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Geflügel

Ein Tag im Leben eines Huhns

Kleintierzucht | Donnerstag, 18. September 2014 07:15, Fabienne Schenkel

Sie scharren, picken, fressen – und die Hennen legen täglich ein Ei. So viel weiss man vom Tagesgeschehen der Hühner. Sie sind aber auch ausgesprochene ­Geniesser und gönnen sich viel Wellness.

Ob Sommer oder Winter, Hühner spulen täglich ein immenses Programm ab, das nur wenigen Abweichungen unterliegt. Ihre innere Uhr wird durch Lichtwechsel, Sonnenstand und Stoffwechsel gesteuert. So wissen sie, wenn ein neuer Tag anbricht. Hühner sind Frühaufsteher. Hat man nebst Hennen auch einen Hahn, eröffnet er mit seinem morgendlichen Ruf den Tag. 

Da Hühner sehr viel Wert auf ihr Äusseres legen, beginnen sie bereits frühmorgens, meist noch vor der Dämmerung, mit dem Putzen ihres Gefieders (Bild 1). Jede Feder wird dabei einzeln durch den Schnabel gezogen, um so wieder Ordnung ins Gefieder zu bringen. Meist tun die Tiere dies noch auf der Sitzstange. Eine akrobatische Leistung, wenn man bedenkt, dass sie sich dabei auf einem etwa drei Zentimeter dünnen «Ast» festkrallen.  

Ein Auge für Feinde, eines für Fressbares
Nun geht es an die Verpflegung. Zunächst wird Wasser getrunken. Ein Hühnerkörper besteht ungefähr aus 60 Prozent Wasser, ein Ei gar aus über 70 Prozent. Verständlich also, dass das Huhn auch im Laufe des Tages immer wieder eine Wasserquelle aufsucht. 


Sobald sich die Tür zum Hühnerhof öffnet, marschieren die Tiere in den Auslauf (2). Meist geschieht dies in einer bestimmten Reihenfolge, denn Hühner leben in einer starren Hierarchie, vermutlich der stabilsten in der Tierwelt. Draussen startet die Nahrungssuche (3). Am liebsten mögen Hühner dickblättrige, zarte Pflanzen wie Klee oder Löwenzahn. Geschmacklich darf es gerne bitter sein. Zu grosse Nahrungsstücke zerkleinern die Hühner, indem sie sie mit dem Schnabel packen und am Boden hin und her wetzen, bis sie die optimale Grösse erreicht haben. 

Haben die Hühner einen grossen Auslauf, legen sie für die Futtersuche längere Strecken zurück. Sie entfernen sich in der Regel aber nie mehr als 50 Meter vom Stall. Dabei sind sie immer wachsam auf das, was um sie herum geschieht. Das ist kein Problem für das Federvieh, denn dank ihren seitlich am Kopf angebrachten Augen können sie zwei Sachen gleichzeitig sichten. Mit dem einen Auge, normalerweise dem linken, halten sie Ausschau nach Feinden in der Luft, mit dem rechten konzentrieren sie sich auf allfällige Leckerbissen am Boden. Liegt nichts Offensichtliches mehr herum, scharren sie in der Erde und suchen nach Würmern, Grashalmen oder freigelegten Wurzeln – zum Missfallen der Tierhalter, da sich durch das Scharren Grasnarben bilden. 

Meist morgens, spätestens aber bis 16 Uhr suchen die Hennen einen Platz auf, um ihr Ei abzulegen. Haben Hennen mal ein Nest gefunden, wechseln sie es nur in den seltensten Fällen. Zum Beispiel dann, wenn das gewohnte Nest bereits besetzt ist, oder wenn sich im Auslauf eine neue Möglichkeit bietet. Hühner machen sich nicht die Mühe selber ein Nest zu bauen. Sie legen sich in ein Legenest oder an einen anderen gut ausgestatteten Platz. Durch Hin- und Herrutschen wird ein Nest der Körpergrösse angepasst, damit es auch wirklich bequem ist. Schliesslich ist die Eiablage keine schnelle Sache, zwischen 30 Minuten und drei Stunden verbringen die Hennen pro Tag beim Eierlegen. Da ist es wichtig, dass sie ungestört sind und sich wohlfühlen. 

