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Brieftauben

Gurrende Kriegshelden

Tauben, Kleintierzucht | Dienstag, 28. November 2017, Rita Schmidlin

Heute drohen sie in Vergessenheit zu geraten, aber in der Vergangenheit waren Brieftauben mitunter kriegsentscheidend. Dementsprechend wurden einige von ihnen gefeiert. Ein Überblick über einige Brieftauben, die im Dienst fürs Vaterland zu Ruhm und Ehre kamen. 

Die Brieftauben Gustav und Paddy werden ausgezeichnet (Video: British Pathé).

Gustav, Paddy und GI Joe
Gustav, Paddy und GI Joe wurden alle drei mit der Dickin-Medaille ausgezeichnet. Diese Medaille wurde von der britischen Tierrechts-Pionierin Maria Dickin eingeführt und an Tiere verliehen, die Menschenleben retteten. Gustav wurde ausgezeichnet, weil er 1944 die erste Meldung von der Landung der Alliierten in der Normandie nach England überbrachte, Paddy gelang es, die schnellste Meldung über den Ärmelkanal zu bringen und GI Joe war dafür verantwortlich, dass ein Bomberangriff, der mindestens 100 alliierte Soldaten getötet hätte, in letzter Sekunde verhindert wurde.

Die Brieftaube GI Joe bekommt eine Medaille (Video: British Pathé):

Cher Ami
Cher Ami (lieber Freund) war ein Brieftaubenmännchen der U.S. Army. Im Ersten Weltkrieg wurde es nach einem Einsatz in Frankreich zum Helden. Ein amerikanisches Bataillon hatte 1918 die Verbindung zum Rest der US-Armee verloren. Es war hinter den feindlichen Linien eingeschlossen, umzingelt von deutschen Truppen. Als die Artillerie begann, die Deutschen anzugreifen, gerieten so die eigenen Kameraden unter Beschuss. Rasch schrieb der Kommandant des eingekeilten Bataillons eine entsprechende Nachricht und liess Cher Ami damit losfliegen. Die Brieftaube startete sofort, wurde aber von feindlichen Kugeln verletzt. Trotzdem flog sie die 25 Kilometer zum Taubenschlag im amerikanischen Lager. Der Brief kam an, die Artillerie stoppte ihren Angriff – Cher Ami hatte 194 Soldaten das Leben gerettet. Er wurde von der französischen Armee mit dem Kriegsverdienstkreuz ausgezeichnet. Heute steht Cher Ami auf einem Bein – das andere musste amputiert werden –  im National Museum of American History in Washington D.C.

Winkie
Die schottische Taubendame Winkie hatte einen bemerkenswerten Einsatz. Sie war bei Bombereinsätzen über dem europäischen Festland dabei. Im Februar 1942 wurde der Bomber über Skandinavien durch Abwehrfeuer stark beschädigt. Die Besatzung konnte die Maschine bis 200 Kilometer vor der englischen Küste in der Luft halten, bevor sie bei rauem Seegang in der Nordsee notlanden musste. Die Besatzung konnte sich in Schlauchbooten in Sicherheit bringen, hatte aber keine Möglichkeit mehr, ihre Position über Funk an die Basis zu melden. Die Taube wurde beim Aufschlag des Fliegers in ihrer Box ins Wasser geschleudert. Durch den Aufprall wurde die Box beschädigt und Winkie konnte sich befreien. Es gelang ihr, loszufliegen und Kurs auf das Festland zu nehmen. Bei Tagesanbruch erreichte sie ihren Taubenschlag der Royal-Air-Force-Basis. Ihr Betreuer schloss aus Winkies Zustand, dass die Rettungsteams den vermissten Bomber wohl am falschen Ort suchten. Anschliessend wurde die vermisste Besatzung innerhalb einer halben Stunde entdeckt und gerettet. 

General
Nicht so berühmt wie seine ausländischen Kollegen war die Schweizer Militärbrieftaube General. Er hatte es friedlicher in seinen Einsätzen und flog auch keine Einsätze als Lebensretter. Aber er war immerhin bei der Abschaffung der Armeebrieftauben an vorderster Front dabei und erlebte einige Höhepunkte: Gurren fürs Radio, Fotosujet für in- und ausländische Journalisten und Fernsehauftritte für verschiedene in- und ausländische Stationen sind ja auch nicht gerade alltäglich in einem Taubenleben. An seinem letzten «Arbeitstag» als Armeevogel entschied er zusammen mit Kollegen ein Rennen gegen Militärautos für sich. Nach der Auflösung des Brieftaubendienstes durfte die letzte Armeebrieftaube noch viele Lebensjahre in einem zivilen Schlag verbringen. 

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