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«Interview»

Schwatz mit dem Osterhasen

Kleintierzucht | Samstag, 19. April 2014 09:00, Emil Stöckli

Auf solche Gelegenheiten wartet jeder Journalist: «Tierwelt»-Redaktor Emil Stöckli war entzückt, als ihm auf einem Spaziergang der Osterhase begegnete. Er nutzte die Gelegenheit und stellte dem «fabelhaften» Tier ein paar Fragen. 

Osterhase, seit wie vielen Jahren bist du eigentlich an Ostern im Einsatz?
Mein Name ist Hase, ich weiss von nichts! Nein, ernsthaft, diese Frage kann ich nicht genau beantworten. Es gibt keine schriftlichen Aufzeichnungen. Doch gemäss mündlicher Überlieferung sollen meine Ahnen bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Menschen beschenkt haben. 

Aber wieso bringst du ausgerechnet Eier, obwohl du als Hase keine legen kannst?
Ich denke, das hat damit zu tun, dass das Ei als Fruchtbarkeitssymbol auch als Anfang von neuem Leben gilt. 

Wie gehst du mit der Gefahr um, Kindern zu begegnen, die dann ihre Illusion vom «unsichtbaren Osterhasen» velieren?
Keine Angst, ich achte peinlich genau darauf, mich den Kindern nicht zu zeigen. Tatsächlich ist mir das bis anhin auch gelungen. Ich will doch ihre Illusionen nicht zerstören. Wenn, dann treffe ich mich ausschliesslich mit erwachsenen Personen. 

Warum triffst du dich mit Erwachsenen?
Ich kann ja schon seit Jahren nicht mehr alles selber machen rund um Ostern. Deshalb suchte ich bei den Menschen Unterstützung. Mittlerweile produzieren Hühnerfarmen Eier für mich. Einige Firmen färben die Eier und wieder andere stellen Hasen aus Schokolade her. Für den Lieferdienst am Ostertag fand ich eine ideale Lösung, indem ich die Eltern um Mithilfe bat. Sie funktioniert seit Jahren bestens. 

Aha, du sitzt also über Ostern genüsslich im Lehnstuhl, trinkst ein Glas Wein und rauchst eine Zigarre?
Einspruch – ich rauche nicht und trinke keinen Alkohol! Zudem bin ich am Ostersonntag unterwegs und kontrolliere, ob alles den geplanten Verlauf nimmt. Um nicht ganz aus der Übung zu kommen, führe ich immer noch einige Aufträge selber aus – trage Schokoladehasen und Ostereier zu den prächtigen Nestern, welche die Kinder vorbereitet haben. Den Lehnstuhl kann ich also erst ab Ostermontag wieder benützen.

Warum gibt es eigentlich für die Kinder kein Einheitsgeschenk zu Ostern? 
Gute Frage. Die Wünsche sind eben verschieden und ich lasse den Eltern, die mich unterstützen, weitgehend freie Hand bei der Wahl der Geschenke. Deshalb liegen heute oft nicht nur die traditionellen Ostergaben im Nest, sondern auch eher «Artfremdes» wie CDs, Gutscheine, Radios, TV-Geräte, Fahrräder und und und. Der Fantasie scheinen keine Grenzen gesetzt!

Findest du diese Entwicklung positiv?
Ehrlich gesagt, hin und wieder fehlt mir das Verständnis für manche Geschenke. Andererseits bin jedoch froh, wenn der Osterbrauch weiterhin Bestand hat. Wie heisst es doch so schön, Traditionen sollen erhalten bleiben, Neuerungen gegenüber darf man sich nicht verschliessen! 

Der Osterhase ist also keineswegs rückständig. Du hast schon viele Kinder glücklich gemacht. Hast du auch selber einen Wunsch oder bist du wunschlos glücklich?
Es wäre toll, wenn sich die Menschen noch stärker für den Schutz der Umwelt engagierten. Dadurch bliebe auch mein Lebensraum erhalten und ich fühlte mich rundum wohl. Jetzt ist aber ausgeplaudert – ich habe noch einen Termin bei einem Eierlieferanten. Danke für die nette Unterhaltung. 

Wildkaninchen oder Feldhase?

In der Umgangssprache werden Kaninchen häufig als Hasen bezeichnet, obwohl sie sich von diesen unterscheiden. Die Hasenkaninchen, die im Körperbau und Aussehen den Feldhasen ähneln, haben ausser dem Namen nichts mit diesen gemeinsam. Diese Rasse wurde kurz vor der Jahrhundertwende aus England eingeführt. Der Feldhase gilt im Gegensatz zum Wildkaninchen als nicht domestizierbar.  Der Feldhase ist rund 3 bis 6,5 Kilogramm schwer, das Wildkaninchen bringt nur 1 bis 2 Kilo auf die Waage. Letzteres gräbt sich Erdbauten, lebt unterirdisch und verlässt seine Höhlen in der Dämmerung zur Nahrungssuche. Seine Jungen werden blind und taub als sogenannte Nesthocker geboren, Hasen dagegen sind bei der Geburt schon relativ selbstständig. Das ist auch nötig, denn Feldhasen leben oberirdisch, auf offenen Weiden, Wiesen und Feldern und können sich nicht in den Schutz einer Höhle verkriechen. Sie halten sich tagsüber in kleinen Vertiefungen (Sassen) auf und gehen erst im Schutz der Nacht auf Nahrungssuche.

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