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Forschung

Tauben haben die Landkarte im Kopf

Kleintierzucht | Donnerstag, 25. Juli 2013, sda

Forscher der Universität Zürich haben kognitive Fähigkeiten von Brieftauben nachgewiesen. Sie wissen jeweils, wo sie sich im Verhältnis zum Heimatschlag befinden.

Für ihre erstklassigen Navigationskünste lesen Brieftauben nicht nur den Erdmagnetismus, die Sterne und den Sonnenstand, wie die Uni Zürich (UZH) am Donnerstag mitteilte. Sie wüssten auch, wo sie sich in Bezug auf ihren Taubenschlag befinden und könnten ihre Flugziele frei wählen, berichten die Forschenden im «Journal of Experimental Biology».

Mit einem so einfachen wie cleveren Experiment wies das Team um Hans-Peter Lipp, Neuroanatom an der UZH, das nach. Die Forscher gewöhnten Brieftauben daran, an einem anderen Ort zu fressen, etwa 30 Kilometer vom Heimatschlag entfernt. Von dort aus mussten die Tauben jeweils zurück in ihren Schlag fliegen.

Die Tiere erhielten Mini-GPS-Logger, um ihre Flugrouten aufzuzeichnen. Dann brachten die Wissenschaftler die Tauben an einen ebenfalls 30 Kilometer entfernten dritten Ort, den die Tauben nicht kannten. Natürliche Geländehindernisse versperrten die Sicht zwischen dem Startplatz und den beiden Schlägen.

Direkter Weg
Nun konnte sich eine Gruppe von Tauben vor dem Heimflug satt fressen, während die andere hungrig an den Start ging. Wie erwartet flogen die satten Vögel direkt in den Heimatschlag. Die hungrigen Tauben hingegen nahmen schon am Start Kurs auf den Futterplatz und flogen diesen direkt an. Beide Gruppen wichen von ihrem Kurs nur kurzfristig ab, um Geländehindernisse zu umfliegen.

Daraus schliesst Erstautorin Nicole Blaser, Doktorandin an der UZH, dass Tauben ihren Standort und ihre Flugrichtung in Bezug auf das Ziel bestimmen und zwischen mehreren Zielen wählen können. Sie haben also eine Art mentale Navigationskarte im Kopf, was bedeutet, dass sie kognitive Fähigkeiten besitzen. «Tauben fliegen eben mit Köpfchen», sagte Blaser.

Keine Flugroboter
Damit konnten die Forscher das Rennen zwischen zwei möglichen Theorien zur Taubennavigation entscheiden. Nach dem zweiten Ansatz würden Tauben wie Flugroboter navigieren, indem sie die örtlichen Koordinaten ihres Standorts mit denen ihres Ziels vergleichen. Dann verkleinern sie die Distanz dazwischen systematisch, bis sich beide Punkte decken.

Stattdessen «wissen» die Tauben ganz ohne Koordinaten, wo im Raum sie sich relativ zu ihrem Heimatschlag aufhalten. Bislang hatten handfeste Belege für die eine oder andere These gefehlt.

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