mountain Ranch auch Französischunterricht bei diplomierten Lehrkräften möglich. So können Kinder Angenehmes mit Nützlichem verbinden. «Wir nehmen nur vier Kinder auf, um eine individuelle Betreuung zu garantieren», sagt Henriette Brawand, die auch mit schwierigen Jugendlichen arbeitet. «Die Tiere tun ihnen sehr gut.»

Und wer weder Reit- noch Sprachkenntnisse auffrischen möchte, sondern sich in erster Linie nach Erholung sehnt, ist bei den Brawands auch richtig. Ihr Ferienhaus «Villa Brawantia» (siehe Kasten) im charmanten Örtchen Bussang bietet zwei gemütliche Wohnungen, in dem auch Hunde willkommen sind. «Bei uns können Gäste das ganze Jahr über aktiv sein», verspricht Brawand. Die Vogesen bieten perfekte Bedingungen für Wanderungen, Mountainbiking, Pilzesammeln, Gleitschirmfliegen, Skifahren, Schlitteln und Snowboarden. «Und das bei deutlich günstigeren Preisen als in der Schweiz.» 

Ein Ausflug in die Vogesen lohnt sich also in vielerlei Hinsicht – erst recht, wenn man sich wenigstens für kurze Zeit wie ein Cowboy fühlen möchte. 

Reiten in den Vogesen

Die Swiss Mountain Ranch befindet sich nahe der französischen Gemeinde Bussang. Anreise: Mit dem Auto ist Bussang rund 80 Kilometer von Basel entfernt. Mit dem Zug ist die Anreise umständlich und dauert deutlich länger. Übernachten: Die «Villa Brawantia» in Bussang bietet zwei Ferienwohnungen mit familiärer Atmosphäre. Henriette Brawand holt Gäste dort ab, um sie zur Swiss Mountain Ranch zu bringen. Informationen: Tel. 0033 988 18 78 11. E-Mail: info@brawantia.ch; www.brawantia.ch
Umgebung: Ein Besuch der elsässischen Stadt Mulhouse ist empfehlenswert. 


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