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Kaninchen

Drei Kilogramm bedeutet Schlachthaus

Kleintierzucht | Donnerstag, 7. August 2014 06:00, Heinz Schmid

Kaninchenfleisch ist gefragt, doch nur etwa die Hälfte des Fleischs, das in die Läden kommt, wird in der Schweiz produziert. Wer hier einen professionellen Mastbetrieb führt, muss sich an strenge Richtlinien halten.

Die junge Familie Bütler aus Abtwil AG nahm die Herausforderung eines professionellen Betriebszweiges an und stellte ihren bis dahin produzierenden Milchviehbetrieb auf Kaninchenzucht und Mast um. Seit der Umstellung sind drei Jahre vergangen und der Betrieb läuft gut.  

Gewerbliche Betriebe sind spannend für Rassekaninchenzüchter, denn beide müssen auf Fragen von Fruchtbarkeitsproblemen, Jungtierverluste und Tierschutz Lösungen suchen. Der Betrieb von Bütlers geht beim Tierschutz gar einen Schritt weiter, um den Absatz über Grossverteiler sicherzustellen. So führt Karl Bütler den Betrieb nach BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme) und nimmt damit einen Arbeitsmehraufwand auf sich. 

Die Stallungen erlauben sowohl Einzel- als auch Gruppenhaltung mit acht Zibben und ihren Jungtieren. Die Mütter dürfen aber nur maximal zwölf Tage eingesperrt sein, so wollen es die BTS-Vorschriften. Schliesslich will sich der Abnehmer – wie in unserem Fall Coop – auf eine korrekte Produktion abstützen können.

In 80 Tagen zum Schlachtgewicht
Als Schlachtkaninchen eignen sich verschiedene Kreuzungen. Wie Karl Bütler sagt, sind die ZIKA (Zimmermann-Kaninchen) weniger zutraulich und etwas grösser als die französische Rasse Hycol, mit der er jetzt vorwiegend arbeitet. Die weiblichen Jungtiere werden im Alter von 18 Wochen erstmals gedeckt und legen dann im Schnitt etwa zehn Jungtiere ab, leider müsse man mit etwa zehn Prozent Verlusten rechnen. Im Alter von 30 Tagen werden die Jungtiere von der Mutter weggenommen. Zu diesem Zeitpunkt wiegen sie zwischen 700 und 800 Gramm. 

Das Wachstumspotenzial von ZIKA und Hycol – eigentlich der meisten Hybridrassen – ist enorm. Im Alter von 84 Tagen haben die Tiere ein Gewicht von drei Kilogramm. Zu diesem Zeitpunkt werden die schwersten Tiere herausgenommen und zu einem nahe gelegenen Schlachthof gebracht. 

Für die 200 Zibben, deren Gruppen nicht immer neu zusammengestellt werden, müssen genügend Remonten (weibliches Nachzuchttier) zur Verfügung stehen. Es komme immer wieder vor, dass eine Zibbe ausscheide, altersmässig, oder wegen Milchmangel oder Fruchtbarkeitproblemen, erklärt Bütler. 

Auf der Stallkarte werden die Anzahl Jungtiere (bis zu 20 Nestlinge) und die Abgänge markiert. Bütler: «Erhält ein Tier ein grosses Kreuz, dann scheidet es aus dem Bestand aus und muss zur Schlachtung.» Auf der Stallkarte wird zudem angezeigt, ob eine Zibbe einen Tag früher oder später als geplant geworfen hat. 

Gutes Kaninchenfleisch ist gesucht
Die Tiere haben genügend Platz, um mit den Jungtieren herumzutollen. «Klar kommt es hin und wieder einmal zu Problemen und Streitereien. Haarbüschel zeigen, dass nicht jede Zibbe sich mit jeder verträgt», erzählt der Züchter.

Die 200 Zibben werden alle gleichzeitig gedeckt. Fünf Tage vor dem Besamungstermin bestellt Karl Bütler das Sperma bei einer in der näheren Umgebung gelegenen Kaninchen-KB-Station. Die Spermien werden zuvor von den Böcken gewonnen. Das Frischsperma wird auf die Qualität geprüft und mit einer Eisprung auslösenden Flüssigkeit vermischt. Bütler holt die kostbare Fracht mit einer Kühlbox ab; die Temperatur der Kühlbox beträgt  17 Grad Celsius. 

Künstliche Besamung hat den Vorteil, dass keine Krankheiten im Stall verbreitet werden und man ist auch sicher, dass die Qualität stimmt und sich ein guter Fruchtbarkeits­index berechnen lässt. Mit welchen Belegungskosten zu rechnen sei, wollten wir von Bütler wissen. «Ohne Arbeitskosten rechne ich mit 1.55 Franken pro Besamung einer Zibbe.» 

Seitens der männlichen Tiere wird nach guten Schlacht- und Fleischleistungen selektioniert. Das ist nötig, will man mit dem Ausland mithalten. Gutes Kaninchenfleisch ist gesucht. Vor allem Coop-Konsumenten interessieren sich für diese Fleischart, unterstreicht Bütler. «Je besser das Fleisch aufbereitet ist, desto eher steigen die Konsumenten ein. Das gilt auch für Restaurants, Spitäler und Altersheime.»

Noch ist die inländische Kaninchenfleischproduktion auf tiefem Niveau. Nur etwa die Hälfte des Fleischs, das in die Läden kommt, wird in der Schweiz produziert, dabei bringt  die inländische Produktion Vorteile: Lange Transportwege fallen weg, und dank seriöser Kontrollen kann man sich darauf verlassen, dass die strengen Richtlinien eingehalten werden. 

Immer wieder betont Karl Bütler, wie wichtig Sauberkeit und die Versorgung der Tiere mit Wasser ist. Im neu erstellten Maststall ist er mit dem Wasserleitungssystem zufrieden, im Zuchtstall könnte es hingegen Veränderungen geben. Ein Zuleitungssystem muss im Winter wie im Sommer funktionieren. Damit die Leitungen immer sauber sind, wird mit einem elektrophysikalischen Reinigungssystem gearbeitet. Im Aufzuchtstall, der im ehemaligen Kuhstall eingerichtet ist, bilden die alten Schwemmkanäle die Basis für die Entmistung. 

Genügend Licht und Platz
Bütler achtet auch auf gutes Heu, solches ohne Klee. Er fördert den Raygrasbestand auf dem ganzen Betrieb, sodass das Dürrfutter auch mit einem guten Pferdeheu verglichen werden kann. 

Der Betriebszweig mit Kaninchenzucht und -mast fordert jeden Landwirt. So ist Bütler immer auf der Suche nach noch besseren Haltungsbedingungen. Versuche mit Vernebelungen im Stall sollen das Klima verbessern und das Tierwohl zusätzlich steigern. Selbst Holzlisten stehen den Tieren zum Knabbern zur Verfügung. Die Tiere sollen in ihrem kurzen Leben genügend Platz und Licht haben. Bei Bedarf kommt ein Lichtprogramm zum Einsatz. Und sie sollen natürlich auch warm haben, dafür sorgt die Heizung, wenn denn eine Kältefront aufzieht. 

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