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«Wühlkegel»

Das erste Spielzeug für Schweine

Nutztiere | Mittwoch, 9. Juli 2014, Matthias Gräub

In freier Natur erkunden Schweine gerne ihre Umgebung und wühlen auf der Suche nach Futter im Boden herum. In einem Mastbetrieb geht das nicht. Mit einem «Wühlkegel» soll dieser Trieb nun befriedigt und weicher Boden simuliert werden.

Mehr als eine Million Schweine leben heute in Schweizer Mastbetrieben und verbringen dort ihren Alltag auf Spaltenböden, ohne je frische Luft zu sehen («Tierwelt Online» hat berichtet). Tierschützer wehren sich regelmässig gegen diese Tierhaltung und sähen am liebsten nur freilaufende Schweine. Wirtschaftlich ist eine solche Vorstellung allerdings zur Zeit utopisch. Also bemühen sich Wissenschaftler darum, den Schweinen ein wenig Freiheitsgefühl in den Stall zu bringen.

Deutsche Forscher der Universität Kassel haben nun offenbar eine Lösung gefunden, das schweine-typische Wühlen im Erdboden im Schweinestall zu simulieren. Mit einem eigens dafür entwickelten Spielzeug. Man nehme ein paar Sprungfedern, befestige darauf je eine Kunststoffkugel und schraube das Ganze am Stallboden fest. Et voilà: Fertig ist der «Wühlkegel». Während drei Jahren wurde er mit Fördergeldern der Deutschen Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) entwickelt.

Ein zweischneidiges Schwert
Laut dem BLE eröffnet das «Beschäftigungsgerät» den Schweinen die Möglichkeit, ihren «angeborenen Wühl- und Beisstrieb» auszuleben. Wie auch in Deutschland ist in der Schweiz seit 2013 vorgeschrieben, Schweinen jederzeit Zugang zu sogenanntem «Beschäftigungsmaterial» zu gewähren. In der Regel ist dies Stroh, Raufutter oder ein sogenannter «Nagebalken». Auch Ketten kommen in Schweineställen zum Einsatz. Diese werden den Tieren laut den Wissenschaftlern allerdings schnell langweilig. Anders soll es mit den «Wühlkegeln» gehen: «Durch die unvorhergesehenen Bewegungen der Kugeln bleiben die Wühlkegel während der gesamten Mastdauer interessant.»

Inwiefern das neue «Schweinespielzeug» den Tieren das Gefühl des Wühlens wirklich gibt, ist noch nicht erforscht. Für Tierschützer dürfte die Erfindung ein zweischneidiges Schwert sein: Einerseits ist sie eine kleine Verbesserung der Haltungsbedingungen in Schweinemastbetrieben, andererseits könnte sie einen Beitrag dazu leisten, dass Schweinehalter ihre Tiere künftig mit besserem Gewissen im Stall einsperren.

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