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Umwelt

Angst vor Verbreitung von Fischkrankheit

Kleintierzucht, Natur & Umwelt | Donnerstag, 26. Oktober 2017 11:43, sda

Ein Parasit in den Flüssen der Schweiz, Europas und USA setzt den Fischbeständen zu.

Forschende der EPFL, Eawag und der Uni Bern stellen nun ein mathematisches Modell vor, um Ausbrüche der Fischkrankheit vorherzusagen. Der Parasit Tetracapsuloides bryosalmonae befällt Süsswasserfische und löst bei ihnen eine tödliche Nierenerkrankung aus. Für Menschen ist der Erreger ungefährlich. Von Fisch zu Fisch kann er sich jedoch leicht weiterverbreiten und ganze Bestände auslöschen, schrieb die ETH Lausanne (EPFL) in einer Mitteilung. In der Schweiz seien beispielsweise Regenbogenforelle, Bachforelle und Saibling betroffen. Die Krankheit gilt als einer der Hauptgründe für den Rückgang der Fischbestände in den letzten Jahrzehnten und hat zum Verschwinden mancher lokaler endemischer Arten beigetragen.

Gemeinsam mit Kollegen von der Forschungsanstalt Eawag und der Universität Bern haben EPFL-Wissenschaftler drei Jahre lang den Fluss Wigger in den Kantonen Luzern und Aargau untersucht. Anhand der Daten konnten sie ein mathematisches Modell entwickeln, um die Verbreitung des Parasiten zu modellieren und Ausbrüche vorherzusagen. Davon berichteten sie kürzlich im Fachblatt «PNAS».

Moostierchen und Fische
Für das Modell mussten die Wissenschaftler den Lebenszyklus des Parasiten berücksichtigen: Zunächst befällt der Erreger nämlich sogenannte Moostierchen (Bryozoa), die an Steinen im Flussbett haften. In Form von Sporen gelangt der Parasit dann ins offene Wasser und dringt über die Kiemen der Fische in deren Schleimhäute ein, bevor es ihre Nieren befällt.

Über den Harn gelangen – mittlerweile mutierte – Sporen wiederum ins Wasser und infizieren Moostierchen. Der Erreger braucht somit sowohl Moostierchen als auch Fische für seinen Lebenszyklus. Eine weitere Stufe der Komplexität: In kühlem Wasser ruft der Parasit kaum Symptome hervor. Bleibt die Wassertemperatur jedoch mehrere Wochen über 15 Grad Celsius, wird die Krankheit tödlich für die Fische. Infizierte Tiere, die überleben, scheiden noch über lange Zeit Sporen aus. All das mussten die Forschenden berücksichtigen.

Eine Fülle von Daten
Für das Modell sammelten sie von mehreren Abschnitten der Wigger Proben von Fischen, massen die Konzentration von Moostierchen- und Parasiten-DNA im Wasser, um deren Verbreitung abzuschätzen, und berechneten hydrologische und geomorphologische Variablen, wie Studienautor Luca Carraro von der EPFL gemäss der Mitteilung erklärte. Dabei stellte sich beispielsweise heraus, dass der Parasit besonders in Moränen gedeiht, wo er vor Strömungen geschützt ist.

Ihre eigenen Daten kombinierten die Wissenschaftler zudem mit zahlreichen weiteren, zum Beispiel um den Klimawandel und die Wassertemperaturen zu berücksichtigen. Zwar lässt sich die Fischkrankheit derzeit nicht wirksam bekämpfen, jedoch könnten Vorhersagen mit dem Modell bei Umweltmanagemententscheiden helfen, hoffen die Forschenden.

Zudem liesse sich das Modell mit Anpassungen auch auf andere Bereiche anwenden, wie um die Verbreitung invasiver Arten oder das Verschwinden einheimischer Arten vorherzusagen, schrieb die EPFL.

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