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Vogelzucht

Erste Seeadler-Nachzucht in der Schweiz

Zoo, Kleintierzucht | Montag, 7. April 2014, Simon Koechlin

Im Greifvogelpark Buchs im Kanton St. Gallen sind zwei junge Seeadler geschlüpft. Es ist das erste Mal überhaupt in der Schweiz, dass eine Nachzucht dieses riesigen Greifvogels gelang.

Das erste der beiden Seeadlerjungen schlüpfte am vergangenen Freitag, das zweite am Sonntag, wie Lucien Nigg, der Besitzer des Greifvogelparks Buchs, gegenüber «Tierwelt Online» sagte. Die Brut habe etwa 45 Tage gedauert und sei eine Premiere. Seines Wissens sei er der einzige Halter des Europäischen Seeadlers (Haliaeetus albicilla) in der Schweiz und deshalb auch der erste, dem eine Nachzucht gelungen sei.

Seeadler seien enorm schwierig zu züchten, sagte Nigg. Das liege vor allem daran, dass die Tiere in Gefangenschaft den ihnen zugeteilten Partner nicht so schnell akzeptierten. «Ich habe vier Jahre gebraucht, bis das Weibchen das Männchen akzeptiert hat.» Im vergangenen Jahr habe das Weibchen erstmals zwei Eier gelegt – es warf sie aber nach 14 Tagen zum Horst hinaus.

Fisch und Hühnerknochen
Einer der beiden jungen Seeadler wird nun im Horst von seinen Eltern grossgezogen. Nigg will ihn später an einen Wildtierpark in Deutschland abgeben. Das zweite Tier zieht der Greifvogelspezialist von Hand auf. Es soll später in den bekannten Flugshows auftreten, mit denen Lucien Nigg und seine Frau Zora ihren Besucherinnen und Besuchern die Welt der Greifvögel näher bringen.

Vier Mal am Tag reicht Nigg dem jungen Seeadler mit einer Pinzette Futter – kleine Fischstückchen oder Gebeine von Eintagesküken. Für das zweite Jungtier bringen die Betreuter mindestens zwei Mal täglich Futter ins Seeadler-Gehege. «Allerdings betreten wir die Voliere momentan nur zu dritt – ausgerüstet mit Laubrechen, Besen und Dächlikappen», erzählt Nigg. Die Seeadler verteidigen ihren Horst nämlich vehement und greifen Eindringlinge rasch an.

Adler, Bussarde und Käuze
Der europäische Seeadler galt Anfang des 20. Jahrhunderts in Westeuropa als ausgerottet, auch die Vorkommen in Skandinavien waren bis auf kleine Reste verschwunden. In den 1950er- und 1960er-Jahren setzte zudem das Insektizid DDT den noch verbliebenen Beständen zu, weil es wie bei anderen Greifvögeln zu dünnen Eierschalen führte. Ab Anfang der 1970er-Jahre erholten sich die Populationen allmählich, heute geht man von etwa 12000 Brutpaaren aus, einige davon auch in Österreich und Deutschland.

Besucherinnen und Besucher des Greifvogelparks können die jungen Seeadler etwa ab Mitte Mai bestaunen. Und nicht nur das: «Wenn alles rund läuft, werden wir am Ende dieser Brutsaison etwa 30 bis 40 Jungvögel haben», sagt Lucien Nigg. Darunter seltene Nachzuchten wie jene des Falklandkarakaras, des Adlerbussards oder des Habichtskauzes. Und auch vom Riesenseeadler (Haliaeetus pelagicus), von dem es im Osten Russlands noch etwa 5000 Exemplare gibt, hat Nigg dieses Jahr zwei Jungtiere.

www.greifvogelpark.ch

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