In der Mittagszeit gehen Hühner einer eher ruhigen Beschäftigung nach; sie nehmen ein Sand- oder Staubbad (4). Das lässt sich mit einem Wellnessbesuch von uns Menschen vergleichen. Es dient zur Erholung wie zur Körperpflege und Entspannung und läuft meist in derselben Reihenfolge ab: Zuerst wird die ausgewählte Stelle mithilfe der Füsse präpariert. Dann steht das Huhn in die vorbereitete Mulde und plustert sich auf. Mit Krallen und Schnabel verteilt es die «Massagesubstanz» – Sand oder feine, trockene Erde – im gesamten Gefieder. Danach legt es sich in die ausgescharrte Mulde und entspannt circa 30 Minuten, bevor es zur Reinigung geht. 

Meist ruht nur der Vorderkörper ganz in der Mulde während Rücken- und Schwanzpartie hoch hinausragen. Mit wälzenden Bewegungen drehen sich die Tiere auf den Rücken oder auf die Seite, den Kopf jedoch immer relativ aufrecht gehalten. Durch Schütteln des gesamten Gefieders werden im Anschluss die einzelnen Federn wieder geordnet. Sand- und Staubpartikel verbinden sich mit Ungeziefer und fallen durch die heftigen Bewegungen ab. 

Ohne Wellness sind Hühner aggressiver
Wichtig für den Putzvorgang ist die Bürzeldrüse, die sich auf der Oberseite der Schwanzwurzel befindet. In dieser Drüse bildet sich ein öliges Sekret. Beim Putzen streicht das Huhn mit dem Kopf über sie, so nehmen einige Federn das Öl auf und verteilen es auf das übrige Gefieder. Dies wirkt einerseits wasserabstossend, andererseits säubert und trocknet es die Federn. Hühner pflegen alle Teile ihres Gefieders. Haben sie genügend Zeit und einen geschützten Ort für diese Tätigkeit gefunden, widmen sie sich vor allem ausführlich den weiter entfernten Gefiederpartien. Vielleicht, weil sie für die Pflege der näherliegenden immer wieder kurz Zeit finden.

Sandbaden trägt immens zum Wohlbefinden der Tiere bei. Hühner, die keine Möglichkeit zum Sandbaden haben, sind oft aggressiver als solche, die genügend «Wellness» betreiben. 

Nach dem Besuch der Wellnessoase wird erneut nach Nahrung gesucht und der Durst gestillt. Je nach Jahreszeit gönnen sich die Tiere mehr oder weniger Erholung an schattigen Plätzen. Am liebsten unter Sträuchern und Büschen, wo sie keine Angst vor Feinden aus der Luft haben müssen. Bei günstigem Wetter sind Hühner auch einem ausgiebigen Sonnenbad nicht abgeneigt. Dafür legen sie sich in die Wiese, die Beine seitlich vom Körper gestreckt. Die Augen sind dabei meist geschlossen, so verharren sie mehrere Minuten lang praktisch reglos. 

Beliebter Besuch
Später gibt es vielleicht noch eine kurze Begegnung mit einem Hahn oder es steht noch ein Rangordnungskampf bevor (5). Bei Letzterem wird gesprungen, gehackt und auch mal mit dem Schnabel zugepackt. Hähne setzen auch ihre stärkste Waffe, den Sporn ein. Beides bringt Aufregung in den Hühnerhof und kostet die beteiligten Tiere viel Energie, sodass danach wieder Erholung angesagt ist. Meist geschieht dies beim erneuten Putzen des Gefieders. Gern gesehen ist natürlich auch ein Besuch des Züchters, der feine Körner mitbringt (6). Dann rennt die ganze Schar aus ihren Verstecken heraus. 

Gegen Abend nehmen die Hühner vermehrt Nahrung auf. Sie füllen ihren Speicher, den Kropf, bevor sie zu Bett gehen. Mit Einbruch der Dämmerung suchen Hühner ihren Schlafplatz auf. Draussen verbringen sie die Nacht am liebsten auf einem Ast, im Stall auf einer Sitzstange. Den Kopf vergraben sie unter einem Flügel, während sie sich dicht zusammengedrängt mit den Krallen am Ast oder der Sitzstange festhalten. Der Abstand zwischen den einzelnen Tieren beträgt im Normalfall sieben bis acht Zentimeter.

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